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TContainerweise Hilfe: Wie ein Horneburger Paar sich für Afrika aufopfert

Sheik und Yvonne Jobe haben schon dutzende Spendencontainer nach Gambia geschickt.

Sheik und Yvonne Jobe haben schon dutzende Spendencontainer nach Gambia geschickt. Foto: Buchmann

Um die 40 Container voller Hilfsgüter haben Yvonne und Sheik Jobe schon nach Gambia verschifft. Ihr eigenes Leben stellen sie hinten an. Warum sie das glücklich macht.

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Von Steffen Buchmann
Montag, 16.02.2026, 13:50 Uhr

Horneburg. Matratzen, Geschirr mit Blumenmuster, Mikrowellen und Tüten voller Kleidung stapeln sich bis unter die Garagendecke der Jobes. Ein Partyraum nebenan steht voller roter Stühle.

Wochenlanges Suchen und etliche Autofahrten mit dem kleinen Anhänger hat es Yvonne und Sheik Jobe gekostet, um die unzähligen Schätze zu sammeln. Lange lagern sie nicht in Horneburg: Das nächste Ziel ist Gambia.

Wer Gambia auf einer Landkarte sucht, muss erstmal genauer hinschauen: Auf einem schmalen Streifen in Westafrika leben rund 2,7 Millionen Menschen, umschlossen vom Senegal. Zum Vergleich: Niedersachsen ist rund viermal so groß.

Horneburgerin fand Liebe in Gambia

Für das kleine Land an der Atlantikküste schlägt das Herz der Horneburger Familie. Yvonne Jobe kommt gebürtig aus Köln und lernte den Gambier Sheik Jobe 1994 bei einer Reise durch seine Heimat kennen. Gambia sei ein wunderschönes Land, schwärmt die 54-Jährige.

Matratzen, Stühle, Mikrowellen, Waschmaschinen: Familie Jobe sammelt alles, was für die Menschen in Gambia noch verwertbar ist.

Matratzen, Stühle, Mikrowellen, Waschmaschinen: Familie Jobe sammelt alles, was für die Menschen in Gambia noch verwertbar ist. Foto: Buchmann

Dass sich die Menschen in Gambia gegenseitig helfen und oft zusammen essen oder feiern, habe sie direkt beeindruckt: „Ich bin seitdem ein komplett anderer Mensch.“ Zwischen 2008 und 2013 zog sie zu ihrem Mann nach Kotu in Gambia, um dort eine kleine Kneipe zu betreiben.

Fast 5000 Euro für einen Container mit Hilfsgütern

Aus dieser Zeit kennt Yvonne Jobe auch die Schattenseiten. Fast die Hälfte der Einwohner lebt in extremer Armut, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Als sie 2013 nach Deutschland zurückkehrte, sei ihr schon klar gewesen, dass sie weiterhin aus der Ferne helfen möchte. Sheik Jobe kam 2017 nach Deutschland, inzwischen leben sie in einem gemeinsamen Haus in Horneburg.

Dank Familie Jobe können sich Schüler über ein Starterpaket mit Ausstattung für den Schulalltag freien.

Dank Familie Jobe können sich Schüler über ein Starterpaket mit Ausstattung für den Schulalltag freien. Foto: privat

Seit fast zehn Jahren packen die Jobes alle ein bis zwei Monate einen Frachtcontainer mit allem, was die Gambiner gerade benötigen. Die Hilfsgüter findet das Ehepaar über Kleinanzeigen, dort verschenken viele Menschen nicht mehr Benötigtes. Alles findet Platz in 40 Fuß großen Containern, die ein Freund von Hamburg aus zum Hafen in Banjul verschifft. Kostenpunkt: 4750 Euro pro Container.

Egal, wie schlecht es uns geht, wir haben immer noch etwas zu Essen im Kühlschrank.

Yvonne Jobe aus Horneburg

„Wir wollen jedem die Chance geben, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen“, sagt Yvonne Jobe. Etwa durch Werkzeug, mit denen die Menschen in den Dörfern ein Handwerk erlernen können. Sheik Jobe weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, ohne Ausbildung sein Leben zu bestreiten. In Deutschland bekam er die Möglichkeit, als Helfer bei der Landschaftsgärtnerei Dede in Jork zu arbeiten. „Ich bin sehr dankbar dafür“, sagt er.

Sheik Jobe bei einer Spendenübergabe für eine gambische Klinik.

Sheik Jobe bei einer Spendenübergabe für eine gambische Klinik. Foto: privat

Yvonne Jobe hat sich kürzlich als Finanzberaterin für Edelmetalle selbstständig gemacht. Monatlich stecken sie jeden Euro, den sie nicht selbst zum Leben benötigen, in ihr privates Hilfsprojekt - und wenn nur für einen Sack Reis. „Egal, wie schlecht es uns geht, wir haben immer noch etwas zu Essen im Kühlschrank“, sagt sie.

Hilfsgüter sollen zu 100 Prozent in Gambia ankommen

Neben dem Verkauf gut erhaltener Möbel sammeln die Horneburger Spenden per Crowdfunding zum Decken der Kosten und Unterstützen von Projekten. Aktuell helfen sie beim Bau einer Hadara in Jabang - ein Begegnungszentrum mit Klassenzimmern, Gemeinschaftsküche und Schlafräumen. „Es geht gut voran“, sagt Yvonne Jobe und zeigt stolz ein Handyfoto des Rohbaus.

In Jabang nahe Serekunda entsteht gerade ein Begegnungszentrum für die Dorfbewohner.

In Jabang nahe Serekunda entsteht gerade ein Begegnungszentrum für die Dorfbewohner. Foto: privat

Bei der Frage, wie viele Container sie schon nach Gambia verschickt haben, müssen die beiden lange überlegen. „Bestimmt 30 bis 40 Stück“, darauf können sie sich einigen. Die Spenden über globale Hilfsorganisationen abzuwickeln, ist für die Jobes keine Option: „Wir wollen wissen, dass die Hilfe zu 100 Prozent dort ankommt, wo sie gebraucht wird.“

Verwalter ließ Klinik herunterkommen

Das Horneburger Paar musste einen Rückschlag wegstecken. Sie hatten Betten und Ausstattung für ein Krankenhaus nach Gambia geschickt, zusätzlich 500 Euro im Monat für die Betriebskosten überwiesen. Als sie 2024 selbst nach Afrika gereist sind und sich die Klinik anschauen wollten, war der Schock groß: Das Gebäude zugewachsen, die Ausstattung weg. Vom Dorfältesten erfuhren sie, dass der Verwalter schon seit Monaten nicht mehr hier war.

Wie sollte es nach diesem Vertrauensbruch weitergehen? Doch die Jobes machten weiter, fanden einen neuen Verwalter, der sie regelmäßig auf Stand hält. Aktuell sucht die Familie einen eigenen Transporter, da Sheik Jobe Arthrose hat und nicht weiß, wie lange er noch im Gartenbau arbeiten kann. Doch die Jobes machen weiter, voraussichtlich im März sticht der nächste Container in See. Yvonne Jobe: „Aufgeben ist für uns keine Option“.

Zur Spendenaktion von Familie Jobe: www.gofundme.com/f/humanitare-hilfe-fuer-gambia-in-west-afrika

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