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Landesbester Azubi

TBusfahrer bei der KVG: Samir Behlmer kam auf Umwegen zum Traumjob

Samir Behlmer wollte eigentlich nach dem Abitur studieren. Heute ist er froh, dass er stattdessen bei der KVG gelandet ist.

Samir Behlmer wollte eigentlich nach dem Abitur studieren. Heute ist er froh, dass er stattdessen bei der KVG gelandet ist. Foto: Stehr

Schon als Kind war Samir Behlmer fasziniert von Bussen. Dass der Stader jetzt Busfahrer ist, bezeichnet er als „Glück im Unglück“. Mit Umwegen hat er nun auch beruflich zu tun.

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Von Lena Stehr
Dienstag, 02.12.2025, 22:46 Uhr

Stade. Manchmal läuft das Leben anders als gedacht und wird genau dadurch richtig gut. So war es auch bei Samir Behlmer. Der 22-jährige Stader wollte nach seinem Abitur am Athenaeum eigentlich in Braunschweig Verkehrsingenieurswesen studieren und lernen, wie man Straßen- oder Schienennetze plant und bessere Ampelschaltungen entwickelt. Stattdessen lenkt er jetzt riesige Busse durch den morgendlichen Berufsverkehr im Landkreis Stade - ein Traumjob für ihn.

Schon als Kind fasziniert von Bussen und Bahnen

„Ich hatte Glück im Unglück“, sagt Samir Behlmer und strahlt. Schon als Kind war er fasziniert von Bussen und Bahnen. Als Jugendlicher verbrachte er viele Stunden am Bussimulator an seinem Computer. Als es dann aus organisatorischen Gründen 2023 nicht mit dem Studienplatz klappte, meldete sich Samir Behlmer bei Malte Nadiak, Ausbilder bei der KVG Stade. Den kannte er von einem Praktikum. Nadiak bot ihm sofort einen Ausbildungsplatz an, obwohl bereits Dezember war - Busfahrer werden händeringend gesucht.

Innerhalb von 17 Monaten hat Samir Behlmer seine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb bei der KVG absolviert.

Innerhalb von 17 Monaten hat Samir Behlmer seine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb bei der KVG absolviert. Foto: Stehr

Innerhalb von nur 17 Monaten absolvierte Samir Behlmer seine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb. Für die Note 1,3 in der Abschlussprüfung zeichnete die IHK Elbe-Weser ihn kürzlich zum landesbesten Auszubildenden in seinem Fach aus. Während der Ausbildung durchlief Samir Behlmer alle Abteilungen bei der KVG - vom Beschwerdemanagement über die Verkehrsplanung bis zur Fahrzeugeinteilung. Am aufregendsten war für ihn aber das Busfahren.

„So ein Bus ist viel größer als gedacht, wenn man hinter dem Steuer sitzt“, sagt er. Das Spielen am Bussimulator habe bestimmt geholfen, vor allem beim Rückwärtsfahren. Trotzdem lief nicht alles reibungslos. Eines Tages fuhr Samir Behlmer einen Spiegel ab. Danach war er verunsichert. Busfahrer tragen eben auch große Verantwortung. Doch sein Ausbilder machte ihm Mut und schickte ihn auf eine Tour nach Cuxhaven. Da sei der Knoten geplatzt und der Azubi nicht mehr zu bremsen gewesen, sagt Malte Nadiak.

Samir Behlmer ist schon als Kind gern Bus gefahren.

Samir Behlmer ist schon als Kind gern Bus gefahren. Foto: Stehr

Inzwischen fährt Samir Behlmer täglich drei Stunden Bus und transportiert Schüler zwischen Harsefeld und Horneburg. „Da kann es schon mal laut werden und man muss cool bleiben und sich konzentrieren. Das klappt gut“, sagt er. Das frühe Aufstehen macht ihm ebenfalls nichts aus. Arbeitsbeginn ist pünktlich um 5.39 Uhr in Stade. Eine Herausforderung seien momentan eher die vielen Baustellen.

Mit denen hat Samir Behlmer nicht nur als Busfahrer zu tun. Er ist bei der KVG auch für die Baustellen- und Umleitungsplanung zuständig und denkt sich am Schreibtisch Konzepte aus. „Zu sehen, wie die in der Praxis funktionieren, ist spannend“, sagt er. Momentan fährt er in Fredenbeck seine selbst geplante Umleitungsstrecke.

Die Fachkraft im Fahrbetrieb ist außerdem für die Haltestellenbetreuung zuständig. Wenn zum Beispiel irgendwo ein Fahrplan fehlt oder Vandalismusschäden gemeldet werden, schickt Samir Behlmer seine Kollegen los, um die Probleme zu beheben. Genau diesen Abwechslungsreichtum mag er an seinem Job.

Sogar in der Freizeit lässt ihn der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) nicht los. Manchmal steigt er spontan in eine Bahn und erkundet die Gegend. Er weiß also auch als Nutzer, dass der ÖPNV vor allem in den ländlichen Regionen an seine Grenzen stößt. Insgesamt müsse der ÖPNV bedarfsorientierter werden, sagt er. Es sei nicht leicht, ein gutes Gleichgewicht zu finden, weil auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen. Zudem gebe es zu wenig Busfahrer.

Ein attraktiver Beruf mit gutem Verdienst

Dabei sei der Ausbildungsberuf durchaus attraktiv - auch finanziell, sagt Samir Behlmer. Im ersten Jahr liegt der Verdienst bei 1140 Euro, im dritten Jahr bei 1257 Euro. Das Einstiegsgehalt liegt bundesweit durchschnittlich bei knapp 3000 Euro brutto. Ein weiterer Vorteil: Wer sich für eine Ausbildung bei der KVG entscheidet, bekommt neben dem Busführerschein auch den Pkw-Führerschein bezahlt, falls der noch nicht vorhanden ist. „Ich bin froh, dass mein Weg mich hierhergeführt hat“, sagt Samir Behlmer.

Die KVG hat Standorte in Buxtehude, Cuxhaven, Hittfeld, Lüneburg, Soltau und Stade, hat insgesamt 1223 Angestellte und befördert knapp 46 Millionen Fahrgäste im Jahr. In Ausbildung befinden sich aktuell 82 Menschen, davon 27 in Stade. Von 40 Azubis im Bereich Fachkraft im Fahrbetrieb lernen 5 in Stade.

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