T„Als würden sie gleich erschossen werden“: Horneburgerin zeigt seltene Bilder
In der meterhohen Rolle versteckt sich ein Kunstwerk von Christa Donatius, das sie noch nie ausgestellt hat. Foto: Buchmann
Zwischen bröckelndem Putz und alten Holzbalken zeigt Christa Donatius im April eine Auswahl aufwühlender Bilder. Einige davon hat vorher noch nie jemand zu sehen bekommen.
Horneburg. Wer den Blick durch das Atelier von Christa Donatius schweifen lässt, verliert schnell Überblick und Zeitgefühl. Unzählige Leinwände in allen Formen und Größen hat die gebürtige Hamburgerin über die letzten Jahrzehnte hier mit Leben gefüllt. Ein Bruchteil davon verlässt bald Donatius‘ Zuhause, um für die neue Ausstellung „Schnittmenge“ ins Horneburger Schloss umzuziehen.
Das titelgebende Bild, auf dem Menschen mit Säcken über den Köpfen in einem Kaleidoskop aus bedrohlichen Schemen ausharren, ist bereits zehn Jahre alt. Öffentlich gezeigt hat Christa Donatius es jedoch noch nie, auch nicht in ihrem Atelier.
Horneburger Schloss hat besonderen Charme
Der Grund: „Es ist verhältnismäßig groß“, sagt Donatius. Stolze zwei Meter in Höhe und Breite misst ihr Werk, das zusammengerollt in Luftpolsterfolie auf dem Arbeitstisch liegt. Selbst auf die Leiter steigen muss die 74-Jährige nicht, entwarnt sie. „Meine Kinder helfen beim Aufbau, die sind größer als ich.“

Malerin Christa Donatius ist gespannt, wie die Besucher im Horneburger Schloss auf ihre Werke reagieren. Foto: Buchmann
Für die viertägige Ausstellung, die am 18. April eröffnet wird, erweist sich das 1840/1886 errichtete Horneburger Schloss als ideal - nicht nur wegen der hohen Wände. „Der Zustand des Schlosses bildet einen tollen Kontrast zu meinen Bildern“, sagt Donatius.
English Theatre
T Dennis Tappert ist nach langer Krankheit zurück auf der Buxtehuder Bühne
Der Charme des alten Gutshauses liegt in den maroden Wänden mit bröckeligem Putz und freiliegenden Holzbalken. In der Vergangenheit haben hier schon andere Künstler gerne ihre Ausstellungen oder Installationen gezeigt.
Emotionale Bilder über Geflüchtete und Randgruppen
Die Ausstellung werde in jeder Hinsicht unkonventionell, kündigt die Künstlerin an. Thematisch will sich Christa Donatius drei Themenkomplexen widmen: sozialer Isolation, randständiger Existenz und maritimen Motiven. Besonderen Einfluss auf die Malerin hatten die flüchtenden Menschen, die 2014/15 auf Schiffen über das Mittelmeer nach Europa kamen.

"Schnittmenge" von Christa Donatius. Foto: Donatius
Die Schicksale der „Boatpeople“ haben Donatius damals emotional mitgenommen. In ihren Bildern verarbeitet sie ihre Gefühle auf nachdenkliche, wenngleich radikale Weise. „Sie tragen Tüten über den Köpfen, als würden sie gleich erschossen werden“, erklärt Donatius. Es gehe um die Existenz der Leute, die am Rand der Gesellschaft stehen, oft ohne Hoffnung.
Bildbesprechungen im Selbstgespräch
Diese Bilder würde sich Christa Donatius selbst nicht ins Wohnzimmer hängen. In ihr kämen beim Betrachten immer negative Gefühle hoch. „Das zieht mich runter.“
Kunstausstellung
T Horneburger Schloss öffnet seine Tore erstmals für Kunstfreunde
Für Christa Donatius bildet die Malerei seit Jahrzehnten einen wichtigen Bestandteil ihres Lebens. Warum sie male, wisse sie eigentlich selbst nicht. „Wenn ich nicht malen kann, werde ich kribbelig“, gesteht Donatius. Ein Ritual ist fest mit ihrer Arbeit als Künstlerin verankert. „Wenn ich ein Bild fertig habe, mache ich die Bildbesprechungen mit mir selbst“, verrät sie. Sie sei deshalb gespannt, wie die Besucher im Horneburger Schloss auf ihre Bilder reagieren.
Informationen zur Kunstausstellung
Die Bilderausstellung „Schnittmenge“ von Christa Donatius eröffnet am 18. April 2026 um 18 Uhr im Horneburger Schloss, Marschdamm 4. Programm der Vernissage: Begrüßung durch Julia Brunsch, Laudatio von Kunsthistorikerin Elisabeth Rudolf, musikalische Begleitung von Katarzyna und Arne Westerhaus. Fingerfood stellt der Soroptimist International Club Buxtehude bereit (Spende erbeten).
Weitere Öffnungszeiten der Ausstellung sind am 19., 25. und 26. April, jeweils von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.