TCDU-Mittelstand im Landkreis Stade: Bürokratie spürbar abbauen
Marcus Schulz (links), Vorsitzender MIT Stade, mit Gastredner Thorsten Alsleben, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, vor Beginn des MIT-Neujahrsempfangs im Autohaus Tietjen in Buxtehude. Foto: Sulzyc
Mehr Marktwirtschaft fordert die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT). Kampagnen unterstützen das. Wie, erklärte der Wirtschaftslobbyist Thorsten Alsleben in Buxtehude.
Buxtehude. Krankfeiern müsse wehtun. In der Debatte um Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist das eine Aussage von Carl-Victor Wachs, Sprecher der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Die Lobbyismusorganisation vertritt Unternehmerinteressen, nimmt Einfluss auf Politiker und Medien in der Bundeshauptstadt Berlin.
Gerechtfertigt krank zu Hause bleiben können hätte am Donnerstagabend Marcus Schulz. So extrem heiser war seine Stimme. Aber der neue Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) im Landkreis Stade wollte beim Neujahrsempfang der CDU-Mittelstandsvereinigung unbedingt die einführenden Worte sprechen. Rund 100 Gäste besuchten das MIT-Treffen im Autohaus Tietjen in Buxtehude.
Kräuterbonbons und Tabletten habe Marcus Schulz geschluckt. „Ich bin ein waschechter Unternehmer“, sagte der Chef einer Baustoff-Recycling-Firma zur Erklärung. Und so einen wirft nichts so schnell um.
Angeschlagen sieht sich der Mittelstand in Deutschland. Mittelständische Unternehmer würden nicht mehr als Partner, sondern als Problem verstanden, sagte Marcus Schulz.
Wachstumsschwäche sei hausgemacht
Deutschlands Wirtschaftsschwäche sei strukturell: zu hohe Abgabenlasten, zu langsame Genehmigungsverfahren und zu viel belastende Bürokratie. Darin sehen Unternehmer die Gründe.
Marktwirtschaft, Unternehmertum und wirtschaftliches Wachstum hätten kein gutes Ansehen. Einer, der das ändern will, ist Thorsten Alsleben. Mit seinem Vortrag war er der Impulsgeber beim MIT-Neujahrsempfang in Buxtehude.
Der frühere ZDF-Journalist ist Geschäftsführer der Lobbyismusorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Die Denkfabrik produziert Studien und Kampagnen.
So provoziert die Unternehmer-Lobbyfirma
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft provoziert mit Slogans wie „Kein Wachstum - kein Ballermann“. Soll heißen: Ohne Wirtschaftswachstum können Menschen sich nicht den Urlaub auf Mallorca leisten.
Die INSM hat einen Slogan der Klimaschutzbewegung gekapert. „There ist no planet B“ (sinngemäß: es gibt keine zweite Erde) interpretierte sie um zu „There ist no Wirtschaft B“. „Wirtschaft kann man auch nur einmal vernichten“, sagt Alsleben. Die linke Tageszeitung „Junge Welt“ nannte ihn einen „Marktdschihadisten“.
Das Rezept zur Überwindung der Wirtschaftsmisere aus Sicht der Unternehmer-Denkfabrik: „Wir müssen wieder länger arbeiten“, sagt Thorsten Alsleben. Das predigt auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Möglich, dass Alsleben den Kanzler beeinflusst hat. Die INSM hat das Institut für Weltwirtschaft mit einer Studie beauftragt. Das Ergebnis: Ein dauerhaftes Produktivitätswachstum von 0,5 Prozent pro Jahr erhöhe das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bis 2040 um fast acht Prozent.
Was aus Sicht der Unternehmer erfolgreiches Wirtschaften wohl am meisten stört: ausufernde Bürokratie. Knapp 5000 Gesetze und Verordnungen des Bundes mit mehr als 100.000 Einzelnormen gelten der INSM zufolge aktuell in Deutschland.
Bürokratie gehört ins Museum
Aufmerksamkeit errang die Unternehmer-Lobbyfirma 2024 mit einem Bürokratie-Museum in Berlin. Darin bewegten sich zum Beispiel Schnecken über Faxgeräte. Die Kampagne ist inzwischen beendet.
Von Bürokratie betroffen sehen sich auch Unternehmer der MIT Stade: Meldungspflichten uferten aus, sagte Geflügelunternehmer Henner Schönecke dem TAGEBLATT. Unterschiedliche Behörden fragten viele Datenbänke doppelt nach.

Ulrich Tietjen, Betriebsleiter Autohaus Tietjen in Buxtehude: „Dokumentationspflichten belasten unser Unternehmen.“ Foto: Sulzyc
Dokumentationspflichten belasteten auch das Autohaus Tietjen, sagt Betriebsleiter Ulrich Tietjen. Alle zwei bis drei Monate müsse sein Unternehmen dem Landesamt für Statistik Angaben von 70 Seiten Umfang melden. Zwei Mitarbeiterinnen seien damit bis zu drei Tage beschäftigt.
Wie kam der Kampagnen-Bericht aus Berlin bei der MIT Stade an? Am Ende erhielt Thorsten Alsleben höflich Applaus - aber nicht überschwänglich.
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