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T„Am schlimmsten war die Stille“: Junge Witwe aus Stade will anderen helfen

Constanze Bischoff engagiert sich in Stade nach dem Tod ihres Mannes vielfältig.

Constanze Bischoff engagiert sich in Stade nach dem Tod ihres Mannes vielfältig. Foto: Stehr

Constanze Bischoff war 39 und fühlte sich zerbrochen, als ihr Mann vor anderthalb Jahren starb. Heute will sie anderen Betroffenen zur Seite stehen. Und strebt zudem in die Politik.

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Von Lena Stehr
Montag, 04.05.2026, 12:48 Uhr

Stade. Eine Million Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland und hinterlassen trauernde Angehörige. Dennoch werde über Trauer zu wenig gesprochen, findet Constanze Bischoff. Vor allem Menschen, die jung verwitwen, voll im Job stehen und womöglich auch noch kleinere Kinder haben, sollten mehr in den Fokus rücken. Genau für diese Zielgruppe plant Constanze Bischoff ein neues Angebot in Stade - und hat noch mehr vor.

Am schlimmsten war die Stille zu Hause

Constanze Bischoff will sich für Trauernde engagieren, weil sie selbst betroffen ist. Die 40-Jährige ist seit anderthalb Jahren Witwe. Kinder hat sie keine. Eine bewusste Entscheidung. Als ihr Mann 2024 nach 17 gemeinsamen Jahren an einer krebsähnlichen, unheilbaren Erkrankung starb, sei erst einmal alles zerbrochen.

„Am schlimmsten war die Stille zu Hause“, sagt Constanze Bischoff. Sie und ihr Mann waren viel zusammen, auch im Homeoffice. Doch an Arbeit war nach dem Tod ihres Mannes zunächst nicht mehr zu denken. Erst nach vier Monaten fühlte sich Constanze Bischoff in der Lage, in ihren Job als Beraterin zurückzukehren. Vorher nahm sie psychologische Hilfe in Anspruch. Halt fand sie auch bei Familie und Freunden, beim Verein Lebensmut sowie bei der Nicolaidis Young Wings Stiftung, die auf junge Trauernde bis 49 Jahre spezialisiert ist.

Geholfen habe ihr zudem, dass sie offen mit ihrem Mann über den Tod sprechen konnte. Schon seit der Diagnose 2015 schwebte die Frage im Raum: „Wie geht es für mich weiter, wenn Tag X kommt?“ Dann starb ihr Mann, um den sie sich bis zuletzt gekümmert hatte. Am Ende sei sie zwar dankbar gewesen, dass er von seinem Leid erlöst war, aber eben auch zerbrochen, weil sie ihren Partner verloren hatte.

Sich um alles alleine kümmern zu müssen, empfand Constanze Bischoff als große Herausforderung. Schnell stand für sie fest, dass sie einen radikalen Neuanfang braucht und nicht in der gemeinsamen Wohnung bleiben wird. Mit ihrem Mann war sie 2021 von München nach Stade gezogen. Zurück in den Süden wollte Constanze Bischoff aber nicht. Sie suchte sich eine neue Wohnung in Innenstadtnähe.

Ein Treffpunkt für Abschied und Aufbruch in Stade

„Stade ist meine Wahlheimat, hier habe ich großen Rückhalt gefunden“, sagt sie. Über die frühere und langjährige Pastorin Claudia Brandy kam sie in Kontakt mit der St.-Wilhadi-Kirchengemeinde. Inzwischen singt sie in der Stadtkantorei, gestaltet Gottesdienste mit und hat neue Kontakte geknüpft.

Unter dem Dach der Kirchengemeinde möchte Constanze Bischoff anderen Betroffenen helfen und einen Raum für Abschied und Aufbruch schaffen. Los geht es am 6. Juni um 14.30 Uhr im Pastor-Behrens-Haus. Willkommen sind Menschen aller Generationen, unabhängig von Weltanschauung, Lebensentwurf oder Konfession.

Geplant sind Treffen bei Kaffee und Kuchen einmal im Quartal mit seelsorgerischer Unterstützung von Wilhadi-Pastorin Ann-Katrin Hamsch. Die sagt auf TAGEBLATT-Nachfrage, dass es vor Ort an Treffpunkten und Angeboten für jüngere Verwitwete fehle.

Kandidatur für den Kreistag und Ausbildung zum Coach

Wie wichtig Austausch ist, hat Constanze Bischoff selbst erlebt. Darüber hinaus aktiv zu sein und sich zu engagieren helfe ihr bis heute. Sie will deshalb künftig auch ehrenamtlich in der Stader Politik mitmischen. Für die SPD kandidiert sie für den Kreistag und möchte sich zudem im Stadtrat einbringen.

In Stade fühlt sich Constanze Bischoff zu Hause. Seit ihr Mann vor anderthalb Jahren gestorben ist, engagiert sie sich unter anderem in der Kirchengemeinde und möchte für die SPD in den Stadtrat.

In Stade fühlt sich Constanze Bischoff zu Hause. Seit ihr Mann vor anderthalb Jahren gestorben ist, engagiert sie sich unter anderem in der Kirchengemeinde und möchte für die SPD in den Stadtrat. Foto: Stehr

Außerdem lässt sie sich gerade zur Life- und Business-Coachin ausbilden. Ihre Zielgruppe sind vor allem Unternehmer und Führungskräfte. „Ich möchte das Thema Trauer am Arbeitsplatz in den Fokus rücken“, sagt Constanze Bischoff. Sie möchte Arbeitgeber mittels Mentoring darin unterstützen, einen besseren Umgang mit betroffenen Mitarbeitern zu finden. Als Coach liegt ihr Fokus zudem auf Unternehmern und Führungskräften: Ihnen will sie helfen, nach einem Schicksalsschlag wieder handlungsfähig zu werden.

„Trauer ist keine Privatsache und kann in der Arbeitswelt nicht ausgeklammert werden“, sagt die Staderin. Sie ist überzeugt: Wer in seiner Trauer ernst genommen und unterstützt wird, kommt besser klar - privat wie beruflich. Davon profitiere letztlich auch der Arbeitgeber.

Der Tod eines geliebten Menschen verändert alles, auch einen selbst, sagt Constanze Bischoff. Aber jeder habe die Chance, sich nach einem Schicksalsschlag wie ein Phönix aus der Asche emporzuheben. Auf diesem Weg möchte Constanze Bischoff nun anderen zur Seite stehen.

https://constanzebischoff.de/

https://lichtwaerts-stade.de/

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