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Unterrichtsausfall

TBittere Realität an Schulen im Landkreis Stade: Überall fehlen die Lehrer

Im Landkreis Stade fehlen immer noch viele Lehrkräfte.

Im Landkreis Stade fehlen immer noch viele Lehrkräfte. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Insbesondere die Landkreise Stade und Cuxhaven kämpfen mit unzureichender Unterrichtsversorgung. Bei zwei Schulformen hier vor Ort sieht es besonders schlecht aus.

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Von Karsten Wisser
Dienstag, 27.01.2026, 11:49 Uhr

Landkreis. Die Unterrichtsversorgung im Landkreis Stade liegt weiterhin unter dem niedersächsischen Landesdurchschnitt und gehört zu den schlechtesten im Land. Dies geht aus den Angaben der niedersächsischen Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) hervor.

Auch im Landkreis Cuxhaven ist die Lehrerversorgung unzureichend. Zum Stichtag 28. August 2025 lag der schulformübergreifende Wert für Cuxhaven bei 92,2 Prozent und für Stade bei 91,1 Prozent. Obwohl die Zahlen ein halbes Jahr alt sind, werden sie erst im Januar 2026 veröffentlicht. Die Werte haben sich damit seit dem Vorjahreszeitraum um 0,3 beziehungsweise 0,2 Prozent verbessert.

Ministerin sieht erste Erfolge auf Landesebene

Landesweit beträgt die Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2025/2026 nun 97,2 Prozent, was eine Steigerung um rund 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. „Dies ist ein Anstieg gegen den Trend und ein Beleg dafür, dass unsere Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung wirken“, sagt Julia Willie Hamburg.

Stade und Cuxhaven werden aufgrund des Lehrermangels oft gemeinsam genannt. Beide Landkreise waren 2025 Schlusslichter in Niedersachsen. Sie haben eine Kooperationsvereinbarung mit dem Kultusministerium geschlossen und investieren eigenes Geld, um die Situation zu verbessern.

Sind Stade und Cuxhaven noch Schlusslichter?

Aktuell gibt es keine öffentlich zugängliche Übersicht über die einzelnen Werte aller Landkreise. Dem TAGEBLATT liegen auf Nachfrage aber die neuen Zahlen für Stade und Cuxhaven vor. Die sind aber noch nicht abschließend für ganz Niedersachsen einzuordnen. „Wir konnten die Zahlen auf niedrigem Niveau stabilisieren, gut ist das noch lange nicht. Wir stehen vor großen Herausforderungen“, sagt die Landtagsabgeordnete Corinna Lange (SPD) aus Deinste.

Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit hatte sich die Kultusministerin zur Lehrkräfteversorgung geäußert: Die Problemlösung werde ein Jahrzehnt dauern und sei ein Marathon, kein Sprint. „Die Unterrichtsversorgung in den Landkreisen Cuxhaven und Stade ist nicht zufriedenstellend. Es ist hier deutlich schwieriger, Lehrkräfte für offene Stellen zu finden als in anderen Teilen des Landes“, erklärt das Regionale Landesamt für Schule und Bildung in Lüneburg.

Niedersachsen: Viele Lehrer in den großen Städten

Der Schulleitungsverband Niedersachsen, der Verband Leitungen Niedersächsischer Grundschulen und die Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschulen benennen die Probleme des Lehrermangels deutlich. „Tatsächlich korreliert die Postleitzahl oft mit der Lehrkräfteversorgung. Die Landkreise Lüchow-Dannenberg, Stade und Cuxhaven erreichen nicht annähernd die Versorgungswerte der großen sechs: Hannover, Göttingen, Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück und Wolfsburg“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der drei Verbände.

Trotz Bemühungen gelingt es dem Land Niedersachsen nicht, die Unterschiede zwischen den Schulformen auszugleichen. Während die Gymnasien auf Landesebene ihre Versorgung von 100,6 Prozent auf 101,2 Prozent steigern konnten, liegen Hauptschulen mit 90,6 Prozent und Förderschulen mit 91,8 Prozent weit zurück. Auch die verlässlichen Grundschulen verfehlen mit 98,2 Prozent die 100-Prozent-Marke.

Schulen mit dem größten Bedarf sind benachteiligt

Die Zahlen für den Landkreis Stade sind noch schlechter: Grundschulen 95,4 Prozent, Hauptschulen 75,5 Prozent, Realschulen 91,4 Prozent, Förderschulen 68,8 Prozent, Oberschulen 82,2 Prozent, IGS/KGS 94,5 Prozent und Gymnasien 99,6 Prozent.

„Besonders belastet sind Schulformen, die die Hauptlast von Inklusion und Ganztag tragen“, so die Schulleiter-Verbände. Die Versuche, die Unterschiede auszugleichen, seien seit Jahren kaum wirksam. Die Appelle der Ministerin an Lehrkräfte, auch Schulen in ländlichen Regionen zu wählen, blieben ebenso wirkungslos wie Kooperationsvereinbarungen mit Landkreisen wie Stade und Cuxhaven, so die drei Verbände in einer gemeinsamen Mitteilung.

Stichtag bildet nicht die Realität ab

„Alle Beteiligten wissen, wie wenig die statistische Unterrichtsversorgung über die Realität niedersächsischer Schulen aussagt“, so die Schulverbände weiter. Mutterschutz und Elternzeit nach dem Stichtag, Erkrankungen, Abwesenheiten aufgrund von dienstlichen Verpflichtungen und Schulfahrten blieben unberücksichtigt.

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