TBuxtehuder Theater im Hinterhof: Der neue Leiter kämpft ums Publikum
Im letzten Jahr hat Nils Engelhard die Leitung beim Theater im Hinterhof übernommen. Foto: Weselmann
Das Buxtehuder Theater im Hinterhof startet in die nächste Saison. Der neue Leiter erzählt von seinem Ehrenamt zwischen glücklicher Fügung, Wagnis und Herausforderung.
Nils Engelhard ist voller Euphorie. An diesem Wochenende geht es wieder los auf seiner kleinen Bühne in Altkloster - samt noch mehr Programm und einer großen Premiere. Dabei blickt der neue Leiter mit Freude auf den geglückten Neustart zurück, sieht aber genauso die Herausforderungen der Zukunft.
Die Bühne in Altkloster bekommt viel Zuspruch
„Wir werden unfassbar gut aufgenommen von den anderen Akteuren in der Stadt“, erzählt Nils Engelhard von der Zusammenarbeit und Vernetzung vor Ort. Bei Künstlern und Publikum ist es genauso. „Wir bekommen unglaublich viel Zuspruch.“ Der Trumpf sei das fantastische Team. „Das ist die Seele des Hauses“, sagt er. Aber dem Theater im Hinterhof geht es wie anderen Kulturveranstaltern.
„Unser Theater hat das beste Publikum, was wir uns wünschen können, aber es kommen einfach zu wenige“, erklärt der 59-Jährige. In den letzten Monaten konnte er einige ausverkaufte Abende zählen. Doch unter den insgesamt knapp 30 Terminen seien eben auch mehrere massiv defizitäre Veranstaltungen gewesen. „Dass wir um Publikum kämpfen müssen, hat mich am meisten überrascht“, so Engelhard. Ein positiver Umstand sorgt dafür, dass es trotzdem weitergeht.
Eine Förderung hilft dem Theater im Hinterhof
Die Bühne in Altkloster bekommt finanzielle Unterstützung. Eine Förderung durch die Stadt Buxtehude und die Else und Heinrich Klindworth Stiftung hat für Entspannung gesorgt. „Das hat uns gerettet“, betont Engelhard. „Nun müssen wir keine Angst haben, das erste Jahr nicht zu überstehen.“ Trotzdem bleibt das Publikumsproblem eine Herausforderung. Die ehrenamtlichen Theatermacher setzen alles daran, das zu ändern. Denn schließlich hängt daran auch die angemessene Künstlerbezahlung.
Ein möglichst vielseitig aufgestelltes Programm soll helfen, neue Besuchergruppen jenseits des alten Stammpublikums zu erschließen - so wie es teils auch schon gelingt. Engelhard möchte mehr Leute davon überzeugen, einfach mal etwas Neues auszuprobieren. Ein zentrales Problem sei außerdem die Sichtbarkeit.
Engelhard bekommt immer wieder mit, dass viele Buxtehuder die Bühne in Altkloster immer noch nicht kennen. Deshalb versucht Nils Engelhard, das versteckt liegende Theater im Hinterhof in der Stadt präsent zu machen - indem der Verein sich an lokalen Initiativen wie „Buxtehude liest“ beteiligt und mit anderen Akteuren wie der Stadtjugendpflege kooperiert.
Zwei Eigenproduktionen feiern Premiere
Nils Engelhard freut sich, dass ihm ein großes Vorhaben gelungen ist. In dieser Saison wartet das Theater mit zwei Eigenproduktionen auf. Am Wochenende erlebt das Publikum mit „Lüge und andere Wahrheiten“ eine Welturaufführung, die von der jungen Autorin Maj Althaus und der Buxtehuder Senioren-Theatergruppe „Die Prothesen“ auf die Bühne gebracht wird.

Nils Engelhard und sein Team stecken viel ehrenamtliches Engagement in den Erhalt des Bühnen-Kleinods in Altkloster. Foto: Weselmann
Der kleine Raum habe zwar nichts, was man für eine Theaterbühne brauche. Aber der Mascha-Kaléko-Abend mit Schauspielerin Dorit Meyer-Gastell habe bewiesen, dass es geht. Und auch die Eigenproduktion mit Haye Graf werde funktionieren, ist Engelhard überzeugt vom Gelingen der zweiten Premiere im September mit dem Einpersonenstück „Das letzte Band“.
Jetzt gibt es Sozial- und Unterstützertickets
Mit Blick auf die Preisgestaltung gibt es eine Neuerung. Nils Engelhard und seine Mitstreiter setzen auf eine Preisstaffelung zugunsten von mehr Teilhabe. Sie haben ein Sozialticket eingeführt, das direkt über das Theater erhältlich ist. „Ich weiß, dass selbst 20 Euro nicht für jeden machbar sind“, betont Engelhard.
Es solle aber nicht zulasten der Künstler gehen. Deshalb gibt es neben dem regulären Kartenpreis von zumeist 20 oder 25 Euro auch die Möglichkeit, ein etwas teureres Unterstützerticket zu kaufen. Damit machten andere das Sozialticket möglich.
„Wir können auch komplett auf den Bauch fallen“
Nils Engelhard hat seine Entscheidung noch keinen Tag bereut. „Es ist eine Freude, hier Veranstaltungen zu machen.“ Seinem Team ist es wichtig, dass Publikum und Künstler sich im Theater wohlfühlen. Die Weiterempfehlungen unter den Künstlern und die Einträge im Gästebuch sprechen für sich.
Dem Theaterleiter ist durchaus bewusst, dass die Programmvielfalt ein großes Wagnis ist. „Ich bin gespannt, ob wir damit erfolgreich sind“, sagt Engelhard. „Wir können auch komplett auf den Bauch fallen.“
Das aktuelle Programm sowie Infos zu Ansprechpartnern und Kartenvorverkauf gibt es unter www.theaterimhinterhof.de
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