TBSV verliert gegen Neckarsulm: Starke Spielphasen sind Mutmacher
Jolina Huhnstock stand erstmals seit Ende November wieder bei einem Pflichtspiel auf der Platte. Foto: Jan Iso Jürgens
Das Comeback einer Nationalspielerin, starker Handball. Buxtehude ist in der Bundesliga gar nicht weit weg von der Konkurrenz. Aber am Ende feiern wieder die anderen.
Buxtehude. Konsterniert schauen die Buxtehuderinnen auf die Anzeigetafel in der Halle Nord. 27:28 gegen Neckarsulm. Spiel Nummer 13 ohne Sieg. „Es ist hart“, sagt BSV-Trainer Nicolaj Andersson. „Die Mädels kämpfen wie verrückt.“ Sie belohnen sich nicht. Sie lassen große Chancen liegen. Am Ende feiern wieder nur die anderen.
Handball-Bundesliga
T BSV auch im 13. Spiel ohne Sieg - „Das ist sehr schwer zu verdauen“
BSV-Kreisläuferin Jolina Huhnstock sucht nach Worten. Die 24-Jährige bestreitet gegen Neckarsulm ihr erstes Pflichtspiel seit dem 28. November. Damals hatte sie sich im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei der WM im zweiten Gruppenspiel gegen Uruguay am Ellenbogen verletzt.
Huhnstock bei Comeback 60 Minuten auf der Platte
Gegen Neckarsulm geht Huhnstock vor 1316 Zuschauern bei ihrem Comeback über die volle Distanz. „Schade, dass das Spiel so ausgegangen ist“, sagt sie. Knackpunkt sei der Start in die zweite Halbzeit gewesen. „Wir haben generell eine gute Abwehr gespielt, aber vorne die Tore nicht gemacht“, sagt Huhnstock.
Handball-Bundesliga
T Was zwölf sieglose Spiele bei den BSV-Spielerinnen mental anrichten
Die 1,79 Meter große Handballerin mit der Rückennummer 45 leistet in der Offensive in Durchgang eins Schwerstarbeit. Sie zerrt und zieht an ihren Gegenspielerinnen. Die Konkurrenz zerrt und zieht an ihr. Auf der Kreisposition sind in der Regel die physisch starken Spielerinnen zu Hause. In der Abwehr verteidigt sie im linken Rückraum und kurzzeitig auf der vorgezogenen Position. Das ist laufintensiv und kraftraubend.
Handball-Bundesliga
T BSV komplettiert sein neues Trainerteam - der Name ist im Verein bekannt
Huhnstock stellt Sperren, reißt Lücken, setzt sich von ihren Gegnerinnen ab, steht frei, hebt die Arme, jederzeit bereit, den Ball zu fangen, sich um 180 Grad zu drehen und das Tor zu werfen. Es scheint, dass ihre Mitspielerinnen Huhnstock in der Anfangsphase der Partie nach der eineinhalbmonatigen Auszeit noch nicht auf dem Zettel haben. Sie verpassen es, die aufgerissenen Lücken zu nutzen oder Huhnstock mit einem Pass in Szene zu setzen.
Kreisläuferin erzielt zwei Tore vor der Halbzeit
„Die Automatismen kommen von Training zu Training zurück“, sagt Huhnstock. Jetzt will sie erstmal „wieder reinkommen“. Schmerzen hat sie nach 60 Minuten Handball keine mehr. „Das ist die Hauptsache“, sagt Huhnstock.
Handball-Bundesliga
T BSV-Shooterin Dölle: Zwischen Abstiegskampf und Vertragsgesprächen
Die Halle wird richtig laut, als Huhnstock in der 14. Minute ihren ersten von zwei Treffern erzielt. Der BSV führt 7:3. Vier Minuten später netzt Huhnstock zum 9:4 ein. Aber dafür, dass die Zuschauer in der ersten Halbzeit den wohl besten Handball sehen, den der BSV in dieser Saison bislang gespielt hat, sorgen andere.

Lin Lück (rechts) zeigt ihren Gegenspielerinnen mit Körpersprache: Du kommst hier nicht vorbei. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr
Teresa von Prittwitz verteidigt willensstark auf der Spitze und veredelt die Tempogegenstöße. Die BSV-Kapitänin holt die längst frenetischen Zuschauer ab. Torhüterin Annie Linder zieht den Gästen aus Neckarsulm mit starken Paraden kurzzeitig den Stecker.
Halbzeit: Was passiert da in der BSV-Kabine?
Mit Kraft, Willensstärke und aggressiver Körpersprache signalisiert Lin Lück auf der zentralen Abwehrposition ihren Gegnerinnen: Ihr kommt hier nicht vorbei. Und Anika Hampel schlägt in der Offensive ihre Haken, spielt dynamisch und geht mit Überzeugung in die Lücken. Der BSV führt 13:8. Dann reißt der Faden.

Vor allem in der ersten Halbzeit liefert Anika Hampel gegen Neckarsulm eine starke Vorstellung ab. Foto: Jan Iso Jürgens
Der BSV verabschiedet sich mit einer schwachen Wurfquote in die Pause. Vielleicht denken die Spielerinnen in der Kabine zu viel über diese Negativerlebnisse nach. Jedenfalls nehmen sie den Negativlauf mit in die zweite Halbzeit. „Wir werfen zwei Hundertprozentige weg und kriegen Löcher in der Abwehr“, sagt Trainer Nicolaj Andersson. Neckarsulm dürfe diese Tore nicht machen. Das sei gegen den Matchplan. Die Gäste ziehen weg.
Handball-Bundesliga
T Trainer-Urgestein glaubt an den BSV und vermisst Dirk Leun
In der 47. Minute steht es 21:26 aus Buxtehuder Sicht. Jolina Huhnstock schaut hoch zur Uhr und zum Spielstand. Ihren nächsten Wurf knallt sie ans Lattenkreuz. Huhnstock macht auch Fehler in der zweiten Halbzeit. Auf ihrer Abwehrposition fallen die Gegentore zu einfach. „Einen Rückstand aufholen ist Kopfsache“, sagt sie später. Der BSV habe das „relativ gut gemeistert“. „Am Ende fehlt uns die Zeit“, sagt Huhnstock.
Trainer Andersson legt Fokus auf das Positive
Es sind an diesem Samstagnachmittag Nuancen, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Der BSV braucht bei seiner Aufholjagd zu lange Zeit. Selbst mit der siebten Feldspielerin und einer Überzahl im Angriff verrinnen die Sekunden während der Suche nach einer Lücke. Ein Passfehler nimmt Buxtehude kurz vor Schluss die Chance zum Ausgleich. Neckarsulm zelebriert den Sieg. Die BSV-Spielerinnen bedanken sich mit hängenden Köpfen bei ihren Fans.
Für die Analyse und die Vorbereitung auf das nächste Spiel will Nicolaj Andersson negative Gedanken aus den Köpfen bekommen. Solche Erfahrungen bezeichnet er zwar als wertvoll. „Den Fokus legen wir darauf, was wir gut machen“, sagt der BSV-Trainer.

Er glaubt noch an das Positive und setzt es in den Fokus: BSV-Trainer Nicolaj Andersson. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr
Für Buxtehude geht es am kommenden Samstag, 31. Januar, auswärts weiter. Dann ist der BSV bei Frisch Auf Göppingen gefordert. Gegen Göppingen holte Buxtehude Anfang Oktober beim 34:34 seinen letzten Punkt - und hat dort die nächste Chance, die Negativserie zu beenden.
Durch den Hallenser Sieg gegen Göppingen ist der Rückstand auf die Konkurrenz auf vier Punkte angewachsen.
Die Statistik
BSV-Tore: Kaminska (5 Paraden), Linder (8 Paraden); Nielsen 3/1, Mittag, Frey 2, Hampel 8/3, Dölle 4, Andresen 3, Kaufmann, von Prittwitz 3, Ternede 2, Senel, Huhnstock 2, Lück.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.