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Fußball-Regionalliga

TD/A-Walze mit Spielwitz und ein angestachelter Stürmer mit Willen

Glückselig: Tom Sanne nach seiner Auswechslung. Gerade wurde er von Co-Trainer Lars Jagemann (hinten) und Holger Stanislawski innig geherzt.

Glückselig: Tom Sanne nach seiner Auswechslung. Gerade wurde er von Co-Trainer Lars Jagemann (hinten) und Holger Stanislawski innig geherzt. Foto: Joerg Struwe - PICSELWEB

D/A liefert eine 8:2-Machtdemonstration gegen Kickers Emden ab. Stürmer Tom Sanne allein sorgt für ein Fünf-Tore-Spektakel. Zwei Dinge motivierten ihn besonders.

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Von Jan Bröhan
16.09.2026, 17:50 Uhr

Drochtersen. Am Dienstagabend war Festtagsstimmung unter den 915 Fans im Kehdinger Stadion. „Das ist der helle Wahnsinn“, schrie Stadionsprecher Dirk Ludewig nach dem 6:2 durch Tom Sanne in sein Mikrofon.

D/A-Präsident Rigo Gooßen hatte bei der abschließenden Pressekonferenz vor der Haupttribüne ein Dauergrinsen im Gesicht. Bestens gelaunt scherzte er: „Heute ist es natürlich nicht so leicht, einen Spieler des Spiels zu finden.“ Er lobte schöne Tore und andere starke Spieler.

Aber natürlich musste sich dann der 22-jährige Tom Sanne dem Publikum stellen. Der Fünf-Tore-Mann - „absoluter Wahnsinn“, so Gooßen - hatte auch ein breites Lächeln im Gesicht. „Hat Spaß gemacht heute“, sagte er, „vor allem nach dem Pokalspiel.“

Das Pokal-Aus wurmt noch und motiviert

Da war ja was. Am 21. August hatte D/A nach 1:0- und 2:1-Führung im Heimspiel des Niedersachsenpokals noch 2:4 gegen Kickers Emden verloren. Sanne hatte nach neun Minuten für die schnelle Führung gesorgt.

0:0? Nein, Tor: Nach weniger als 40 Sekunden erzielte Tom Sanne (Mitte) schon das 1:0 nach einer Flanke von Dominique Ndure (rechts).

0:0? Nein, Tor: Nach weniger als 40 Sekunden erzielte Tom Sanne (Mitte) schon das 1:0 nach einer Flanke von Dominique Ndure (rechts). Foto: Joerg Struwe - PICSELWEB

Jetzt köpfte er schon nach knapp 40 Sekunden das 1:0. Hat man eine solche Parallele im Spiel parat? „Nein, sowas ist weg“, sagt Sanne einen Tag nach dem 8:2-Sieg. „Aber das Pokalspiel ist generell noch im Hinterkopf“, sagt er, diese schmerzhafte Niederlage war Motivation.

Angestachelt hat ihn auch eine TAGEBLATT-Zeile. Dass er eine 100-Prozentige im Spiel zuvor in Delmenhorst vergeben hat, musste er lesen. „Das hat mich positiv genervt“, sagt Sanne. So eine vergebene Großchance, bei der der Torhüter mit einer Glanzparade natürlich seinen Anteil hatte, „ärgert einen, aber das passiert“, so Sanne.

Gegen Kickers Emden gelingt nun fast alles

„Sehr, sehr selten“, so Sanne, gelingen einem Stürmer fünf Tore in einem Spiel. In der U21 des Hamburger SV ist ihm das schon einmal geglückt. Mit 24 Treffern wurde er da in der Saison 2023/24 auch Torschützenkönig der Regionalliga Nord. Jetzt steht er bei neun Toren in neun Spielen für D/A.

Tom Sanne in typischer Jubelmanier.

Tom Sanne in typischer Jubelmanier. Foto: Joerg Struwe - PICSELWEB

Nach dem 1:0 erzielte Sanne noch das 3:1 (18.) und 4:1 (42.). Erst umkurvte er nach einem Tiefenball den herausgeeilten Kickers-Torhüter Luca Petzold und traf danach aus halbrechter Position ins leere Tor. Dann glaubten schon viele Zuschauer, die Chance ist vergeben. Sanne drehte sich im Strafraum auf engstem Raum mehrmals um die eigene Achse und spielte seinen Gegenspieler im Strafraum schwindelig, um dann aus kurzer Distanz doch noch zu treffen.

Die Kickers schafften allerdings auch den 1:2- sowie noch den 2:4-Anschlusstreffer. Das 1:2 war auch so eine Parallele zum Pokalspiel. „Wir waren aber gut im Spiel, das war eher ein Weckruf für uns“, sagt Sanne.

Nach der Pause geht die Sanne-Show weiter

Das 2:4 noch kurz vor der Pause dürfte für die Drochterser ebenso genug Warnung gewesen sein. Sanne selbst nahm sich vor, nicht nachzulassen.

„Wenn man schon drei Tore gemacht hat, ist vielleicht auch die Luft raus - das ist nicht so einfach“, sagt er. Seinen Treffer zum 5:2 (53.) nennt er deshalb auch „ein Tor des Willens“. Klar ist, dass so ein Tor nur selten gelingt.

Kurz bevor der Torhüter an der Fünfmeterlinie zupacken konnte, spitzelte Sanne ihm den Ball im Sprint noch weg - zwei, drei Meter vom Tor abgedrängt und fast an der Torauslinie angekommen, schaffte Sanne es, aus der Drehung und im Fallen den Ball noch im langen Eck unterzubringen.

Nur drei Minuten später musste er „ordentlich durchschnaufen“, wie er sagt. Da war ihm schon das 6:2 geglückt. Jorik Wulff hatte ihn mit einem „schönen Steckpass“ freigespielt und Sanne drosch den Ball in die Maschen. Ihm war geglückt, was er sich vorgenommen hatte: auch in Hälfte zwei weiterzumachen.

D/A hat sich zu einer Dampfwalze entwickelt

In der 68. Minute wurde Sanne dann ausgewechselt. Die Zuschauer im Stadion erhoben sich und feierten ihn mit Standing Ovations. Er winkte. Er lächelte. Trainer Oliver Ioannou klatschte ab. Co-Trainer Lars Jagemann und Holger Stanislawski herzten ihn. „Es war schwierig, das zu realisieren“, sagt Sanne.

Sinnbild eines verrückten Spiels: Christopher Schepp feiert seinen Treffer zum 8:2, die Kickers können es nicht fassen.

Sinnbild eines verrückten Spiels: Christopher Schepp feiert seinen Treffer zum 8:2, die Kickers können es nicht fassen. Foto: Joerg Struwe - PICSELWEB

Schon der ETV war mit 7:1 aus dem Kehdinger Stadion geschossen worden. D/A hat nun vier Siege in Folge gefeiert. „Wir haben große Fortschritte gemacht“, sagt Sanne. „Wir sind alles Spieler mit einem gewissen Spielwitz, dafür brauchen wir auch Selbstvertrauen.“

„Die Jungs wachsen immer besser zusammen“, sagte Ioannou nach dem Spiel, in dem D/A „sogar noch mehr Tore hätte schießen können“.

Alla Aid Hamid feiert sein 2:0 vor der Haupttribüne.

Alla Aid Hamid feiert sein 2:0 vor der Haupttribüne. Foto: Joerg Struwe - PICSELWEB

In dem „tollen Spiel“, so Ioannou, traf Hamid sehenswert zum 2:0. Dühring packte einen unfassbaren Freistoßhammer zum 7:2 aus, und Schepp besorgte noch das 8:2.

Am Samstag (18 Uhr) empfängt D/A den FC St. Pauli II. „Mal gucken, was die Braun-Weißen“, so Gooßen, „hier abliefern können.“ Pauli besiegte am Mittwoch den HSV II mit 3:0.

Sanne ging nach seinem Fünf-Tore-Spiel noch in die Sauna und früh schlafen. Er denkt auch schon an das nächste Spiel. Er bekam viele Glückwunsch-Nachrichten. „Auch von Leuten, von denen ich lange nichts gehört habe - das hat mich gefreut“, sagt er.

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