T„Blut, Zeit und Emotionen“: Deshalb wird der Knoten beim BSV platzen
Er glaubt noch an das Positive und setzt es in den Fokus: BSV-Trainer Nicolaj Andersson. Foto: Jan Iso Juergens (nomo)
BSV-Trainer Nicolaj Andersson erzählt, was ihm in der sportlichen Krise Hoffnung macht. Buxtehude könnte ein bisschen von der deutschen Handball-Euphorie gebrauchen.
Buxtehude. Drei zentrale Botschaften verkündet der Handball-Bundesligist Buxtehuder SV bei seinem Neujahrsempfang am Dienstagabend. Erstens: Grundsätzlich geht es dem deutschen Frauenhandball gut. Vor allem das Abschneiden und das Auftreten der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft Ende vergangenen Jahres haben für eine Hype gesorgt.
Handball-Bundesliga
T BSV auch im 13. Spiel ohne Sieg - „Das ist sehr schwer zu verdauen“
Zweitens: Dem Buxtehuder Handball im Speziellen geht es derzeit nicht ganz so gut. Die Mannschaft steht nach der elften Niederlage im 13. Saisonspiel offiziell auf dem vorletzten Tabellenplatz. Eigentlich auf dem letzten. Aber das von der Bildfläche verschwundene Ludwigsburg steht immer noch auf dem Tableau.
Handball-Bundesliga
T BSV verliert gegen Neckarsulm: Starke Spielphasen sind Mutmacher
Drittens: Aber beim BSV wird der Knoten platzen. Die Mannschaft glaubt an sich. Nach 37 Jahren in der Bundesliga wird Buxtehude auch Jahr Nummer 38 in der höchsten deutschen Spielklasse antreten.
BSV-Trainer Andersson erklärt die Fortschritte
BSV-Trainer Nicolaj Andersson steht während des Neujahrsempfangs bei Moderator Jörn Stolle am Mikrofon. Seit sieben Wochen versucht Andersson, aus den Buxtehuder Handballerinnen wieder Siegerinnen zu machen. „Ohne Sieg haben wir irgendwann ein Problem“, sagt der Däne. Der Coach erzählt aber vor allem von den Dingen, die ihm Hoffnung machen.
Die Dritte Halbzeit
T Die Liga vermisst ihn: Dirk Leun und die offene Frage des Abschieds
„Die Spielerinnen kämpfen und übernehmen Verantwortung“, sagt Andersson. Die Mannschaft habe Fortschritte gemacht. Im Bensheim-Spiel, in der Partie gegen den Thüringer HC, zuletzt gegen Neckarsulm. Schwankungen gibt es. Aber das sei normal für ein Team, bei dem es nicht läuft.
Andersson wird konkret: Die Abwehr verbesserte sich nach der Umstellung auf die Variante mit der vorgezogenen Defensiv-Spielerin. 5:1 heißt das System unter Experten. Andersson will mehr: „Die Abwehr ist noch nicht gut genug. Aber es reicht, um es anderen schwer zu machen.“ Am Samstag (31. Januar) will es der BSV dem Gegner aus Göppingen schwer machen. Ein Kellerduell. Nach sieben Wochen als Trainer sieht Andersson aber noch mehr Potenzial in seiner Mannschaft.
Luft nach oben: So soll der BSV spielen
Den Ball schnell bewegen. Mut haben. Sich weniger foulen lassen. Bessere Abschlusschancen suchen, als aus zehn Metern Torentfernung. Andersson spricht über seine Philosophie vom Handball. Und über das Mentale: „Wir müssen uns fokussieren auf die Aufgabe, die in dieser Sekunde ansteht.“ Weil die Mannschaft „sieben Mal pro Woche Blut, Zeit und Emotionen“ investiere, werde der Knoten bald platzen. Euphorischer werden die Gesprächspartner, die den Hype des Frauenhandballs im Allgemeinen thematisieren.
Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der WM in Deutschland und den Niederlanden 2025 gerät Saskia Lang ins Schwärmen. Die ehemalige Nationalspielerin arbeitet heute für den Deutschen Handballbund (DHB). Lang hatte mit ihrer Lobbyarbeit im Hintergrund dafür gesorgt, dass der Frauenhandball in den Fokus rückte.

Saskia Lang hat bei der WM Spielerinnen mit Überzeugung und Charakter gesehen. Foto: Berlin
Die Kampagne „Hands up for more“ setzt sich ein für Aufmerksamkeit, Gleichberechtigung und Respekt für Frauen und Mädchen im Handball. Mehr Frauen sitzen beim DHB im Präsidium. Mehr Frauen arbeiten in den Gremien mit. Es gibt eine kostenlose Ausbildung von Schiedsrichterinnen. Der DHB zahlt gleiches Tagesgeld für Frauen und Männer in den Nationalteams. Das Free TV denkt um und überträgt nach zum Teil emotional geführten Debatten in den nächsten Jahren die Spiele der Frauen-Nationalmannschaft. Aber gerade die jüngste WM hat gepunktet.
So viel Geld gibt es für Silber bei der WM
„Das waren mitreißende Spiele. Spielerinnen mit Überzeugung. Tolle Charaktere“, sagt Saskia Lang. Mädchen hätten ihre Heldinnen auf dem Feld gesehen. Jetzt müsse auch die Handball-Bundesliga Frauen (HBF) als Dachverband in Sachen Professionalisierung dranbleiben. Eine erfolgreiche Nationalmannschaft schaffe es nicht allein, noch mehr Menschen für den Frauenhandball zu begeistern.

Andrea Bölk bekam für den WM-Titel 1993 insgesamt 10.000 DM. Foto: Berlin
2025 schütteten der DHB und seine Partner für die gesamte Mannschaft plus Betreuerstab insgesamt 350.000 Euro für die Silbermedaille aus. So viel, wie noch nie, sagt der DHB. Vom BSV war als Einzige Kreisläuferin Jolina Huhnstock dabei. „Die WM war eine mega Erfahrung. Das erlebt man nur ein Mal“, sagt sie. Und das Geld? „Ist angekommen.“

Jolina Huhnstock war die einzige aktuelle BSV-Spielerin im deutschen Kader, der WM-Silber gewann. Foto: Berlin
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.