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Archiv-Schatz

TBlick in die Hillmann-Sammlung: Kriegsende und Bombenfund in Harsefeld

Heiko Kania mit einem Teil des Nachlasses des Bargstedter Lehrers Friedrich Hillmann, der Olympia Zeitung 1936.

Heiko Kania mit einem Teil des Nachlasses des Bargstedter Lehrers Friedrich Hillmann, der Olympia Zeitung 1936. Foto: P. Meyer

Fotos, Zeichnungen und handschriftliche Berichte hinterließ der Bargstedter Lehrer Friedrich Hillmann. Welche Bedeutung die Sammlung für Harsefeld hat, weiß Heiko Kania.

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Von Pauline Meyer
Sonntag, 01.03.2026, 17:40 Uhr

Harsefeld. Die letzten Kriegstage 1945 in Harsefeld sind besonders gut dokumentiert: handgezeichnete Pläne zeigen Stellungen, Sperren und Verteidigungslinien rund um Mühlenberg und Walkmühle. Farbstifte markieren, wo junge Männer ausharren sollten, um britische Truppen vom Überqueren der Aue abzuhalten. Dass es dazu nicht mehr kam, war Glück. Dass diese Unterlagen heute erhalten sind, ist dem Bargstedter Lehrer Friedrich Hillmann zu verdanken. Und Menschen wie Heiko Kania, die sie für die Zukunft bewahren.

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Samtgemeindearchivs Harsefeld stellt das TAGEBLATT in einer fünfteiligen Reihe die persönlichen Archiv-Schätze der ehrenamtlichen Mitarbeiter vor. Im vierten Teil erzählt Heiko Kania von einem Nachlass, der ihn besonders beschäftigt: die Sammlung des Bargstedter Lehrers Friedrich Hillmann.

Ein Teil des Nachlasses des Bargstedter Lehrers Friedrich Hillmann, die Olympia Zeitung 1936.

Ein Teil des Nachlasses des Bargstedter Lehrers Friedrich Hillmann, die Olympia Zeitung 1936. Foto: P. Meyer

„Es ist ein richtiges Überraschungspaket für jeden, der an Heimat- oder Kriegsgeschichte interessiert ist“, sagt Heiko Kania über seinen persönlichen Archiv-Schatz. Kania ist 73 Jahre alt und seit 2014 ehrenamtlich im Samtgemeindearchiv tätig. Dort kümmert er sich um Nachlässe: Ein Bereich, der Fingerspitzengefühl und historisches Interesse erfordert. Sein Interesse an regionaler Kriegsgeschichte kommt auch durch Kanias beruflichen Hintergrund. 39 Jahre war er bei der Bundeswehr als Personaloffizier tätig. Mit seinem fachlichen Wissen kann Heiko Kania bei der ehrenamtlichen Arbeit im Archiv viele Zusammenhänge gut einordnen.

Rund 308 Nachlässe bewahrt das Samtgemeindearchiv aktuell, jeder davon unterschiedlich umfangreich und komplex. Der Nachlass Friedrich Hillmanns sticht dabei deutlich hervor. „Das ist der komplexeste Nachlass, den man für eine Region haben kann“, sagt Heiko Kania. Allein das Verzeichnis umfasst sechs DIN-A4-Seiten.

Akkurat beschriftet: Hillmann hinterließ umfangreichen Nachlass

Hillmann, der von 1936 bis 1958 Lehrer in Bargstedt war und 1973 verstarb, war ein Chronist und genauer Beobachter seiner Zeit. Er sammelte Fotos, Dokumente, Briefe, Zeitungsausschnitte, Karten und Zeichnungen und beschriftete sie akribisch. „Alles ist fein säuberlich notiert, das ist selten. Friedrich Hillmann war extrem akkurat“, sagt Kania. Diese Ordnung, so vermutet er, sei auch der Lehrerausbildung geschuldet.

Eine der 300 Glasplatten-Fotografien, die Teil des Nachlasses des Bargstedter Lehrers Friedrich Hillmann sind.

Eine der 300 Glasplatten-Fotografien, die Teil des Nachlasses des Bargstedter Lehrers Friedrich Hillmann sind. Foto: P. Meyer

Der Nachlass wächst bis heute. Erst 2024 übergab ein Enkel Hillmanns dem Archiv einen weiteren großen Karton mit Dias, Glasplatten, Ansichtskarten und Unterlagen. Darunter befinden sich auch Aufzeichnungen über Hillmanns Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg, eine gebundene Olympia-Zeitung von 1936 sowie eindrucksvolle Bildserien aus Bargstedt.

Bombenfund: TAGEBLATT-Ausschnitt ist Teil des Nachlasses

Besonders eindrücklich sind Hillmanns Aufzeichnungen aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Der Lehrer war Mitglied der NSDAP und leitete in Harsefeld ein Volkssturmbataillon. In dieser Phase wurden Jugendliche ab 16 Jahren und Männer über 60 eingezogen, um den „Heimatboden“ zu verteidigen. In farbigen Zeichnungen hielt Hillmann fest, wie zwei Züge an der Walkmühle und am Mühlenweg Stellung beziehen sollten. „Gegen die britischen Panzer hätten sie keine Chance gehabt. Das wäre ein sinnloses Vorhaben gewesen“, sagt Kania. Zum Glück seien die Männer vorher nach Hause geschickt worden.

Farbige Zeichnungen des Lehrers Friedrich Hillmann aus den letzten Kriegstagen vom April 1945.

Farbige Zeichnungen des Lehrers Friedrich Hillmann aus den letzten Kriegstagen vom April 1945. Foto: Samtgemeindearchiv Harsefeld

Drei Jahrzehnte später berichtete das TAGEBLATT über einen besonderen Fund an der L123: „Eine Bombe liegt im Dorf!“, hieß es in dem Zeitungsausschnitt von 1972, der ebenfalls Teil von Hillmanns Nachlass war. Damals fanden Bauarbeiter eine 250 Kilogramm schwere Wasserbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Issendorf.

Bombenfund in Issendorf: Ein TAGEBLATT-Artikel aus dem Jahr 1972 fand sich im Nachlass Friedrich Hillmanns.

Bombenfund in Issendorf: Ein TAGEBLATT-Artikel aus dem Jahr 1972 fand sich im Nachlass Friedrich Hillmanns. Foto: Samtgemeindearchiv Harsefeld

Wie das TAGEBLATT schrieb, hätten Issendorfer Bürger damals einen entscheidenden Hinweis gegeben. Kurz vor Ende des Krieges seien drei Bomben zur „Heimatverteidigung“ vergraben worden. Eine sei nach Kriegsende direkt gezündet worden. „Die anderen beiden seien nie wieder gefunden worden“, hieß es im Bericht - bis 1972: Alle Sprengstoffkörper wurden daraufhin geortet und ausgebuddelt. Nach einem halben Tag gab die Polizei die L123 wieder frei und die Bauarbeiter konnten ihrer Arbeit weiter nachgehen.

Ehrenamtlicher mit Kenntnissen von Bargstedt gesucht

Der Nachlass dokumentiert aber nicht nur militärische Aspekte. Enthalten sind mehr als 300 Glasplattenfotografien, unter anderem von einer Fahrradtour mit Schulkindern zum Lager Sandbostel im Jahr 1941, vom Schul- und Dorflelben in Bargstedt, von Hochzeiten, Kirchenereignissen und politischen Umbrüchen. Viele der Fotos sind bereits digitalisiert, aber noch nicht vollständig erschlossen.

Heiko Kania ist im Samtgemeindearchiv Harsefeld zuständig für Nachlässe.

Heiko Kania ist im Samtgemeindearchiv Harsefeld zuständig für Nachlässe. Foto: P. Meyer

Genau hier sieht Kania Handlungsbedarf. „Das ist ein Abenteuer, das noch nicht zu Ende erzählt ist“, sagt er. Für die weitere Erschließung des Nachlasses sucht das Samtgemeindearchiv einen weiteren ehrenamtlich Engagierten, idealerweise jemanden mit Ortskenntnis und Interesse an Heimat- oder Kriegsgeschichte. „Wir brauchen jemanden, der sich richtig reinarbeitet.“

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