TBenzin, Diesel und E10 immer teurer – Wie setzen sich die Spritpreise zusammen?
An der bft-Tankstelle Völksen in Buxtehude-Hedendorf hat der Benzinpreis am Donnerstagvormittag die 2-Euro-Marke geknackt. Foto: Stehr
Der Blick an die Preistafel lässt Autofahrer erschrecken. An den Tankstellen im Kreis Stade sind die Preise für Diesel, Benzin und E10 massiv gestiegen. Wie setzt sich der Preis zusammen?
Landkreis. Nicht jeder Tankstellenkunde nimmt die gestiegenen Benzinpreise hin: „Wir sind aktuell täglich Beleidigungen und Vorwürfen ausgesetzt“, sagt Herbert W. Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV). Er vertritt die Tankstellenpächter und -eigentümer in Deutschland und im Kreis Stade.
Diese können die Kraftstoffpreise kaum beeinflussen und bekommen dennoch den Ärger ab. Er findet deutliche Worte für den sprunghaften Anstieg der Spritpreise in den vergangenen Tagen: „Das ist Abzocke!“
„Das ist unverschämt“
Zwar werde der Krieg im Nahen Osten zu einem Anstieg der Einkaufspreise führen - dieser sei in Deutschland in dieser Höhe jedoch noch nicht angekommen. Aktuell seien die Lager noch voll; durch die Lieferketten sei erst in etwa einer Woche mit einem erhöhten Ölpreis zu rechnen.

Die Preise für Diesel, E10 und Super sind in den vergangenen Tagen sprunghaft angestiegen. Foto: Stehr
Rabl kritisiert, dass die Mineralölunternehmen den erwarteten Preisanstieg bereits jetzt, bevor die Kosten tatsächlich gestiegen sind, an die Verbraucher weitergeben: „Der Sprit, der jetzt getankt wird, wurde vor zwei, drei Wochen eingekauft, zu niedrigeren Preisen. Den jetzt an Kunden für mehr als 2 Euro weiterzugeben, bedeutet eine exorbitante Gewinnmarge für die Mineralölkonzerne.“ Zwar steigen auch im EU-Ausland die Preise für Kraftstoff, doch in Deutschland sei der Anstieg überproportional hoch.

Herbert W. Rabl, Sprecher des Tankstelleninteressenverbands, erreichen in diesen Tagen viele Anfragen zu den steigenden Benzinpreisen. Foto: Privat
In Passau sei der Benzinpreis am Donnerstag bereits auf 2,30 Euro gestiegen. „Das ist einfach unverschämt“, so der TIV-Sprecher. Dass es auch anders geht, sei bei freien Tankstellen zu beobachten, an denen man Mittwoch teilweise noch für 1,85 Euro/Liter tanken konnte.
Hohe Nachfrage nach Diesel
Auch der ADAC sieht aktuell „Mitnahme-Effekte“ der Mineralölkonzerne, wie der Sprecher des ADAC Hansa, Christoph Tietgen, dem TAGEBLATT auf Nachfrage mitteilt: „Der Ölpreis und der Wechselkurs bestimmen den Benzinpreis in Deutschland. Diese geben den aktuell hohen Preis für E10 und Benzin einfach nicht her.“ Anders sei es beim Diesel - dieser sei vielseitig einsetzbar und entsprechend hoch die Nachfrage. Diesel werde zum Beispiel bei Gasknappheit auch in Heizkraftwerken und von der Industrie genutzt.
Spritpreis: Auf drei Faktoren kommt es an
Entscheidend für die Preise von Benzin, Diesel und E10 sind laut Wirtschaftsverband Fuels und Energie drei Faktoren:
- Steuern und staatliche Abgaben
- Einkaufs- und Produktpreis
- Beschaffung und Vertrieb
Mehr als die Hälfte des Kraftstoffpreises setze sich aus Steuern und staatlichen Abgaben zusammen, teilt der Verband mit. Diese umfassen unter anderem die Ökosteuer, CO2-Abgaben, den Erdölbevorratungsbeitrag und die Mehrwertsteuer.
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Auch die Einkaufs- oder Produktpreise für Kraftstoff bestimmen, wie viel der Verbraucher an der Tankstelle zahlt. Der Wirtschaftsverband gibt an, dass die Angebots- und Nachfragesituation für Benzin und Diesel sowie Rohöl auf dem internationalen Markt eine wichtige Rolle spielt. Zusätzlich nimmt auch der Euro/Dollar-Wechselkurs Einfluss auf die Preisgestaltung.
Geopolitische Ereignisse, wie der Krieg im Nahen Osten, können sich ebenfalls auf die Preise auswirken. Zu guter Letzt bestimmen auch die Beschaffungskosten und die Gewinnmarge der Unternehmen den Kraftstoffpreis.
39 Tankstellen betreibt die Raisa eG im Elbe-Weser-Raum; elf davon im Landkreis Stade. Der Benzinpreis setzt sich laut der Genossenschaft wie folgt zusammen:
Rechenbeispiel des ADAC: E10- und Dieselpreis
Der ADAC hat exemplarisch für E10 und Diesel ausgerechnet, wie sich Steuern und Abgaben zusammensetzen. Die Angaben entsprechen dem Durchschnittspreis 2025.
E10
- Energiesteuer: 38,7 Prozent
- CO2-Abgabe: 9,3 Prozent
- Mehrwertsteuer: 16 Prozent
- Kosten & Gewinn: 36 Prozent
Diesel
- Energiesteuer: 29,2 Prozent
- CO2-Abgabe: 10,8 Prozent
- Mehrwertsteuer: 16 Prozent
- Kosten & Gewinn: 44 Prozent
Wie sich der Preis für Super-Benzin zusammensetzt, haben die Statistiker von Statista.de für das Jahr 2025 errechnet.
Super-Benzin
- Energiesteuer: 37,6 Prozent
- CO2-Abgabe: 7,5 Prozent
- Mehrwertsteuer: 16 Prozent
- Kosten & Gewinn: 38,9 Prozent.
Ist der Kraftstoff im Ausland billiger?
Es gibt EU-weit Unterschiede in der Preisgestaltung für Benzin, Diesel und Co. Das liegt an der Steuerpolitik in Europa. Denn die Preise für Kraftstoff sind stark von den unterschiedlichen nationalen Energie- und Mehrwertsteuersätzen abhängig.
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Die EU-Kommission veröffentlicht auf ihrer Homepage eine wöchentliche Übersicht der Kraftstoffpreise in den Mitgliedsstaaten. Für diese Woche zeigt sich ein differenziertes Bild. In vielen Staaten ist dasTanken günstiger als in Deutschland, in der Bundesrepublik ist der Sprit jedoch nicht am teuersten.
In der EU-Übersicht vom 2. März 2026 liegt der deutsche Preis (inklusive Steuern) für Super-95-Benzin bei 1,89 Euro.
Teurer ist das Tanken in
- Finnland (1,93 Euro),
- Dänemark (1,95 Euro)
- und den Niederlanden (2,07 Euro).
In anderen Nachbarländern zahlt man weniger:
- Belgien (1,54 Euro),
- Frankreich (1,76 Euro),
- Luxemburg (1,48 Euro),
- Polen (1,37 Euro),
- Österreich (1,52 Euro) und
- Tschechien (1,39 Euro).
Der Dieselpreis lag in Deutschland bei 1,81 Euro pro Liter.
Teurer ist es in
- Finnland (1,95 Euro) und
- den Niederlanden (1,89 Euro).
Auch die Dieselpreise sind in vielen Nachbarstaaten günstiger als in Deutschland:
- Österreich (1,56 Euro),
- Belgien (1,68 Euro),
- Dänemark (1,79 Euro),
- Frankreich (1,70 Euro),
- Luxemburg (1,47 Euro),
- Polen (1,43 Euro).
Herbert W. Rabl hat für Verbraucher aktuell nur einen Tipp: In Grenzgebieten im Ausland tanken. „Dort ist der Sprit oft günstiger.“ Auch dürfe der Benzinpreis in einigen Nachbarländern wie Österreich anders als in Deutschland nur einmal am Tag erhöht werden.
Der ADAC rät: Wer beim Tanken sparen möchte, sollte die Preisunterschiede im Tagesverlauf beachten. Besonders teuer sei das Tanken zwischen 7 und 8 Uhr morgens.
Wo tankt man am günstigsten?
Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt erfasst die Preisänderungen bei Super E5, Super E10 und Diesel in Deutschland „in Echtzeit“. Diese Daten werden von der MTS-K an Verbraucher- und Informationsdienste weitergegeben. Eine Liste der Apps und Dienste, die ihre Daten von der MTS-K erhalten, gibt es beim Bundeskartellamt.
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