TAusgebrannt und depressiv: Wie Caroline Otto in Nottensdorf ihren Traum lebt
Für dauerhafte Haarentfernung setzt Caroline Otto auf einen Hightech-Laser. Foto: Buchmann
Als Pflegerin im Klinikalltag fand Caroline Otto nicht ihr Glück. Als es zu viel wurde, zog sie die Reißleine - und startete als Selbstständige mit eigenem Studio durch.
Nottensdorf. Mit strahlenden Augen lässt Caroline Otto den Blick durch ihr Studio schweifen. Ihr neues Reich nahe der B73 in Nottensdorf ist klein, aber gemütlich. Eine kuschelige Sofa-Ecke, dahinter der Empfangstresen, darauf ein Pumpspender mit Desinfektionsmittel und zwei Porzellanhänden, die ein Herz formen. Das Herz ihres Ladens schlägt im Raum dahinter - mit dem Warnschild: Schutzbrille tragen!
Im November 2025 eröffnete Caroline Otto ihr Hautästhetik-Studio „BodyGlow by C.“ am Töfenkamp. Für die 27-Jährige beginnt hier ein neuer Lebensabschnitt. „Selbstständig zu sein, war mein Traum“, sagt sie. Auf die Frage, wie lange sie über die Idee nachgedacht habe, muss sie lachen. „Ich bin sehr impulsiv und treffe meine Entscheidungen meist spontan“, sagt sie.
Mobbing und Burnout hinterließen Narben
Aufgewachsen in Delmenhorst, lernte und arbeitete sie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als Pflegerin. Doch über die Jahre ging es Caroline Otto immer schlechter.

Für Caroline Otto geht mit ihrem ersten eigenen Studio ein Traum in Erfüllung. Foto: Buchmann
Hoher Arbeitsdruck und ständige Kontrolle hätten sie stark belastet, sagt sie. Für Gespräche mit Patienten sei keine Zeit gewesen. Auch Mobbing nagte an ihr. Es sei auch vorgekommen, dass Patienten sie ungefragt angefasst oder verbal belästigt hätten.
Eines Morgens fasste die junge Frau unter Tränen einen Entschluss: „Da gehe ich nie wieder hin.“ Dann fuhr sie nach Hause und kündigte. Doch diese Jahre hinterließen tiefe Narben, dazu gesellten sich Burn-out und Depressionen.
Etwas machen, worauf man stolz sein kann
Inzwischen lebt die Jungunternehmerin mit ihrem Partner in Elstorf und fühlt sich frei. Den Versuch, nochmal als Speditionskauffrau neu zu starten, brach sie ab. Jeden Tag dieselbe Routine, das sei nichts für sie. Sie habe schon in der Schule davon geträumt, etwas für sich aufzubauen - „etwas, worauf ich stolz sein kann“.
Doch dazu durchringen konnte sich Caroline Otto erst Jahre später. Rückblickend sagt sie: „Ich habe mich nie getraut, etwas anderes zu machen als die anderen.“ Jetzt komme sie morgens in ihren kleinen Laden in Nottensdorf mit dem Wissen: „Das ist meins.“
All-In für ihr Herzensprojekt
Für ihren Traum vom eigenen Studio mit Laser-Haarentfernung, Microneedling und Lashlifting ging Caroline Otto „All-In“: Über 100.000 Euro investierte sie in Fortbildungen, Umbau und Ausstattung. Allein der Laser für die Haarentfernung habe fast 70.000 Euro gekostet. Ohne ihren Partner und ihre Familie hätte sie es jedoch nicht geschafft.
Über Instagram und TikTok erzählt sie in Videos offen von ihren Erfahrungen und Gefühlen. Das kommt an: „Du sprichst mir aus der Seele, meine Liebe“, „Ich bin stolz auf dich“ oder „Power Woman“ kommentieren Nutzer mit reichlich Herz-Emojis.
Von juckenden Rosetten und Kundennähe
In ihren Videos nimmt Caroline Otto kein Blatt vor den Mund, wenn sie etwa Tipps gegen juckende Rosetten nach dem Rasieren gibt. „Ich will Menschen ein Stück Freiheit zurückgeben“, sagt sie. Denn Körperbehaarung sei immer noch ein schambehaftetes Thema, vor allem für viele Frauen. Sie selbst habe inzwischen jede Scham abgelegt, „dafür habe ich schon zu viele Geschlechtsteile gesehen“.

Mithilfe modernster Technik kümmert sie sich um ihre Kunden. Foto: Buchmann
Für ihre Kunden plant Caroline Otto viel Kennenlernzeit ein - aus Erfahrung. „Ich war schon immer laut und fröhlich, für einige ist das ungewohnt“, gesteht sie und lacht. Aber Otto zieht auch Grenzen: „Nach dem Erstgespräch weiß ich, ob ich mit der Person arbeiten möchte.“ Männer lasere sie prinzipiell nicht im Intimbereich - auch, weil sie komplett allein arbeitet.
Es ist ein geiles Gefühl, die eigene Chefin zu sein.
Caroline Otto, Betreiberin von „BodyGlow by C.“
Social Media nutze sie, um Menschen zu inspirieren, aber auch aufzuklären. Mehrere Stunden steckt sie täglich in ihre Videos. Viele Studios würden unprofessionell arbeiten, ob bei der Hygiene oder der Beratung. Dort will sie Klarheit schaffen. Die häufigste Frage von Neukunden: „Wie weh tut es?“ Auch hier ist Otto ehrlich: Die Haarentfernung sei schmerzarm, aber nicht schmerzfrei - „immerhin wird hier ein Haar auf 70 Grad Celsius erhitzt“.

Auch Microneedling bietet die 27-Jährige in ihrem Studio in Nottensdorf an. Foto: Buchmann
Mit ihrem Laden hat die Selbstständige anscheinend einen Nerv getroffen. Schon in den ersten Monaten hätten viele Kunden nach Nottensdorf gefunden, sogar aus Kaltenkirchen. Auch hier setzt Otto voll auf Social Media.
„Ich bekomme die meisten Buchungen direkt über Instagram und TikTok.“ Langfristig will Caroline Otto wachsen. Aktuell genießt sie jedoch jeden Tag in ihrem eigenen, kleinen Reich: „Es ist ein geiles Gefühl, die eigene Chefin zu sein.“
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