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Interview

TAuf Investorensuche: Prime Lithium in Stade braucht dringend Geld

Axel Heitmann, Geschäftsführer und Inhaber von Prime Lithium in der TAGEBLATT-Redaktion.

Axel Heitmann, Geschäftsführer und Inhaber von Prime Lithium in der TAGEBLATT-Redaktion. Foto: Richter

Prime Lithium im selbstverwalteten Insolvenzverfahren: Diese Nachricht kam für viele unerwartet. Im Interview erklärt Prime-Lithium-Chef Axel Heitmann, warum sein Projekt in Stade aus seiner Sicht trotzdem Zukunft hat.

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Von Anping Richter
Sonntag, 10.05.2026, 07:50 Uhr

Prime Lithium galt als Hoffnungsträger. Dass die Firma jetzt im Insolvenzverfahren steckt, hat uns sehr überrascht. Wie ist es dazu gekommen?

Axel Heitmann: Wir sind in einem vorläufigen, selbstverwalteten Verfahren. Das ist speziell, weil es zur Fortführung des Unternehmens dient und wir dabei unsere Geschäfte selbst weiterführen können. In die Situation sind wir gekommen, weil wir mit unserer Entwicklung einerseits sehr weit gekommen sind. Wir haben mehrere Patente erarbeitet und veröffentlicht.

Andererseits müssten wir jetzt den nächsten Schritt machen und in die industrielle Produktion gehen, zunächst mit einer Kleinanlage. Das erfordert bereits jetzt eine hohe Investition. Auch meine persönlichen Mittel gehen irgendwann zur Neige.

Wir hatten für die nötige Investition einen wichtigen Kandidaten aus dem Nahen Osten, auf den alles zugeschnitten war. Aber der ist im März abgesprungen. Angesichts der aktuellen Weltlage hat er gerade ganz andere Themen. Das finde ich auch nachvollziehbar.

Wie stellt sich die Lage von Prime Lithium in Stade denn aktuell konkret dar?

Seit 2023 haben wir in Stade ein Forschungszentrum aufgebaut, das aktuell 25 Mitarbeiter hat, alles hochqualifizierte Experten. Hier am Industriestandort Stade können wir uns direkt in die hochentwickelten Anlagen eingliedern und finden sehr gut ausgebildete Mitarbeiter. Außerdem können wir die vorhandene Infrastruktur des Weltkonzerns Dow nutzen, der darüber hinaus ein großer Unterstützer unseres Vorhabens ist.

Könnten Sie Ihr Projekt noch einmal kurz vorstellen?

Prime Lithium produziert Lithiumhydroxid von höchster Qualität, vor allem zur Anwendung in High-Performance-Batterien für Elektrofahrzeuge. Das ist ein Markt, in dem wir weltweit ein Wachstum von etwa 25 Prozent pro Jahr erwarten.

Sie kommen gerade aus China zurück. Sind Sie dort auf der Suche nach neuen Investoren?

Nicht nur in China - weltweit. Wir wollen aus diesem Tal der Tränen so schnell wie möglich wieder heraus. Für unser Thema finden wir in Deutschland und Europa großen Zuspruch. Allerdings haben wir hier keinen effizient funktionierenden Kapitalmarkt für Vorhaben wie unseres, insbesondere nicht für das erforderliche Wagniskapital.

Woher sollen eigentlich die Rohstoffe für ihre Lithiumhydroxid-Produktion kommen?

Das lithiumhaltige Erz würde vor allem aus Australien und Kanada importiert. Im Stader Hafen könnte es praktisch direkt vor unserer Haustür angeliefert werden. Zum Teil werden wir das Lithium aus dem importierten Erz, zum Teil auch durch Recycling aus Altbatterien gewinnen. Das ist bisher einzigartig.

Laut EU-Richtlinie wird ein Recyclinganteil von mindestens 6 Prozent übrigens ab 2031 zur Pflicht. Nach der Pilotphase erfolgt die Skalierung für die industrielle Produktion. Ein weiterer wichtiger Rohstoff kommt dafür per Pipeline direkt von Dow.

Das klingt nach guten Zukunftsaussichten. Woran liegt es, dass sich dennoch kein Investor findet? Und warum hat sich die Deutsche Rohstoff AG, die 85 Prozent der Anteile hielt, im Dezember 2024 aus dem Unternehmen zurückgezogen?

Ich hatte Ende 2024 die Chance, das Unternehmen voll zu 100 Prozent zu übernehmen. Die Deutsche Rohstoff AG hatte beschlossen, sich wieder auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren, auf Erdöl und Erdgas. Ich bin aber überzeugt davon, dass unsere Mobilität elektrisch werden muss. Wie gut das funktioniert, habe ich gerade in Shanghai erlebt: Dort sind inzwischen 80 Prozent der Pkw elektrisch unterwegs. Die Luft ist viel besser und es ist leiser.

Deutschland war einmal eine führende Autonation. Diesen Status haben wir leider verloren. Aber im Bereich der Batterien können wir das noch aufholen, indem wir hier vor Ort eine eigene Batteriewertschöpfungskette aufbauen. Wir brauchen dafür jedoch viel Kapital von visionären Investoren, um im nächsten Schritt die erste Produktionsanlage zu bauen.

Wie viel müsste dafür denn investiert werden?

Hier am Standort Stade könnte die erste Produktionsanlage dieser Art überhaupt entstehen. Aber das wird kapitalintensiv. Wir brauchen dafür in den nächsten vier Jahren 75 Millionen Euro. Der Löwenanteil würde in die Ausrüstung dieser Hightechanlage fließen, aber ein Teil natürlich auch in den Betrieb.

Diese erste Anlage soll dazu dienen, erste Produktionsmengen herzustellen und auch Informationen zu sammeln, um den Betrieb für zukünftige Großanlagen zu optimieren. Unsere Produktionsprozesse würden ohne Scope-1-Emissionen arbeiten, wir würden dabei also keine Treibhausgasemissionen freisetzen.

Wir wollen damit den ersten Abschnitt für eine resiliente und nachhaltige Batteriewertschöpfungskette aufbauen. Wenn wir in die industrielle Produktion gehen, könnten wir in Stade in einem ersten Schritt jährlich ausreichend Lithiumhydroxid für 400.000 Elektrofahrzeugbatterien produzieren. Ein Konsortium, das die Anlage bauen wird, haben wir schon zusammengestellt. Sobald wir genügend Geld eingeworben haben, starten wir den Bau hier auf dem Gelände.

Blick ins Stader Versuchslabor von Prime Lithium.

Blick ins Stader Versuchslabor von Prime Lithium. Foto: Strüning

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