TBiogas: Warum im Stader Nachbarkreis Mist statt Diesel getankt wird
Eine öffentliche Tankstelle ist die Anlage in Westertimkle nicht - zu teuer und zu hohe Auflagen. Foto: Matthiesen
Kein teurer Diesel, kein AdBlue und keine anfällige Abgasreinigungsanlage mehr. In Westertimke (Kreis Rotenburg) setzt die Spedition Schnackenberg auf Biomethan als Treibstoff.
„Es geht darum, mit dem Gas, das wir in unserer Biogasanlage erzeugen, unsere Fahrzeuge zu bewegen - also klimaneutral zu fahren“, erläutert Magnus Sackmann seine Vorstellung von einer Biomethan-Tankstelle in Westertimke.
Diese Idee war - zusammen mit Ernst Schnackenberg - bereits vor zehn Jahren geboren . Doch das Ganze war einfach zu teuer und rechnete sich nicht. Aber vor drei Jahren ging die Tankstelle dann doch in Betrieb und betankt nun sieben eigene Lkw sowie die firmeneigenen Autos der Spedition Schnackenberg GmbH.
Mit Biomethan, dem sogenannten CNG, klimaneutral und günstig fahren
„Die THG-Quote hat es zu guter Letzt ermöglicht, unsere langgehegte Idee umzusetzen. Jetzt fahren wir mit Biomethan, dem sogenannten CNG, das klimaneutral und wesentlich günstiger als Diesel ist“, freut sich Magnus Sackmann.
Die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) ist ein gesetzlich normiertes Klimaschutz-Instrument, das in Deutschland mehr erneuerbare Energien in den Verkehrssektor bringen soll. Einfacher ausgedrückt: Die Mineralölkonzerne kaufen Quotenpunkte von Betrieben, die klimaneutral produzieren, um Benzin und Diesel verkaufen zu können.
Vor einem Aus der THG-Quote fürchtet man sich nicht bei der Schnackenberg GmbH, schließlich wurde sie von der EU bis 2045 verlängert. Aber um in den Genuss der THG-Gelder zu kommen, darf in Westertimke nur Biogas aus einer Anlage vertankt werden, die ihr Gas aus Stroh und Gülle gewinnt, so will es das Gesetz.
Tankstellenbetreiber kaufen ihr Biogas aus Rockstedt
Deswegen kaufen die Tankstellenbetreiber es bei einer Biogasanlage aus Rockstedt, die es gereinigt in das Erdgasnetz einleitet. „Das ist vergleichbar mit Ökostrom, der irgendwo in Deutschland ins Netz eingespeist, aber für einen bestimmten Kunden an irgendeiner anderen Stelle abgerechnet wird“, erläutert Magnus Sackmann das komplizierte Prozedere.
Trotzdem lohnt sich der ganze Aufwand, denn die Lkw der Schnackenberg GmbH fahren jetzt günstiger als mit Diesel; der knapp eine halbe Million teure Tankstellenbau rechnet sich. „Wir haben übrigens weder für die Tankstelle noch für die Lkw Fördergelder erhalten“, betont Magnus Sackmann.
Er ist sich sicher, dass der Schwerlastverkehr in den nächsten 10 oder 20 Jahren elektrisch wird. Bis dahin sind die CNG-Lkw immerhin eine Alternative. Denn viele Firmen erwarten, dass sie von Speditionen klimaneutral beliefert werden, schließlich müssen sie eine CO2-Bilanz vorlegen. „Wir merken bereits, dass einige Unternehmen lieber von uns als von normalen Diesel-Fahrzeugen beliefert werden wollen,“ erzählt der Tankstellenbetreiber.
Betankt wird mit der Low-Fill-Funktion
Da hilft es auch, dass in Westertimke eine besondere Tankform praktiziert wird. „Wir sind eine der wenigen Tankstellen, die Fahrzeuge mit der Low-Fill-Funktion betanken.
Das heißt, dass die Fahrzeuge fast 20 Prozent mehr Reichweite haben“, erklärt Magnus Sackmann stolz. Vor einem Monat haben sich die Westertimker Tankstellenbetreiber sogar einen Gas-Trecker gekauft, der die Biogasanlage der Schnackenberg GmbH mit Mist und Gülle aus der näheren Umgebung versorgt.
CNG-Schlepper lohnen sich auch für die Landwirtschaft
„Wir wollen zeigen, dass sich ein CNG-Schlepper auch für die Landwirtschaft lohnt. Schließlich zahlen Molkereien für klimaneutral produzierte Milch schon jetzt einen Extra-Bonus“, erläutert der Betreiber.
Für die Zukunft plant die Schnackenberg GmbH eine eigene Biomethan-Aufbereitungsanlage zu errichten - Kostenpunkt knapp drei Millionen Euro. Damit kann das eigene Gas in das Netzwerk eingespeist und vertankt werden. „Dann fahren unsere Lkw das eigene Mistgas“, strahlt Magnus Sackmann.