TAus alten Ziegeln: Harsefelds Kirche baut Pfarrhaus der Zukunft
Freuen sich über das Bauprojekt (von links): Hermann Fitschen und Silke Jeske vom Kirchenvorstand, Pastorin Meriam Kalmbach, Bauunternehmer Andreas Viebrock und Pastor Jens Monsees. Foto: P. Meyer
Der Abriss ist bereits in Gang. Bald schon entsteht in Harsefelds Zentrum ein Neubau, der modern ist und trotzdem ins Ortsbild passt. Das sind die Pläne der Kirche.
Harsefeld. Mitten im Herzen von Harsefeld, in Sichtachse zur Markt- und Herrenstraße, steht ein Gebäude, das schon Generationen von Pastoren beherbergt hat. Das Pfarrhaus am Denkmalsweg 1 wurde 1892 errichtet und war über Jahrzehnte Teil des kirchlichen Zentrums in Harsefeld. Nun soll es weichen und Platz für einen Neubau machen, der die Gemeinde in die Zukunft führen soll.
Die Bauarbeiten im Pfarrhaus haben kürzlich begonnen. Foto: P. Meyer
Der Rückbau des geschichtsträchtigen Gebäudes hat vor einer Woche begonnen. Dauern werden diese Arbeiten etwa einen Monat, bevor im April der Bau eines neuen Pfarrhauses an gleicher Stelle beginnt. Die evangelische Kirchengemeinde Harsefeld reagiert damit auf eine Entwicklung, die sich seit Jahren abgezeichnet hat.
Schimmel in den Wänden, bröselnde Fassaden, Feuchtigkeit im Keller: Eine umfassende Sanierung wäre aufwendig und sehr teuer geworden. „Der energetische Zustand und die Bausubstanz waren einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzende Silke Jeske.

Auch die Tür des Pfarrhauses soll aufgearbeitet und im Neubau eingesetzt werden. Foto: P. Meyer
In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Pfarrhaus immer wieder renoviert - zuletzt 2024, als in der Wohnung eine zehnköpfige Familie aus dem Sudan untergebracht war. Neue Fenster und Türen wurden eingesetzt, doch grundsätzlich blieb das Gebäude sanierungsbedürftig. „Um hier langfristig wieder eine Pfarrfamilie unterzubringen, wäre der Zustand nicht tragbar gewesen“, so Jeske.
Barrierefreiheit und Open-Air-Gottesdienste
Mit dem Neubau verfolgt die Gemeinde mehrere Ziele. Entstehen soll neben Wohnraum auch Platz für die Mitarbeiter der Kirche. Im Keller sind Archivflächen sowie Arbeits- und Besprechungsräume geplant, die durch ein kleines Atrium auf der Giebelseite Tageslicht erhalten sollen. Dieses Atrium soll zugleich Raum für kleinere Open-Air-Veranstaltungen, Konfirmandenunterricht oder Gottesdienste im Freien bieten. Ein Aufzug soll für Barrierefreiheit im Pfarrhaus sorgen.

Die Nordwest-Ansicht des Neubaus: Die alte Eingangstür soll aufgearbeitet und im Neubau wiedereingesetzt werden. Foto: Viebrockhaus
Die Pfarrwohnung wird sich über Erd- und Obergeschoss erstrecken, mit separatem Eingang. Gleichzeitig stehen mehrere Möglichkeiten offen: Sollte in der Zukunft etwa ein alleinstehender Pastor ins Amt kommen, kann ein Teil der Wohnung abgetrennt und separat vermietet werden. Zusätzlich sind zwei kleinere Wohnungen im Obergeschoss vorgesehen, etwa für FSJler. „Damit sind wir in Zukunft flexibel in der Nutzung“, sagt Pastor Jens Monsees.
Architektur soll sich an Umgebung anpassen
Der charakteristische Giebel des alten Pfarrhauses soll in moderner Form wiederkehren. Teile des Bestands werden erhalten und integriert: Die prägende Eingangstür, ausgewählte Sichtbalken oder Granitstufen aus dem Eingangsbereich werden ihren Platz im Neubau finden. Etwa 50 Prozent der vorhandenen Ziegel sollen zudem wiederverwendet werden.

Die Nordost-Ansicht des geplanten Neubaus: Das Dach soll auf der einen Seite begrünt und auf der anderen Seite mit PV-Schindeln bestückt werden. Unten soll ein Atrium entstehen. Foto: Viebrockhaus
„Was gerettet werden kann, wird gerettet“, betont der ausführende Bauunternehmer Andreas Viebrock, für den das Projekt eine besondere Bedeutung hat. „An so prominenter Stelle im Ort an einem kirchlichen Bau mitzugestalten, ist selten und ein großes Glück.“ Er selbst erinnert sich daran, wie er als Junge den Konfirmandenunterricht im alten Gemeindesaal besuchte. Dieser wird ebenfalls abgerissen.

Hier soll das neue Pfarrhaus entstehen. Die Bestandsgebäude - das alte Pfarrhaus und der Gemeindesaal - müssen weichen. Foto: P. Meyer
Die Hälfte des Daches wird begrünt, die andere Hälfte mit Photovoltaik-Schindeln ausgestattet. Diese sind kleiner und unauffälliger als klassische PV-Module. Nachhaltigkeit und Einbindung in das Ortsbild stehen im Fokus. „Wir bauen hier nicht nur ein richtig schönes Haus, sondern einen Ort der Begegnung, eine Brücke in die Moderne. Das ist mehr als nur alte und neue Steine und frischer Beton,“ erklärt Andreas Viebrock.
Wohnung frei
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Sanierung oder Neubau
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Auch der Pfarrgarten wird neugestaltet, orientiert am Kirchenjahr. „Wenn alles nach Plan läuft, sind wir Weihnachten mit dem Neubau fertig“, verspricht Andreas Viebrock. Dann könnten Weihnachtsstern oder Christrose bereits im Pfarrgarten blühen.
Archäologen begutachteten das Areal
Behördliche Hürden gab es keine, doch die zuständigen Ämter warfen ein genaues Auge auf das Vorhaben. Nach längerem Antragsverfahren gegenüber der Landeskirche Hannover, gab es eine zügige Zustimmung durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege. Archäologen begleiteten das Verfahren aufgrund der Nähe des Pfarrhauses zu den Klosteranlagen. Funde wurden bislang nicht gemacht, nach dem Abriss soll das Areal erneut geprüft werden.

An vielen Stellen weist das Pfarrhaus Mängel auf. Foto: P. Meyer

In der Pfarrwohnung war bis vor Kurzem eine zehnköpfige Familie untergebracht. Foto: P. Meyer
Mit dem Neubau stellt sich die Kirchengemeinde langfristig für die Zukunft auf. Lang wurde darüber beraten und geplant, nun nimmt das Projekt Gestalt an. Dass der Start ausgerechnet im Jahr 2026 erfolgt, passt für viele in der Gemeinde auch symbolisch, denn die Jahreslosung lautet in diesem Jahr „Siehe, ich mache alles neu.“
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Vor rund zwei Jahren wurden diese Fenster neu in die Pfarrwohnung eingesetzt. Foto: P. Meyer