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TBauaktivitäten in Ohrensen: Dow legt eine neue Kaverne an

Blick von oben auf die Dow-Baustelle für die Kaverne 35 in Ohrensen.

Blick von oben auf die Dow-Baustelle für die Kaverne 35 in Ohrensen. Foto: Dow

Die eine Kaverne wird neu gebaut - eine alte instandgesetzt: Mehrere Millionen nimmt die Dow für das Kavernenfeld in Ohrensen in die Hand. Was dort momentan passiert.

Von Susanne Laudien 08.09.2026, 05:25 Uhr

Ohrensen. Die Zuwegung ist farblich markiert, Zäune sind aufgestellt, und Schilder weisen darauf hin, dass die Baustelle nicht betreten werden darf. Im Schöttelkamp in Ohrensen haben jetzt die Bauarbeiten für eine neue Kaverne begonnen. Das Stader Chemieunternehmen Dow, das seit 1971 vor Ort Steinsalz gewinnt, will an der K35 eine Bohrung für die Salz-Förderung vornehmen. Das Aussolungsbergwerk in Ohrensen zählt zu den größten für die Salzproduktion in Europa.

Die Betriebszentrale in Ohrensen befindet sich im Hans-Henry-Dow-Weg und ist umgeben von mehreren Kavernen. Im Kavernenfeld Ohrensen und Hollenbeck befinden sich derzeit 15 aktive Kavernen zur Salzgewinnung. Um die Versorgung der Produktion langfristig sicherzustellen, müssen mindestens 12 bis 13 Kavernen gleichzeitig in Betrieb sein. Die zusätzlichen Kavernen dienen als Reserve, etwa für Wartungsarbeiten.

Die Baustelle für die neue Kaverne K35 im Schöttelkamp in Ohrensen.

Die Baustelle für die neue Kaverne K35 im Schöttelkamp in Ohrensen. Foto: Laudien

Bei den Kavernen handelt es sich um große, mit Sole gefüllte Räume im Salzgestein, die durch die kontrollierte Aussolung über Jahrzehnte entstehen. Die Zielmarke der Bohrung an der neuen K35 liegt bei 2000 Meter in der Tiefe, berichtet Henrik Harz, Betriebsleiter der Dow Chemical Stade in Ohrensen.

Aus der gewonnenen Salzsole werden Chlor, Natronlauge und Wasserstoff hergestellt. Die Sole wird über eine rund 27 Kilometer lange Pipeline von Ohrensen nach Stade transportiert.

An der K35-Baustelle: Projektleiterin Silke van Lier (links) und Betriebsleiter Henrik Harz.

An der K35-Baustelle: Projektleiterin Silke van Lier (links) und Betriebsleiter Henrik Harz. Foto: Laudien

Im Schöttelkamp ist derzeit mit Baustellenverkehr von etwa 20 Lkw-Fahrten täglich zu rechnen. „Wir arbeiten auch mit regionalen Firmen zusammen, unter anderem aus Harsefeld und Bremervörde, und versuchen, durch ein Verkehrskonzept die Beeinträchtigungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten“, sagt Harz. Demnächst soll es von der Dow eine Informationsveranstaltung zu dem Projekt für Bürgerinnen und Bürgern geben.

Fünf Jahre von der ersten Umweltuntersuchung bis zur Betriebsbereitschaft

Die Planungen für die K35 begannen bereits 2022. Die geologischen Untersuchungen deuteten darauf hin, dass dort geeignete Salzvorkommen vorhanden sind. Absolute Gewissheit gibt es erst nach Abschluss der Bohrungen und der Auswertung der Bohrkerne.

„Die eigentlichen Bohrarbeiten starten Anfang 2027“, erklärt Silke van Lier. Die Projektleiterin ist für die Koordinierung und Umsetzung zuständig. Etliche Auflagen und Genehmigungen wie etwa ein bergrechtliches Betriebsverfahren sind für den Bau einer Kaverne notwendig.

In der Zentrale in Ohrensen überwacht Thomas Kammann sämtliche Anlagen vom Kavernenfeld.

In der Zentrale in Ohrensen überwacht Thomas Kammann sämtliche Anlagen vom Kavernenfeld. Foto: Laudien

Die Fläche des Bauplatzes für die K35 ist fast so groß wie ein halbes Fußballfeld. Im Januar soll die große Bohranlage aufgestellt werden sowie auch ein Fertigbecken für das Regenwasser. Das Wasser wird zum Betriebsplatz gepumpt und dem Ausspülungsprozess beigemischt. Dadurch werden geringere Mengen an Grundwasser benötigt, erklärt die Projektleiterin. Das Salz wird als Rohstoff über eine Pipeline zum Dow-Werk nach Stade transportiert und als salzarmes Aussolwasser wieder zurück gefördert.

Die K10 in Ohrensen wird momentan für rund zwölf Millionen Euro instandgesetzt.

Die K10 in Ohrensen wird momentan für rund zwölf Millionen Euro instandgesetzt. Foto: Laudien

Die Bohrung des Bohrlochs dauert etwa drei Monate. „Wir werden in dieser Zeit Führungen für alle Interessierten anbieten“, so van Lier. Genaue Termine werden noch bekannt gegeben. „So eine Bohrung sieht man nicht alle Tage und ist selbst für Insider etwas Besonderes“, ergänzt der Betriebsleiter. Die Bohrung wird die ersten 400 Meter durch Deckgebirge führen, also Gesteinsschichten wie Ton, Sand und Kalk. Danach folgen 1600 Meter durch das Salzvorkommen.

Ab Mitte 2028 kann im geringen Umfang das erste Salz gewonnen werden. Das gezielte Lösen des Salzes durch Einpumpen von Wasser dauert mehrere Jahre. „2030 wird die Förderung dann eine Produktionsreife erreichen. Insgesamt dauert der Prozess fast zehn Jahre, und die Dow investiert hier mehrere Millionen in die Zukunft“, sagt der Dow-Betriebsleiter. Die K35 soll die Kaverne K25 ersetzen, die seit 1998 in Betrieb ist und sich dem Ende ihrer technischen Lebensdauer nähert.

Instandsetzung der K10

Parallel gibt es derzeit Bauaktivitäten an der K10. In Spitzenzeiten sind bis zu 65 Mitarbeiter verschiedener Betriebe dort tätig, so Henrik Harz. Auch hier habe die Dow ein Verkehrskonzept entwickelt, um die Auswirkungen für die Dorfbewohner möglichst gering zu halten.

Die K10 wird seit Jahren zur Speicherung von Propylen genutzt. Das Flüssiggas ist einer der wichtigsten Grundstoffe in der chemischen Industrie.

„Wir können ganze Schiffsladungen hier bunkern, die direkt per Pipeline nach Ohrensen kommen.“ Die Kaverne diene als wichtiger Puffer zwischen Anlieferung und Produktion. Die Maßnahmen umfassen etwa den Austausch der Rohrleitungen, die Dichtheitsprüfung, Erneuerung der Sicherheitstechnik, Modernisierung der Notfallsysteme und den Neuaufbau der Feuerlöschversorgung,

Rund zwölf Millionen Euro nimmt das Unternehmen für die Instandsetzung in die Hand, um die Kaverne für die Zukunft wieder fit zu machen. Anfang Oktober sollen die Bauarbeiten beendet sein.

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