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Verkehrsversuch

TBahnhofstraße in Buxtehude: Bürger zwischen Lob und Frust

„Das ist doch heutzutage State of the Art“, sagt Ronald Wölk über den Verkehrsversuch an der Bahnhofstraße.

„Das ist doch heutzutage State of the Art“, sagt Ronald Wölk über den Verkehrsversuch an der Bahnhofstraße. Foto: Richter

Beim Infotag zeigt sich, wie sehr Buxtehudes Verkehrsversuch polarisiert. Was stört die Bürger? Und was bewerten sie positiv?

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Von Anping Richter
23.08.2026, 16:55 Uhr

Buxtehude. Es ist ein Verkehrsversuch, der seit dem 10. August läuft: Die Bahnhofstraße ist jetzt Einbahnstraße, eine Einfahrt nur noch aus Richtung Bahnhof möglich. Für Autos gilt Tempo 20. Busse, Fahrräder und E-Scooter sind von der Einbahnstraßenregelung ausgenommen. E-Scooter und Radfahrer müssen jetzt auf der Straße fahren. Nur Kinder unter zwölf Jahren dürfen den Gehweg weiter nutzen.

Weiß der Radfahrer, dass er auf der Straße fahren müsste? Das Transparent, mit dem die Stadt über den Verkehrsversuch informiert, ist eigentlich nicht zu übersehen.

Weiß der Radfahrer, dass er auf der Straße fahren müsste? Das Transparent, mit dem die Stadt über den Verkehrsversuch informiert, ist eigentlich nicht zu übersehen. Foto: Richter

Viele Rad- und Scooter-Fahrer scheinen die neue Regelung allerdings noch gar nicht bemerkt zu haben. „Im Prinzip finde ich den Verkehrsversuch gut“, sagt eine Anwohnerin, die gerade zu Fuß mit ihrem Hund unterwegs ist. „Aber es wäre prima, wenn die Verkehrsteilnehmer die Schilder mal zur Kenntnis nehmen würden.“

Staus sorgen für Unmut

Buxtehudes Stadtbaurätin Michaela Springhorn und ihr Team bekommen am Samstag an ihren Ständen vor dem Stadthaus einiges mehr zu hören. Stau ist ein großes Thema. Der Verkehr stockt vor allem in Richtung Altstadt vor der Kreuzung Poststraße. „Ist doch klar. Bisher sind manche Richtung Bahnhof rausgefahren. Jetzt müssen wir alle in die gleiche Richtung raus“, sagt ein Anwohner.

Alle Hände und vier Stellwände voll mit Lob, Kritik und Anregungen von Bürgern: Stadtbaurätin Michaela Springhorn (links) und Laura Mark von der Planersocietät.

Alle Hände und vier Stellwände voll mit Lob, Kritik und Anregungen von Bürgern: Stadtbaurätin Michaela Springhorn (links) und Laura Mark von der Planersocietät. Foto: Richter

Es ist ein Ringverkehr geworden: Auch auf der Hansestraße bilden sich durch die Verwandlung der Bahnhofstraße zur Einbahnstraße jetzt lange Rückstaus. Er habe den Infotag besucht, um einige Fragen loszuwerden, sagt der Anwohner. Zum Beispiel, ob der Rückbau schon eingepreist sei. Wie berichtet, kostet der auf ein Jahr angelegte Versuch 220.000 Euro plus Personalkosten. Wissen will er auch, warum nicht erst eine Verkehrssimulation gemacht wurde und ob die Ampelschaltung optimiert werden kann.

Regionalbahn, Ampel, Radfahrer, Fußgänger - und eine neue Verkehrsführung: An der Kreuzung von Bahnhofstraße und Giselbertstraße ist viel los.

Regionalbahn, Ampel, Radfahrer, Fußgänger - und eine neue Verkehrsführung: An der Kreuzung von Bahnhofstraße und Giselbertstraße ist viel los. Foto: Richter

Anregungen werden gesammelt und ausgewertet

Vier Stellwände hat das Team der Stadt für bunte Zettel aufgestellt, auf denen die Bürger ihre Ideen und Anregungen formulieren. Alle sind voll, als der Infotag gegen 14 Uhr endet, viele weitere liegen aufgestapelt daneben. „Das werten wir alles aus“, verspricht Laura Mark von der Planersocietät Dortmund, die spezialisiert ist auf kommunale Mobilitätskonzepte und das Projekt und den Dialog begleitet.

Dass die Ampelschaltung optimiert werden soll, ist schon versprochen. „Ich nehme wahr, dass die Menschen die Gründe für diesen Versuch teilweise nicht nachvollziehen können“, sagt Laura Mark nachdenklich. Die Situation der Radfahrer werde oft als Problem wahrgenommen, vor allem von Eltern mit jüngeren Kindern.

Wegen des Rückstaus beschweren sich Radfahrer auch, dass sie Abgase einatmen müssen, während sie mit den Autos im Stau stehen. Beim Rechtsabbiegen haben Radfahrer Angst, nicht richtig wahrgenommen zu werden.

Was der Versuch für die Bahnhofstraße bewirken soll

„Es ist schwierig, es allen Verkehrsteilnehmern recht zu machen“, sagt Stadtbaurätin Michaela Springhorn. Der Verkehrsversuch sei eine politische Entscheidung des Rates gewesen mit dem Ziel, Verkehrssicherheit, Verkehrsabläufe und Aufenthaltsqualität zu verbessern. Dies greife gut mit einem umfassenderen Konzept ineinander, das ebenfalls vom Rat beschlossen wurde: dem ISEK, dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept.

Die Umgestaltung der Bahnhofstraße hat im ISEK höchste Priorität, erklärt Springhorn. Die Straße erlebe schon länger ein sogenanntes Downgrading. Sie verliert also an wirtschaftlichem und sozialem Wert. Die veränderte Verkehrsführung könnte mehr Ruhe in die Bahnhofstraße bringen und damit möglicherweise mehr Aufenthaltsqualität. Wie sich der Versuch tatsächlich auswirkt, werde im Laufe des Jahres dokumentiert, geprüft und evaluiert. Das Feedback der Bürger soll eine wichtige Rolle spielen.

Verweis auf das Vorbild Stockholm

Bei aller Kritik: Es gibt auch Lob. Eine Anwohnerin sagt, dass sie dank der Markierungen an den Fahrbahnseiten weniger Angst hat, von einer aufschwingenden Autotür erwischt zu werden. Und Ronald Wölk aus Altkloster wundert sich über die ganze Aufregung: „Das ist doch State of the Art. In vielen Städten gibt es solche Fahrradstraßen schon, Stockholm zum Beipiel. Das läuft wunderbar.“

Die schwedischen „Cykelgata“ sind Straßen, in denen Autos und andere Fahrzeuge höchstens 30 fahren dürfen. In Schweden gibt es auch sogenannte Sommerstraßen, die von Mai bis September in Flanier- und Fahrradzonen umgewandelt werden.

Anerkennung für visionären Kübel-Otto

Flanieren - das ist ein Wort, das Mareike Flatow im Zusammenhang mit der Bahnhofstraße gerne hören würde. „War sie denn perfekt, so wie sie war? Oder ist das nur der Zustand, an den wir uns gewöhnt hatten?“, fragt Flatow, die sich in der Initiative „Buxtehude im Wandel“ engagiert.

Als 1983 in Buxtehude der bundesweit erste Tempo-30-Versuch lief, hagelte es auch Kritik, gibt sie zu bedenken. Doch er machte Buxtehude bundesweit bekannt - und auch „Kübel-Otto“, den damaligen Stadtbaurat Otto Wicht, der später für seinen Mut sehr geschätzt wurde. Der aktuelle Verkehrsversuch gebe ein Jahr Zeit, die Bahnhofstraße anders zu erleben: „Da entstehen Räume, die wir anders bespielen können als vorher.“

Mareike Flatow wohnt in der Innenstadt und sieht den Verkehrsversuch als Chance für die Bahnhofstraße.

Mareike Flatow wohnt in der Innenstadt und sieht den Verkehrsversuch als Chance für die Bahnhofstraße. Foto: Richter

Die Bahnhofstraße sei eine Allee und in alter Zeit sehr schön gewesen. „Ich wünsche mir eine Zeitenwende. Wir haben die Chance zu gucken, welche Schrauben wir drehen müssen, um zu einer solchen Entwicklung zu kommen“, sagt Flatow. Sie ist mit der Initiative „Buxtehude im Wandel“ am Samstag auch mit einem Stand in der Bahnhofstraße vertreten. Zusammen mit der Hochschule 21 arbeiten sie an einem Projekt, das bald umgesetzt werden soll: Palettenmöbel für die Bahnhofstraße. „Damit können wir ausprobieren, wo es dort schön ist und wo wir uns gerne aufhalten“, sagt Flatow.

Die Stadt sammelt laufend Erfahrungen der Bürger mit dem Verkehrsversuch über die Hotline 04161/ 5015555 und die E-Mail bahnhofstrasse@stadt.buxtehude.de.

Der Verkehrsversuch bewegt die Menschen - das zeigen vier Stellwände voller Anregungen.

Der Verkehrsversuch bewegt die Menschen - das zeigen vier Stellwände voller Anregungen. Foto: Richter

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