Zähl Pixel
Historisch

TArchiv-Schatz: Was seine Briefe an Harsefeld über Friedrich Huth verraten

Die Kopie eines Briefes von Friedrich Huth aus dem Jahre 1858. Dagmar Teepe hat den Text transkribiert.

Die Kopie eines Briefes von Friedrich Huth aus dem Jahre 1858. Dagmar Teepe hat den Text transkribiert. Foto: P. Meyer

Vor mehr als 200 Jahren lebte Friedrich Huth in Harsefeld. Über seine Briefe aus dem Archiv hat Dagmar Teepe einen besonderen Zugang zu Harsefelds Wohltäter gefunden.

author
Von Pauline Meyer
Sonntag, 22.02.2026, 17:50 Uhr

Harsefeld. Die geschwungene Buchstaben der handschriftlich verfassten Zeilen lassen schon auf den ersten Blick erahnen, dass es sich hierbei um ein Zeugnis längst vergangener Zeit handelt. „London, den 4ten Juni 1858. Fried: Huth“ steht in der Signaturzeile des Briefes, der seit vergangenem Jahr in den Regalen des Harsefelder Samtgemeindearchivs lagert. Die Transkription des alten Schriftgutes hat sich die ehrenamtliche Archivmitarbeiterin Dagmar Teepe zur Aufgabe gemacht.

Seit vier Jahrzehnten sammelt und bewahrt das Samtgemeindearchiv Harsefeld Ortsgeschichte für nachfolgende Generationen. Zwei hauptberufliche und zwölf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich derzeit um diese Aufgabe. Fünf von ihnen stellen ihre persönlichen Archiv-Schätze im TAGEBLATT vor.

Im dritten Teil dieser Reihe erklärt Dagmar Teepe, welche Bedeutung ihr persönlicher Archiv-Schatz für Harsefeld hat.

Ein Wohltäter, der Harsefeld nie aus den Augen verlor

„Das ist eine wirklich mühsame Aufgabe“, sagt Archivleiterin Ulrike Gerdts. „Dagmar Teepe geht der Transkription alter Schriften aber mit beeindruckender Sorgfalt und Sicherheit nach“, lobt sie die 66-Jährige. Dagmar Teepe, eigentlich Kirchenmusikerin und Kirchenwissenschaftlerin, hat eine 13-bändige Sammlung mit Material über Friedrich Huth als ihren persönlichen Archiv-Schatz auserkoren. „Es ist ein Schatz, der erst noch gehoben werden muss“, sagt sie. Der 1777 geborene Friedrich Huth gilt als größter Wohltäter Harsefelds, des Ortes, in dem der Kaufmann seine Kindheit und Jugend verbrachte. Später ließ Huth sich in London nieder, verlor seine Heimat aber nie aus den Augen.

Dagmar Teepe kümmert sich im Samtgemeindearchiv um die Transkription alter Texte.

Dagmar Teepe kümmert sich im Samtgemeindearchiv um die Transkription alter Texte. Foto: P. Meyer

Das zeigt besonders der Briefwechsel zwischen Friedrich Huth und dem damaligen Harsefelder Pastor Leyding. 60 Kopien dieser Briefe liegen dem Archiv vor - die Originale sind bis heute verschollen. Ihren Weg ins Samtgemeindearchiv haben die Bände, die auch die Briefe beinhalten, über den ehemaligen Lehrer und niederdeutschen Schriftsteller Hinrich Gerken gefunden. Der spendete seine Sammlung im vergangenen Jahr dem Archiv.

Einer der originalen Briefe von Friederich Huth, die er an seinen Großneffen schrieb. Das Papier ist so dünn, dass die Schrift durchgedrückt ist.

Einer der originalen Briefe von Friederich Huth, die er an seinen Großneffen schrieb. Das Papier ist so dünn, dass die Schrift durchgedrückt ist.

Dagmar Teepe hat sich der Herausforderung angenommen, die 13-bändige Sammlung für das Archiv zu erfassen und zu transkribieren, also in eine andere, heute verständliche Schrift zu übertragen. Das Material sei ungeordnet und nur in Teilen übersetzt. Teepe habe bereits die Seiten nummeriert und ein Inhaltsverzeichnis für jeden einzelnen Band erstellt. Bei der Transkription der Kurrentschrift geht Dagmar Teepe Stück für Stück vor. Einige Brief-Teilstücke seien bereits von ihrem Vorgänger übertragen worden, bei anderen helfe nur, sich reinzufuchsen, erklärt sie.

Dagmar Teepe lernte Huth durch seine Briefe kennen

Einer der Briefe ist für Dagmar Teepe ganz besonders herausgestochen - er ist ihr persönlicher Archiv-Schatz. In dem Brief wendet sich Huth direkt an seinen „lieben jugendlichen Heimatort Harsefeld“. Er spricht dem Gemeinde-Vorstand seinen Dank aus und schreibt, dass er am Wohlergehen der Gemeinde, derer er einst Mitglied war, stets lebhaften Anteil nehmen werde. Verfasst wurde der Brief am 4. Juni 1858 in London. „Ich würde gerne die Antworten lesen, die Huth von Pastor Leyding erhalten hat“, sagt Teepe. „Vielleicht gibt es Nachkommen Huths, die diese aufbewahrt haben.“

Neben den Kopien der Schriftstücke an Pastor Leyding liegen dem Archiv auch originale Briefe Friedrich Huths vor, die er an seinen Großneffen Peter Thee richtete, erklärt Dagmar Teepe. Die Transkription dieser Schriftstücke sei besonders herausfordernd, sagt sie. Das verwendete Papier sei so dünn, dass die Schrift durchdrücke. Das erschwere das Lesen immens.

Über seine Briefe habe Dagmar Teepe Friedrich Huth immer besser kennenlernen können. „Ich habe ihn mittlerweile richtig lieb gewonnen“, sagt sie. Großzügig, zugewandt und bescheiden sei er gewesen - bis zuletzt, so ihr Eindruck einer der prägendsten Figuren Harsefelder Geschichte.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel