TCoach Steinkamp analysiert: Was klappt beim VfL Fredenbeck - Was nicht
VfL-Trainer Matthias Steinkamp mag den siebten Feldspieler nicht. Aber er nutzt die Taktik dennoch, weil sie erfolgreich ist. Foto: Joerg Struwe
Der VfL Fredenbeck verkauft sich gut in der 3. Liga. Wie gut, analysiert Trainer Matthias Steinkamp in seiner Bilanz. Außerdem hat der Coach zwei Wünsche.
Fredenbeck. Im Sommer 2025 übernahm Matthias Steinkamp den Posten des Trainers beim Handball-Drittligisten VfL Fredenbeck. Die erste Saisonhälfte ist absolviert. Der VfL steht solide im Mittelfeld der Tabelle. Wie hat sich die Mannschaft entwickelt? Ist die Handschrift des Trainers erkennbar? Das TAGEBLATT sprach mit dem Trainer.
Die Grundidee
Die Abwehr sei die Basis des Spiels, so Steinkamp. Aus der Abwehr heraus soll mit Tempo der Angriff eingeleitet werden. „Wir wollen überfallartig und trotzdem diszipliniert nach vorne“, sagt Steinkamp.
Das Fredenbecker Spiel soll aber nicht nur erfolgreich sein, sondern auch die Fans begeistern. Die Mannschaft zeige schöne Spielzüge, in denen Tempo und Präzision überzeugten. Effizienz und Entertainment sollen im Fredenbecker Handball, so wie ihn der Trainer sieht, zu entdecken sein.

Fredenbeck ist ligaübergreifend der beste Aufsteiger in ganz Deutschland. Foto: Joerg Struwe
Dazu wünscht sich der Coach mündige Spieler. Es gibt einen regelmäßigen Austausch. „Die gehen den Weg mit mir“, sagt Steinkamp. Die Spieler erkennen demnach selbst, was Erfolg bringt. Und sie wüssten, dass sie erfolgreicher werden, wenn sie diesen Weg weiter gehen. Steinkamp erzählt, dass er nichts vorgibt, was die Mannschaft nicht auch mittragen würde.
Die Abwehr
Eine gute Abwehr mit einem guten Torwart dahinter ist „am Ende der Garant dafür, dass wir die Liga halten,“ sagt Steinkamp. Seitdem Steinkamp den Posten übernommen hatte, investierte er viel Zeit in die Defensive. Die Arbeit war Schwerpunkt im Training.
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Die Abwehr soll hart arbeiten, körperliche Präsenz zeigen, auf schnellen Beinen unterwegs und beweglich sein, sich stets zum Ball orientieren, sich gegenseitig helfen. „Jeder in der Abwehr steht auch für den anderen“, sagt Steinkamp.
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Offenbar geht der Plan Steinkamps auf. Defensiv ist seine Handschrift sichtbar. „Ich bin ein wenig stolz darauf, was die Jungs da regelmäßig abrufen“, sagt der Trainer. Die Abwehr, einschließlich der Torhüter, sei schon heute „obere Tabellenhälfte.“
Der Angriff
Nachdem Steinkamp übernahm, analysierte er zunächst die Leistungsfähigkeit seiner Spieler. Jetzt überwachen er und sein Trainer- und Betreuerteam, ob sich die Spieler weiterentwickeln. Steinkamp hat in den vergangenen Monaten Fortschritte gesehen.
Demnach hat der VfL sein Tempospiel verbessert. Auch im Positionsangriff gäbe es Fortschritte. Aber, gibt der Trainer zu bedenken: „Die Gegner sind besser geworden - und zwar alle.“ Der Coach musste andere Möglichkeiten finden, die zum Torerfolg führen.
In einigen Spielsituationen reicht das konservative „Sechs gegen Sechs“ nicht mehr aus. „Dann brauchen wir Optionen, wie den siebten Feldspieler.“ An dieser Taktik scheiden sich in der Szene die Geister. Auch Steinkamp mag sie eigentlich nicht. Aber sie ist Mittel zum Zweck.
„Es ist nicht der attraktive Handball, den ich sehen möchte. Aber der siebte Feldspieler hat uns in vielen Spielen Erfolg gebracht, wenn Sechs gegen Sechs nicht mehr funktioniert hat“, sagt Steinkamp. Er kann es belegen.
Der Trainer führt das knapp verlorene Heimspiel gegen die HSG Varel an. Im Spiel Sieben gegen Sechs kreierte der VfL Fredenbeck 13 hundertprozentige Abschlussmöglichkeiten. „Wenn wir frei vorm Tor das Ding nicht reinmachen, ist das nicht das Problem des siebten Feldspielers, sondern der Chancenauswertung“, sagt Steinkamp.
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Matthias Steinkamp muss abwägen, wie lange er an der Taktik festhält. Der VfL kassiert aufgrund der Spielweise auch mehr Gegentreffer ins leere Tor. Das frustriert manchmal die Fans. Es bringt negative Stimmung. „Aber egal, wie man es sieht, die Erfolgsbilanz ist eindeutig“, sagt der Coach.
Die Zukunft
Der VfL Fredenbeck will die Chancenverwertung im Angriff verbessern. „Da haben wir Entwicklungspotenzial“, sagt Steinkamp. Und außerdem: „In allen Mannschaftsteilen, auch der Abwehr sind mir die Jungs einfach noch zu lieb.“ Da wünscht sich der Trainer mehr Kaltschnäuzigkeit. Auch fehle den Spielern manchmal der Mut im Angriff, in die Lücke zugehen. Mit der Rückkehr von Jesper Müller und wahrscheinlich Ende März von Malte Hagedorn in die Mannschaft bekommt das Team weitere spielerische Optionen.
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Steinkamp hat sich die Tabellen der 3. Ligen angeschaut. Demnach ist der VfL Fredenbeck derzeit deutschlandweit über alle vier Ligen hinweg der am besten platzierte Aufsteiger. Dennoch hält der VfL an seinem Saisonziel fest: Klassenerhalt. In der nächsten Saison, so Steinkamp, soll es dann in die obere Hälfte der Tabelle gehen.
Die Wünsche
„Das, was die Jungs als Aufsteiger leisten, ist gut,“ sagt Steinkamp. Natürlich wollten sie mehr, aber sie bräuchten dafür auch Zeit.
Außerdem ist die Geestlandhalle bei den Heimspielen etwa zur Hälfte gefüllt. Da geht mehr. Bis zu 2000 Fans könnten rein, so Steinkamp. „Die Jungs haben sich das verdient, mal vor voller Kulisse und bei atemberaubender Stimmung Handball zu spielen.“
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