TAlena Hartlef: Warum sie für die Stader Reitertage jedes Jahr Vollgas gibt
Alena Hartlef organisiert die Stader Reittage. Ihr Pferd Erna war früher selbst auf Turnieren unterwegs - heute genießt es seine Rente. Foto: Kress
Wenn andere den Wettkampf genießen, hat Alena Hartlef längst den nächsten Einsatz: Hinter dem Turnier steckt für sie viel Arbeit und ein „Jetzt hat es sich gelohnt-Moment.“
Stade. Rund drei Wochen vorher gibt Alena Hartlef „Vollgas.“ Die 36-Jährige ist zweite Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Stade und hat zusätzlich den Turnierposten inne. Dazu gehört die Organisation der beiden jährlichen Reitturniere.
Schon lange mit dem Verein eng verbunden
Hartlef wächst auf einem landwirtschaftlichen Betrieb auf. Mit sieben Jahren bekommt sie ihr erstes Pferd. „Wenn man ein Pony hat, muss man ja auch irgendwie reiten können“, sagt sie schmunzelnd. So kommt sie zum Reitverein Stade, dem sie mittlerweile seit mehr als 20 Jahren angehört.
Früher nahm sie selbst an Turnieren Teil, eher als Freizeitbeschäftigung. Faszinierend fand sie die Veranstaltungen schon damals. Vor allem die Gemeinschaft und das Miteinander bringen sie immer wieder auf den Platz - auch heute noch. Zwar fehle am Stader Stadtrand manchmal der für Turniere berüchtigte Dorfcharakter. Doch eine „coole Truppe an Menschen macht das einfach zu einem eigenen Dorffest“, sagt die 36-Jährige.
Ihr Platz ist inzwischen hinter den Kulissen
Mittlerweile sitzt sie bei den Turnieren nicht mehr selbst im Sattel, sondern oft hinter dem Schreibtisch. Startzeiten koordinieren, Abläufe und Protokolle vorbereiten, Vereinsmitglieder einteilen - all das gehört zu ihren Aufgaben. Seit zehn Jahren organisiert sie die Turniere. Noch während ihres Studiums übernahm sie erstmals die Verantwortung. Mittlerweile sei es eine Herzensangelegenheit.

Mit den Pferden Erna und Justine ist Alena Hartlef auf dem Weg zum Reitplatz. Dem Ort, an dem am Wochenende das große Turnier steigt. Foto: Kress
Mehrfach sei sie schon gefragt worden, ob sie den Posten nicht abgeben wolle. Am Ende komme sie immer zum selben Entschluss: „Ich mache weiter.“ Stillsitzen sei ohnehin nicht so ihr Ding, sagt die gebürtige Staderin und lacht. Wenn sie nicht auf dem Reitplatz unterwegs ist, steht sie als Lehrerin in den Klassenzimmern der IGS Stade. In den Wochen vor den Reitertagen kombiniert sie beides. Irgendwie funktioniere das auch.
„Ich fahre nur noch zum Schlafen nach Hause“
Die Wochen vor Turnierbeginn haben es in sich: Vereinsmitglieder müssen die vielen verschiedenen Aufgaben zugeteilt bekommen, Reiter melden sich an und wollen ihre Zeitpläne bekommen - und dann gibt es noch den ganzen „Kleinkram.“ Hartlef mäht Rasen oder schaut, wer Blumen am Platzrand pflanzt. „Ich fahre nur noch zum Schlafen nach Hause“, sagt sie. Unterricht vorbereiten gehe auch vom Reitplatz aus. Ihren Laptop habe sie ja dabei.
Auch die Turniertage sind intensiv. „Eigentlich brauche ich um fünf vor sechs den ersten Kaffee“, gesteht Hartlef mit einem Lächeln. Wenn es zwischendurch stressig wird, bleibe trotzdem die gute Laune wichtig. „So ein Wochenende muss man einfach genießen“, sagt sie. Den ganzen Tag ist sie unterwegs. Irgendetwas ist immer. Unterstützt wird sie von einem Kernteam aus rund 10 bis 15 Personen. Zusätzlich helfen etwa 100 Vereinsmitglieder.

Der Platz strahlt nach langer Trockenheit wieder in grün. Das freut nicht nur Alena Hartlef. Auch Pferd Erna langt ordentlich zu. Foto: Kress
Zum Ehrenamt gehört auch das Aufsammeln von Pferdeäpfeln. Anders als die Freiwilligen bei der Reit-Weltmeisterschaft in Aachen mache man das in Stade nach dem „360-Augen-Prinzip: Wer sie zuerst sieht, sammelt sie auf“, erkärt Hartlef.
Der Aufwand zahlt sich aus
Eine Spur von Anspannung bleibt trotzdem. Ausfallende Technik, verletzte Reiter oder Pferde und Verzögerungen im Turnierablauf können jederzeit für Probleme sorgen. „Da kommt man schon mal ins Schwitzen.“
Umso schöner sei es, an den Turniertagen in viele glückliche Gesichter zu schauen. „Das geht schon los, wenn sich die Kleinen über ihre erste Turnierteilnahme freuen oder die Größeren ein richtig schweres Springen gewinnen.“ Dann ist er da, ihr persönlicher Moment, in dem sich die ganze Arbeit lohnt.
Das sind die Programmhighlights der Reitertage
Von Freitag bis Sonntag sitzen die Reiter fest im Sattel. Täglich gibt es verschiedene Prüfungen im Spring- und Dressurreiten mit diesen Highlights:
Der Freitag steht ganz im Zeichen der Jungpferdeprüfungen. Das Turnier beginnt um 9.30 Uhr mit der Eignungsprüfung Klasse A für Reitpferde. Dort erwarten Reiter und Reittier ein kleiner Parcours und Dressuraufgaben. Wie der Name schon sagt, sollen die Pferde auf ihre Turniertauglichkeit geprüft werden.
Alena Hartlef empfiehlt außerdem die Dressurpferdeprüfung um 11.15 Uhr sowie das Springpferdereiten Klasse M* um 14.30 Uhr.

Thies Johannsen belegte 2025 im M-Springen mit Stechen die ersten beiden Plätze. Foto: Klempow
Am Samstag wird es unterhaltsam für das Publikum. Die erste Prüfung startet um 8.15 Uhr, die letzte um 18 Uhr. Besonders wird das Jump and Run um 15.30 Uhr. Ein Team aus Reiter und Läufer absolviert als Team denselben Parcours nacheinander, die Zeiten werden addiert. „Das ist ein lustiger Mix aus Spaß und Spannung“, sagt Hartlef.
Gegen 15.30 Uhr erwartet das Publikum eine Springpferdeprüfung Klasse M** mit einer Hürdenhöhe von 130 cm und anschließendem Stechen. Wer also in der ersten Runde keine Fehler macht, tritt anschließend erneut - mit strengerer Zeitvorgabe - an.
Den Abschluss des Abends macht Hartlefs persönliches Turnierhighlight: Die Mannschaftsdressur um 18 Uhr. Vier Sportler reiten die gleiche Aufgabe. Das sorge vor allem für Teamspirit.

Das Team „Die bunten Füchse“ gewann 2024 bei den Stader Reitertagen mit einer Note von 9.0. Foto: Verein
Der letzte Turniertag startet um 8 Uhr und hat seine letzte Prüfung um 17.15 Uhr. Ein Highlight am Sonntag ist das VGH-Dressurcup Finale um 13.15 Uhr. Bei mehreren Turnieren mussten sich die Finalisten qualifizieren, bevor sie sich für Sonntag melden durften.
Ebenfalls zu empfehlen sei der Führzügelwettbewerb um 13.45 Uhr, berichtet Hartlef. Sehr junge Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren steigen in den Sattel. „Das ist unglaublich niedlich“, schwärmt sie.
T Nach WM-Gold: Fredenbecker Frischmuth holt EM-Silber
Den krönenden Abschluss bilde das Springpferdereiten Klasse S* mit 140 cm hohen Hürden. Der „Preis der Sparkasse Stade-Altes Land“ ist die höchste angebotene Klasse der Stader Reitertage. Mit dieser Prüfung geht das Turnier zu Ende.
Das vollständige Programm unter https://www.reitverein-stade.de/stader-reitertage/ (dann Zeiteinteilung klicken)
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