TBaustelle an der Harsefelder Straße: Bäcker Heyderich plagen Zukunftssorgen
Die Bäckerei von Wolfgang Heyderich an der Harsefelder Straße wirft seit Beginn der Bauarbeiten weniger Umsatz ab als vorher. Foto: Stehr
Seit zwei Jahren ist die Bäckerei Heyderich an der Harsefelder Straße nur eingeschränkt erreichbar - und das wird mindestens bis 2032 so bleiben. Die Folgen sind weitreichend.
Stade. Mehr als 30 Jahre ist es her, dass Wolfgang Heyderich gemeinsam mit seiner Frau den Bäckereibetrieb von seinen Eltern übernommen hat. In der Hauptfiliale an der Harsefelder Straße in Stade gibt es die einzige Backstube im Stadtgebiet. In den 1960er Jahren sollen es noch um die 30 gewesen sein. Im Schnitt bis zu sechs Auszubildende lernten pro Jahr bei Heyderich das Bäcker- und Konditorhandwerk. Doch dann kam die Baustelle.
Umsatzeinbußen und kaum noch Auszubildende
Seit 2024 lässt die Stadt, wie mehrfach berichtet, die Radwegeverbindung zwischen der Innenstadt und dem Bildungscampus Riensförde modernisieren und unter Teilen der Harsefelder Straße einen neuen Regenwasserkanal installieren. Das dauert - und hat konkrete Auswirkungen auf das Geschäft von Wolfgang Heyderich.

Eigentlich hat Wolfgang Heyderich jährlich bis zu sechs Auszubildende. Aufgrund der Baustelle vor seiner Bäckerei bildet er momentan nur einen Lehrling aus. Praktikanten nimmt er gar nicht mehr an. Foto: Stehr
„Im letzten Jahr hatten wir Umsatzeinbußen von zehn Prozent“, sagt der Konditormeister und staatlich anerkannte Brot-Sommelier. Weil er sich um die Zukunft sorgt und seinen 24 Festangestellten Sicherheit bieten will, stellt er inzwischen kaum noch Auszubildende ein. Zurzeit gibt es nur noch einen Azubi in der Backstube, Praktikanten nimmt Heyderich gar keine mehr an. Das sei schlecht für die Zukunft des Bäckerhandwerks, aber anders nicht machbar.
Weil die Harsefelder Straße bis zum Ende der Baumaßnahme ausschließlich stadtauswärts befahrbar ist, fehlt Heyderich der Einpendelverkehr. Kunden müssen Umwege in Kauf nehmen. „Die beschweren sich häufig bei uns darüber“, sagt Wolfgang Heyderich. Er fragt sich, warum keine Ampelschaltung möglich ist. So wie bei der Baustelle an der Harburger Straße.
Heyderichs Sorge: Je länger eine Baustelle bestehe, desto schwieriger werde es, Kunden zurückzugewinnen, weil die sich an die neuen Wege gewöhnen. Heyderich weiß, wovon er spricht: 2017 schloss er seine Filiale in der Schölischer Straße aufgrund von Bauarbeiten. Die Umsätze waren nach einem Jahr um 50 Prozent zurückgegangen. Gedauert haben die Sanierungsarbeiten am Ende vier Jahre.
Bauarbeiten ziehen sich noch bis 2031 hin
Die Bauarbeiten an der Harsefelder Straße werden sich auch noch länger hinziehen. Der letzte der insgesamt zehn Bauabschnitte ist aktuell für 2031/2032 vorgesehen. So steht es auf der Internetseite der Stadt Stade. Genau dieser letzte Abschnitt betrifft Bäcker Heyderich am stärksten, weil dann direkt an der Kreuzung vor seinem Geschäft gebaut wird.
Brücke über die B73 muss komplett erneuert werden
Ursprünglich war der Baubeginn an der Ecke Harsefelder Straße/Thuner Straße für September 2025 terminiert. Unter anderem durch überraschende Funde im Untergrund gab es Verzögerungen. Außerdem muss, wie bereits berichtet, die Brücke über die B73 komplett erneuert werden. Stand heute soll das - bei Vollsperrung - zwischen 2028 und 2030 passieren.
Im gleichen Zeitraum sind die Abschnitte Klarer Streck - B73 (West- und Ostseite) und der Kreisverkehr Süd (Bronzeschmiede) geplant. Erst danach sind die Abschnitte Thuner Straße/Sachsenstraße (Westseite) sowie die Thuner Straße bis zur Hansebrücke dran.
Harsefelder Straße
Neuer Radweg: Stadt Stade fällt fast 50 große Bäume für Bauarbeiten
„Immerhin laufen unser Onlineversand und unsere Backkurse gut“, sagt Heyderich, der noch eine zweite Filiale mit kürzeren Öffnungszeiten an der Harburger Straße betreibt. Auch der Brotkurier werde gut angenommen. Den hatte Heyderich im Mai 2025 eingerichtet, um für die Zeit gewappnet zu sein, wenn vor seiner Haustür an der Hauptfiliale alles dicht ist.
Flügelchen Nester
Heyderichs Benefizbrot: Lecker essen und kranke Kinder unterstützen
Nach wie vor wünscht sich Heyderich eine bessere Informationspolitik vonseiten der Stadt, um besser planen zu können. Stadtsprecher Stephan Voigt verweist auf die Homepage der Stadt sowie auf die Social-Media-Kanäle, auf denen Informationen geteilt werden. Alle, die Fragen haben, könnten sich zudem jederzeit per Mail oder telefonisch an die Stadtverwaltung wenden.
Eine Ampelschaltung sei nicht möglich, weil die Bauabschnitte in der Harsefelder Straße vergleichsweise lang seien, sagt Voigt. Lange Ampelphasen würden zu einem unverhältnismäßig großen Rückstau führen. An der Situation in der Harsefelder Straße wird sich also in den kommenden Jahren nicht viel ändern, im Gegenteil: Die Einschränkungen werden eher noch zunehmen.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.