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Wald

TAlbino-Reh? Was Förster zu diesem überraschenden Anblick sagen

Ruhig und aufmerksam steht das schneeweiße Reh am Rand des winterlichen Waldes.

Ruhig und aufmerksam steht das schneeweiße Reh am Rand des winterlichen Waldes. Foto: rp

Im Schnee ist es gut getarnt: Es war ein besonderer Augenblick, als am Waldrand im Stader Nachbarkreis ein weißes Wildtier auftauchte. Ein Förster ordnet die Sichtung ein.

Von Julia Dührkop Freitag, 20.02.2026, 14:56 Uhr

Landkreis Cuxhaven. Ein besonderes Naturphänomen konnte jetzt in Geestland gesichtet werden: So weiß wie Schnee leuchtet das Fell des Wildtieres. Es steht regungslos am Waldesrand und schaut in die Richtung des Fotografen. Es sind nur wenige Sekunden, ehe es wieder den Schutz des Waldes sucht.

Ob es sich dabei um ein Albino-Reh handelt? Revierförster Stefan Brößling, der für das Waldstück zwischen Drangstedt und Debstedt nahe der Landesstraße 120 zuständig ist, ordnet es als Damwild ein. Für ihn ist es am Wedel, dem Schwanz, erkennbar. Dass er ein so besonderes Wild im Revier hat, wusste er noch nicht. „Rein weiße Stücke sind schon etwas Besonderes, aber nicht unbedingt selten“, sagt Stefan Brößling.

Stefan Brößling ist Revierförster in Midlum.

Stefan Brößling ist Revierförster in Midlum. Foto: Gehrke

Seltene Wildtiere mit weißem Fell im Revier Holzurburg gesichtet

Die Bezeichnung Albino beschreibt einen Gendefekt. Ob Haut oder Fell: Es bleibt weiß und ist dadurch besonders empfindlich. Ein markantes Zeichen sind die roten Augen. Doch eine Albino-Mutation schließt Tobias Loewer von der Revierförsterei Holzurburg aus.

„Es handelt sich um ein weibliches Stück Damwild“, erklärt er. Er vermutet, dass es sich um ein junges Tier handelt, das im vergangenen Jahr geboren wurde. In seinem benachbarten Revier kommen solche Tiere vor. Üblicherweise haben die Tiere braunes Fell.

Förster Tobias Loewer schätzt, dass 10 bis 30 Prozent eine sogenannte Farbanomalie aufweisen. Es ist keine Laune der Natur, sondern sei auf eine „häufige Halbdomestizierung in Wildgattern“ zurückzuführen. Das bedeutet, dass der Mensch durch Züchtung eingegriffen hat.

Tobias Loewer leitet die Revierförsterei Holzurburg.

Tobias Loewer leitet die Revierförsterei Holzurburg. Foto: Scheiter

Bei Jägern sind diese Tiere besonders beliebt. Damwild sei keine einheimische Tierart, sondern aus Vorderasien über Südeuropa verbreitet worden. „In unserer Region wurde Damwild vermutlich erstmalig in Drangstedt, Ringstedt, Beverstedt und im Holzurburger Wald in den Jahren 1935/36 ausgesetzt“, weiß Tobias Loewer.

Bei Jägern ist Damwild beliebt, bei den Förstern dagegen nicht

Die Freude der Förster hält sich allerdings in Grenzen. Die Bestände steigen kontinuierlich an und hätten sich über den Landkreis Cuxhaven verteilt. Sie behindern aus Sicht der Forstwirtschaft die Verjüngung des Waldes, da sie die Knospen fressen.

Der von den Niedersächsischen Landesforsten betriebene Waldumbau soll den Wald widerstandsfähiger machen. Statt Nadelholzforsten werden nun strukturierte, gemischte und somit klimaangepasste Laubmischwälder favorisiert. Im Harz ist deutlich sichtbar, wie anfällig ein reiner Nadelwald ist. Die Verbreitung des Borkenkäfers und besonders trockene Sommermonate haben massenhaft tote Bäume produziert.

Damwild ist bei Jägern beliebt. Im Landkreis Cuxhaven werden nach Kenntnis von Tobias Loewer jährlich mehr als 1000 Stück geschossen. Sie ist die größte im Landkreis vertretene bejagbare Wildart und das Geweih der männlichen Tiere eine begehrte Jagdtrophäe.

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