Zähl Pixel
Harsefeld

Wer war Harsefelds großer Gönner Friedrich Huth?

Grund zum Feiern: Bücherei-Leiterin Almut vom Lehn und Friedrich Huth als Büste vor der Harsefelder Bücherei. Foto: Laudien

Grund zum Feiern: Bücherei-Leiterin Almut vom Lehn und Friedrich Huth als Büste vor der Harsefelder Bücherei. Foto: Laudien

Gruselabend, Kabarett, Kuchen und Sekt - das Bücherei-Team sorgt für einige Überraschungen zum Geburtstag ihres Namensgebers. Doch wer genau war eigentlich Harsefelds Gönner, nach dem eine Straße und die Bücherei benannt sind?

Von Susanne Laudien Samstag, 29.10.2022, 16:30 Uhr

„Schon seit etlichen Zeiten feiern wir jedes Jahr den Geburtstag von Friedrich Huth“, sagt Bücherei-Leiterin Diplom--Bibliothekarin Almut vom Lehn. Kürzlich gab es nach einem Grusel-Mädchen-Abend im Sinne der Gleichberechtigung daher in der Geburtstagswoche am Freitag auch einen Gruselabend für Jungs - rechtzeitig vor Halloween.

Kabarett mit Frederic Hormuth

Höhepunkt des Geburtstages ist aber der Kabarett-Abend in der Friedrich-Huth-Bücherei, am Sonnabend, 29. Oktober, um 20 Uhr mit Frederic Hormuth unter dem Titel „Wer ist eigentlich ,Wir’?“. Der 45-jährige mehrfach preisgekrönte Kabarettist beobachtet sehr genau und seziert das, was um ihn herum passiert. Das Ergebnis: Politisches Kabarett mit Herz, Haltung und hammermäßigen Songs am Piano.

In seinem Programm klärt er die Frage nach dem „Wir“: „Wir waren schon Volk, Papst und im Lockdown. Aber wer ist das denn genau? Meine Frau sagt „Wir müssten mal den Müll runterbringen“ und meint dabei mich. Vegetarier sagen „Wir essen zu viel Fleisch“ und meinen damit alle mit Weber-Grill. Und Politiker sagen gerne „Wir müssen die Inhalte besser rüberbringen“, meinen dabei aber auf keinen Fall sich selbst. Wer „Wir“ sind, erklärt Frederic Hormuth mit Humor und Satire.

Wer war Friedrich Huth?

Doch wer genau war eigentlich Friedrich Huth, nach dem nicht nur die Harsefelder Bücherei, sondern auch eine Straße und ein Zimmer im Museum Harsefeld benannt sind? Diese spontane Frage konnten diverse Bücherei-Besucher nicht genau beantworten. Auch die Frage eines Vierjährigen: „Wer ist der Mann da?“, während er auf die Büste vor der Bücherei zeigte, blieb von seinen Eltern unbeantwortet.

Von Bestsellern bis Brettspiele

„Wir verzeichnen hier mittlerweile viele neue Besucher durch die Neubaugebiete, die als Zugezogene über die Historie unserer Bücherei, die zu den ältesten in Deutschland zählt und 2020 ihr 175-jähriges Jubiläum feierte, sowie über den Namensgeber und Gönner Friedrich Huth nicht viel wissen“, erklärt Almut vom Lehn, die seit fünfzehn Jahren die Bücherei leitet. Mit ihrem immer vielfältigeren Angebot von neuen Bestsellern bis Brettspielen verzeichnet die Bücherei wachsenden Zulauf.

Der Sohn eines Musketiers

Aber zurück zur Frage: Wer war eigentlich Friedrich Huth? Die Bücherei-Mitarbeiterinnen können das auf Anhieb beantworten, zumal sich seine Biografie spannend wie so manches Buch liest: Am 20. Oktober 1777 wurde Johann Friedrich Andreas Huth in Stade geboren, wuchs aber in Harsefeld auf. Sein Vater war Musketier beim 12. Infanterieregiment des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg gewesen und arbeitete später als Flickschneider in Harsefeld.

Ab 1791 ging Huth in die Lehre bei dem spanischen Kaufmann Brentano Urbieta & Co. in Hamburg und besuchte auch die Hamburger Handelsakademie. 1797 zog er nach Spanien und arbeitete dort im Stammhaus von Brentano Urbieta & Co. in La Coruna. 1805 machte er sich als In- und Export-Kaufmann selbstständig. Ein Jahr später heiratete er in La Coruna die Spanierin Manuela Felipa Lorenza Mayfren. Aus der Ehe gingen elf Kinder hervor. Die Familie lebte einige Zeit in Südamerika, ließ sich aber schließlich 1809 in London nieder.

Dort gründete Huth sein Ex- und Import-Unternehmen Frederick Huth & Co., das sich zu einer der führenden Handelsbanken Londons entwickelte, mit zahlreichen Agenturen an den wichtigsten Handelsplätzen der Welt. Huth genoss als erfolgreicher Kaufmann großes Ansehen, hatte zahlreiche Kontakte zu Hofkreisen und Diplomaten sowie einen großen Einfluss auf die Wirtschaft zur Zeit der Industrialisierung. Allgemein war er bekannt als „Napoleon der City“. Im Juni 1819 wurde Huth britischer Staatsbürger.

Zurück zu den Wurzeln nach Harsefeld

1845 nahm er erstmals wieder Kontakt zu Harsefeld auf. Er spendete 1750 Goldtaler für eine Volksbibliothek sowie Kapital für eine Fortbildungsschule, zur Unterstützung der Armen, zur Entwicklung der Sparkasse und auch für einen Kirchturm in Harsefeld sowie für den Bau der neuen Kirche Ahlerstedt. Kurz vor seinem Tod besuchte Huth noch zweimal seinen Heimatort (Quelle: Wikipedia).

Vor der Harsefelder Bücherei, die 1845 eröffnet wurde, steht seit 1998 eine von Carsten Eggers geschaffene Bronzeplastik von Huth.

Weihnachtsmärchen in der Bücherei

Für das Kabarett gibt es noch Karten an der Abendkasse. Und schon mal vormerken: Donnerstag, 15. Dezember, 15 bis 16.30 Uhr, kommt das Weihnachtsmärchen „Aschenputtel“ als Figurentheater für Kinder ab vier Jahren. Kartenvorverkauf ab sofort in der Bücherei.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel