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Frauenfußball

TBeim TSV Apensen genießen sie die Momentaufnahme und das Miteinander

Kapitänin Pia Teetz (links) und Trainer Harald Zerwas arbeiten eng zusammen. Die Apenserinnen grüßen derzeit von der Tabellenspitze.

Kapitänin Pia Teetz (links) und Trainer Harald Zerwas arbeiten eng zusammen. Die Apenserinnen grüßen derzeit von der Tabellenspitze. Foto: FuPa/Schmietow (nomo)

Apensen grüßt von der Tabellenspitze. Der Aufstiegstrainer ist zurück. Eine Rückkehrerin ist vollends angekommen. Das ist die Harmonie zwischen dem Dino und jungen Fußballerinnen.

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Von Jan Bröhan
Donnerstag, 12.03.2026, 19:35 Uhr

Apensen. Als Oliver Drechsel, eine Art „Mister Frauenabteilung“ beim TSV Apensen, sich nach der Saison 2022/23 als Trainer zurückzog, machte er Harald Zerwas zu seinem Nachfolger. Zerwas, der schon die A/O- und O/O-Frauen höherklassig trainiert hatte, schaffte mit den Apenserinnen sogleich den Landesliga-Aufstieg als Meister. „Mission erfüllt“ hieß es da. Zerwas hörte auf. „Ich war mit den Apenser Herren einst abgestiegen“, erzählt Zerwas heute, „da wollte ich noch mal etwas gutmachen.“

Seine Nachfolger Olaf und Ole Madsen hielten den Aufsteiger zwar mit Platz 9 in der Landesliga. „Da war aber keine echte Verbindung zwischen ihnen und dem Team“, sagt Drechsel. Als die Madsens aufhörten, sei für die junge Mannschaft klar gewesen, dass sie Zerwas zurückwollte. „Das ging klar von den Mädels aus“, sagt Drechsel.

Der 65-jährige Harald Zerwas wurde von den Spielerinnen überzeugt, wiederzukommen. Er hat es nicht bereut.

Der 65-jährige Harald Zerwas wurde von den Spielerinnen überzeugt, wiederzukommen. Er hat es nicht bereut. Foto: FuPa

„Mir war der Abschied zwar schwergefallen“, sagt Zerwas, „aber ich wollte eigentlich nicht wieder anfangen.“ Dem Bitten der Mannschaft, allen voran von Kapitänin Pia Teetz, konnte der 65-Jährige aber nicht widerstehen.

Zerwas hat den Frauenfußball schätzen gelernt

Schon in der vergangenen Saison machte Zerwas als Zuschauer eine Schwäche aus - die Zweikampfstärke. Diese kritisierte er auch zu Beginn dieser Saison. „Das ist schwierig zu trainieren“, sagt Zerwas, er forderte mehr Intensität in den Einheiten. „Die Mädels wollen seine klaren Ansprachen“, sagt Drechsel. Zerwas sei ein Freund von klarem, einfachen Fußball.

Seit 1978 ist Zerwas als Trainer unterwegs. 2006 überzeugte ihn Bernd Stelling bei A/O erstmals Frauen zu trainieren. „Das habe ich nie bereut“, sagt Zerwas. Fußballerinnen nehmen an, was ein Trainer sagt, so Zerwas, und sie verzeihen untereinander schnell.

Der 65-Jährige beschreibt sich als ehrlichen, direkten und fairen Trainer, der seine Spielerinnen immer ermutigt. Wenn er klare Kritik äußert, sei wichtig, dass er nie jemanden persönlich beleidigt. Der Spaß komme bei ihm nicht zu kurz. „Und natürlich müssen sich die Mädels auch viel von früher anhören“, erzählt Zerwas und lacht.

Seine Art hat sich offenbar bewährt. „Ich bin nie irgendwo rausgeflogen, selbst wenn es nicht so lief - darauf bin ich persönlich stolz“, sagt Zerwas bezüglich seiner langen Laufbahn mit einigen Stationen.

Trotz Krankheit immer nah dran am Team

Zerwas war in den vergangenen Wochen gesundheitlich angeschlagen. Wie besorgt die „Mädels“ waren, hat ihn gerührt. Er selbst konnte nicht vor Ort sein, wollte aber auch nah dran bleiben. Trainingspläne, Aufstellungen, Taktiken übermittelte er. Kapitänin Pia Teetz und Zerwas haben diesbezüglich viel Kontakt. „Sie übernimmt ganz viel Verantwortung“, lobt Zerwas die 24-Jährige.

Alina Maack hat nach ihrem Kreuzbandriss drei Jahre pausiert. Nun gelangen ihr die ersten Saisontore.

Alina Maack hat nach ihrem Kreuzbandriss drei Jahre pausiert. Nun gelangen ihr die ersten Saisontore. Foto: FuPa

Dass Zerwas „menschlich so nah dran ist“, schätzt auch Alina Maack, die ihn als Trainer erst in dieser Saison kennengelernt hat. Obwohl Zerwas krank war, sei er immer irgendwie bei der Mannschaft gewesen. „Das fühlt sich gut an, dass wir ihm so viel bedeuten“, sagt Maack.

Nach drei Jahren Pause musste sie zurück auf den Platz

Die 25-jährige Maack spielt seit der E-Jugend beim TSV Apensen Fußball. Drechsel war ihr erster Trainer, hat sie und andere Mädchen abgeholt und wieder nach Hause gebracht.

2022 zog sie sich aber einen Kreuzbandriss zu - und stieg erst zu dieser Saison wieder ein. „Ich wollte erst mal meine Ausbildung abschließen“, sagt Maack, die in Hamburg bei der Berufsfeuerwehr ist. Da sieht man Verletzungen natürlich nicht so gern.

Bei der Arbeit wird auch mal gekickt, erzählt Maack. „Und ich habe das zu doll vermisst.“ Sie wollte wieder auf den Platz, zurück zu ihrem TSV Apensen.

„Ich freue mich unglaublich, dass sie wieder angefangen hat“, sagt Zerwas, „sie ist auch sehr zweikampfstark.“ Maack sagt, sie sei schnell und habe Kraft, sie müsse keinem Zweikampf aus dem Weg gehen.

Nach drei Jahren musste sie in der Vorbereitung aber „ordentlich Gas geben“, um an das Niveau heranzukommen. „Das Tempo ist viel höher und alle haben sich weiterentwickelt“, sagt Maack.

Nun ist sie endgültig zurück: Im Derby gegen Hedendorf (4:3) schoss sie gerade ihre ersten drei Saisontore. Vor dem Spiel hatte sie noch zu einer Kollegin gesagt, dass sie langsam mal treffen könnte. „Mit jedem Tor habe ich mich besser gefühlt.“

Die Stimmung im Team sei natürlich super, so Maack. Aber von einer möglichen Meisterschaft spreche keiner im Team. „Das ist nur eine Momentaufnahme“, sagt Zerwas über Platz 1. Auch das schätzt er am Frauenfußball - dass keine überdreht im Erfolg.

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