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Cyberkriminalität

TBankkonto leergeräumt: So erlebte eine Horneburgerin einen Hackerangriff

Jeder Zehnte in Deutschland erlebte vergangenes Jahr Cyberkriminalität, meist beim Onlineshopping. (Symbolbild)

Jeder Zehnte in Deutschland erlebte vergangenes Jahr Cyberkriminalität, meist beim Onlineshopping. (Symbolbild) Foto: Finn Winkler/dpa

Die Diebe waren schnell: Sie hackten Konten, änderten Passwörter, überzogen den Bankdispo. Lange fand die Betroffene keinen Rückhalt. Jetzt will sie selbst anderen helfen.

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Von Steffen Buchmann
03.08.2026, 10:00 Uhr

Horneburg. Ein Tag im April 2025: Elvira Meier* aus Horneburg arbeitet wie immer an ihrem Computer. Als sie gerade ihr E-Mail-Programm öffnet, ploppt eine vermeintliche Mitteilung von Microsoft auf, dann wird der Bildschirm schwarz.

Eine Computerstimme sagt ihr, der Bildschirm sei gesperrt, im Fenster taucht eine vermeintliche Notfallnummer auf. Elvira Meier gerät in Panik, ruft die Nummer an. Ein Mann meldet sich, gibt sich als Support-Mitarbeiter aus, redet freundlich auf sie ein.

Während des Telefonats bemerkt sie: Jemand ist auf ihrem PC zugeschaltet. Doch es war zu spät: 90 Minuten später haben die Hacker 7000 Euro von ihrem Bankkonto abgebucht, Online-Einkäufe getätigt und ihre Passwörter bei Google, PayPal und Co. geändert.

Falsche Log-in-Masken sehen verblüffend echt aus

Elvira Meier wurde vor über einem Jahr Opfer von Cyberkriminalität. Sie ist damit nicht alleine: Jeder Zehnte in Deutschland erlebte im vergangenen Jahr Cyberkriminalität, meistens beim Onlineshopping. Das geht aus dem Cybersicherheitsmonitor 2026 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hervor.

Online-Betrüger greifen mitunter auf gefälschte Warnmitteilungen oder Log-in-Fenster zurück, um an Daten ihrer Opfer zu gelangen.

Online-Betrüger greifen mitunter auf gefälschte Warnmitteilungen oder Log-in-Fenster zurück, um an Daten ihrer Opfer zu gelangen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Für die Horneburgerin kam der Angriff aus dem Nichts. Seit sieben Jahren arbeitet sie selbstständig, ist sehr erfahren im Umgang mit PCs. Trotzdem seien ihr die falschen Log-in-Masken etwa für ihr Online-Banking nicht aufgefallen: „Da war nichts, wo ich stutzig werden konnte.“

Das war wie ein Einbruch.

Elvira Meier*, Opfer eines Hackerangriffs

Sie erinnere sich daran, wie sie hektisch versuchte, den Hackerangriff abzuwehren. „Das Schlimmste wäre es, wenn jetzt jemand mein Konto leerräumt“, resümiert sie ihre Gedanken. Dass ihre Zugriffe etwa auf ihr Google-Konto mit allen E-Mails, Kundendaten und privaten Fotos auch betroffen waren, habe sie erst hinterher gemerkt.

Hacker räumen Bankkonto leer

„Das war wie ein Einbruch“, sagt sie. Auch mehr als ein Jahr danach sitzt der Schock noch tief - ebenso wie der Frust. Die Hacker hatten so schnell zugeschlagen und waren wieder verschwunden, aber die Suche nach Hilfe dauerte umso länger. „Ich hatte den Eindruck, dass mir niemand glaubte“, sagt sie. Weder von der Polizei, der Verbraucherzentrale oder ihrer Bank fühlte sie sich ernst genommen. Sie habe überall angerufen, ungefähr 80 E-Mails verschickt - vergebens.

Die Hacker hatten über ihr Online-Banking das Überweisungslimit erhöht und den vollen Dispo-Rahmen ausgeschöpft. Für das überzogene Konto forderte die Bank Sollzinsen. Das Geld zurückzubuchen, sei nicht möglich gewesen. Die Bank habe die Erstattung mit der Begründung abgelehnt, dass sie ihre Sorgfaltspflicht verletzt habe, schildert Meier.

Tipps halfen nicht weiter

Ihr Versuch, den Betrug bei der Polizei anzuzeigen, sei ebenfalls gescheitert. Auf der Onlinewache habe es keine Option für Cyberbetrug gegeben, erinnert sich Meier. Vor Ort auf der Polizeiwache habe sie den Eindruck gewonnen, dass die Beamten mit dem geschilderten Vorfall zunächst Schwierigkeiten gehabt hätten. So sei sie unter anderem nach einer Anschrift des Täters gefragt worden, sagt Meier.

Elvira Meier bekam Tipps, die nicht halfen: „das WLAN ausschalten“, „alles plattmachen“ oder einen Virenschutz installieren. „Niemand hat begriffen, worum es geht“, beklagt sie. Auch ihr Google-Konto habe sie bis heute nicht wiederbekommen: „Bei Google kann man nicht mal eben anrufen.“

Hackerangriff hat ihr Leben verändert

Inzwischen habe sie das Konto und alle hinterlegten Daten aufgegeben.

Aus ihrem privaten Umfeld konnte Elvira Meier in ihrer Misere auch niemand helfen. Alle seien erstaunt gewesen, aber nur wenige bereit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Ich war komplett allein“, sagt sie.

Lediglich der Hamburger Rechtsanwalt Fabian Fritsch, spezialisiert auf Account- und Kontosperrungen bei Banken oder Anbietern wie PayPal, habe ihr Rückendeckung gegeben.

Mehr als ein Jahr später spürt Elvira Meier immer noch die Auswirkungen des Hackerangriffs. Sie habe ihren Lebensstandard zurückgeschraubt, fährt Fahrrad statt Auto, hat eine neue Handynummer sowie E-Mail-Adresse. Anbietern wie Google hat sie den Rücken zugekehrt: „Ich will Google nie mehr nutzen.“

Betroffene will eigene Selbsthilfegruppe gründen

Inzwischen arbeitet sie mit einem anderen Laptop und nutzt eine besonders sichere Internetverbindung (VPN). Außerdem hat sie die Möglichkeit abgeschaltet, von einem anderen Gerät oder aus der Ferne auf ihr Online-Banking zuzugreifen (Remote-Zugriff). Angst vor einem neuen Angriff hat Elvira Meier nicht, „es gibt nichts mehr zu holen“.

Selbsthilfegruppen für Opfer von Cyberkriminalität habe sie nicht gefunden, lediglich präventive Angebote. Das motivierte sie, eine digitale Selbsthilfegruppe zu gründen, um das Thema sichtbar zu machen: „Ich will an andere weitergeben, wie man trotzdem weiterleben kann.“ Betroffene können sich unter opfervononlineabzocke@proton.me melden.

*Hinweis: Der Name der Betroffenen wurde zwecks Anonymisierung redaktionell geändert.

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