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TBraucht es eine Verschlankung der 3. Liga? Fredenbeck meint Nein

Fredenbeck spielte in dieser Saison schon vor mehr als 1000 Zuschauer. Wie viele mehr kämen in der 2. Liga?

Fredenbeck spielte in dieser Saison schon vor mehr als 1000 Zuschauer. Wie viele mehr kämen in der 2. Liga? Foto: Potreck

Der kommende Gegner des VfL Fredenbeck will aufsteigen. In der Reformdiskussion um mehr Professionalität denken die beiden Geschäftsführer sehr konträr.

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Von Wilhelm Thiele
Donnerstag, 16.04.2026, 18:05 Uhr

Fredenbeck. Mit dem ASV Hamm-Westfalen erwarten die Handballer des VfL Fredenbeck am Sonnabend (18. April, 19.30 Uhr) nicht nur den derzeitigen Tabellenzweiten, sondern auch eine Mannschaft, die den Aufstieg in die 2. Liga zum Saisonziel ausgerufen hat. Anlass genug, die Rahmenbedingungen und die aktuelle Lage, um den Aufstieg in die 2. Liga unter die Lupe zu nehmen.

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In der 3. Liga Nord-West kämpfen noch der ASV Hamm-Westfalen und der TuS Vinnhorst um den zweiten Platz in der Aufstiegsrunde - der TV Emsdetten ist bereits qualifiziert. In den Liga Nord-Ost und Süd-West bewerben sich nur noch jeweils zwei Mannschaften. In der Liga Süd verzichten alle nach dem Reglement in Frage kommenden Mannschaften auf die Aufstiegsrunde.

Die Aufstiegsrunde wird im Mai und Juni deshalb in zwei Dreier-Gruppen mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Der Erste der Liga Nord-West, der TV Emsdetten, trifft dabei auf den Ersten der Liga Nord-Ost, nach jeweils derzeitigem Stand EHV Aue, und dem Zweiten der Liga Süd-West, TV Gelnhausen.

Der Zweite der Liga Nord-West, also ASV Hamm-Westfalen oder TuS Vinnhorst, bekommt es mit dem Zweiten Nord-Ost, MTV Braunschweig, und dem Ersten der Liga Süd-West, HG Saarlouis, zu tun. Die beiden Gruppenersten steigen auf. Die Aufstiegsrunden beginnen am 6./7. Mai und enden am 6./7.Juni.

Freiwilliger Verzicht auf Aufstieg wird diskutiert

Der komplette Verzicht der in Frage kommenden Mannschaften der 3. Liga Süd, aber auch weitere, teils frühzeitige, Verzichte von Mannschaften wie SC Empor Rostock, HC Eintracht Hildesheim oder der HSG Hanau hat zu einer lebhaften Diskussion geführt über die gestellten Anforderungen an Aufsteiger in die 2. Liga.

„Wirtschaftlich ist die 2. Liga für viele Vereine kein logischer nächster Schritt mehr, sondern ein Drahtseilakt“, fasst Daniel Duhr in einer Kolumne des Internet-Portals handball-world zusammen.

Die für die Organisation der 1. und 2. Handball-Bundesliga verantwortliche HBL GmbH (Handball-Bundesliga GmbH) fordert von Aufsteigern u.a. eine lichte Hallenhöhe von sieben Metern, spezielle LED-Werbebanden, eine deutlich höhere Lichtstärke (1000 Lux statt 300 Lux), speziellen Hallenboden und Buzzertechnik.

Mehreinnahmen deckeln nicht die höheren Kosten

Hinzu kommen höhere Kosten für Schiedsrichter und Spielleitung sowie die Reisekosten der Mannschaften. Das Spielprogramm der 2. HBL, so die Kritiker, sei nur von Profis zu absolvieren. Auch das impliziere steigende Kosten ebenso wie der obligatorisch geforderte hauptamtliche Geschäftsführer.

Fernsehgelder bzw. höhere Einnahmen durch Werbung kompensieren diese Mehrausgaben nicht, so die Argumentation derjenigen, die meinen, dass der Deutsche Handballbund reagieren müsse und die Anforderungen an die wirtschaftlichen Möglichkeiten anpassen müsse.

Diese Position ist bei den Vereinen umstritten

Markus Fuchs, hauptamtlicher Geschäftsführer des ASV Hamm-Westfalen: „Für Zweitligaaufsteiger sollten die steigenden Kosten angesichts höherer Fernsehgelder, möglicher Lizenzentgelder und sicherlich höherer Zuschauereinnahmen aber immer zu stemmen sein.“

Fredenbecks Handballchef Lars Müller (links) sieht eine mögliche Reform der 3. Liga kritisch.

Fredenbecks Handballchef Lars Müller (links) sieht eine mögliche Reform der 3. Liga kritisch. Foto: Thiele

Lars Müller, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Fredenbecker Handball GmbH, hält dagegen. Die technischen Anforderungen der HBL seien so hoch, dass nicht einmal sicher sei, ob diese in der derzeitigen Fredenbecker Halle überhaupt zu realisieren und mit der derzeitigen Sponsorenstruktur zu bezahlen seien.

„Immerhin haben wir hier bis 2006 rund 26 Jahre 1. und 2. Bundesliga gespielt“, so Müller. Er glaubt auch, dass steigende Zuschauerzahlen in Fredenbeck zu Beginn einer 2. Ligasaison zu verzeichnen wären. „Aber wenn die Niederlagen kommen, kommen auch nur noch die Zuschauer, die immer kommen.“ Und: „Große Konzerne, die als Sponsoren in Frage kommen, haben wir in Fredenbeck nicht so viele.“

Grundlagen müssten in Liga 3 geschaffen werden

Hamms Geschäftsführer Fuchs unterstützt den Vorschlag, die 3. Liga auf zwei Staffeln zu verschlanken „ausdrücklich“. Einig ist er sich in dieser Frage mit Uwe Schwenker, Präsident der HBL. In der 2. Liga beginne der professionelle Handball.

Wer aufsteigen wolle, müsse schon in der 3. Liga professionell arbeiten. Sonst gefährdeten solche Vereine auch die wirtschaftliche Stabilität der 2. Liga. Eine Reform der 3. Ligen könne die Probleme und so auch den Abstand zur 2. Liga verringern.

Diesen Argumenten erteilt Fredenbecks Geschäftsführer Lars Müller aus grundsätzlichen Überlegungen heraus eine Absage. „Man darf nicht nur die jeweilige Leistungsspitze im Auge haben, sondern wir brauchen auch die Verteilung von Vereinen, die vernünftigen leistungsorientierten Handball spielen in der Fläche.“

Wenn man die Entwicklung ausschließlich aus der Perspektive des Leistungssports betrachte, verliere man den Breitensport aus dem Auge. Das sei ein Fehler, so Müller.

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