Zähl Pixel
Meteoriten-Kunde

TDLR-Experte Heinlein: Meteoritenfund in Stade absolut ausgeschlossen

Dieter Heinlein, Meteoritenexperte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), gibt neben einem Meteoriten ein Interview.

Dieter Heinlein, Meteoritenexperte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), gibt neben einem Meteoriten ein Interview. Foto: Felix Kästle/dpa

Keine Chance für Alienfreunde: Im Raum Stade sind am Sonntag keine Meteoritenteile vom Himmel gefallen. Davon ist DLR-Experte Dieter Heinlein überzeugt.

author
Von Björn Vasel
Dienstag, 10.03.2026, 05:30 Uhr

Stade. Dieter Heinlein gilt unter Fachleuten als der deutsche Meteoritenexperte. Er ist unter anderem für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig. Heinlein sammelt seit fast 50 Jahren Meteoriten. 2023 untersuchte der Astronom und Physiker aus Augsburg den Meteoritenschauer von Elmshorn.

Was war am Sonntagabend am Himmel zu sehen?

Bei dem Eintritt eines Meteoriten in die Erdatmosphäre entsteht enorme Reibungshitze. Das Leuchten - in mehr als 100 Kilometer Höhe - ist laut Heinlein rund 600 Kilometer weit zu sehen. 3000 Sichtungen seien am Sonntag gemeldet worden. Unzählige Fotos sind im AllSky7-Netz zu sehen.

Können Teile des Meteoriten auch im Landkreis Stade eingeschlagen sein?

„Nein, das ist absolut ausgeschlossen“, sagt Dieter Heinlein. Fragmente sind lediglich im Umkreis, begrenzt auf einige Kilometer, von Koblenz-Güls vom Himmel gefallen. Bei Koblenz hatte laut Feuerwehrangaben ein tennisballgroßes Fragment des Sonntagabend-Meteoriten das Dach eines Wohnhauses durchschlagen. Glücklicherweise hielt sich im Obergeschoss niemand in dem Schlafzimmer auf. Die Streufelder sind laut Heinlein oftmals zwölf Kilometer lang und etwa einen Kilometer breit.

Wie heiß wären die Meteoritenteile gewesen, wenn diese bei Stade gelandet wären?

Laut Heinlein „so heiß wie eine Tasse Kaffee“ - etwa 40 bis 50 Grad Celsius warm. Denn der Meteorit komme aus der Kälte des Weltalls. Lediglich die millimeterdicke äußere Hülle des Steins schmelze beim Anflug durch die Erdatmosphäre - und werde durch den Luftstrom hinweggetragen. Das Innere werde maximal lauwarm. Und es schmelze damit auch nicht. Woher weiß der Physiker das? In Elmshorn habe am 25. April 2023 der Finder nach Aufschlag ein tennisballgroßes Stück in die Hand genommen.

Was für eine Meteoritenart war es?

Der Experte geht mit Blick auf die ersten Fotos aus Koblenz von einem Steinmeteoriten aus. Diese zerbrechen in der Regel in einer Höhe von 20 Kilometern in größere und kleinere Teile. Neun von zehn Meteoriten zählen zu den Steinmeteoriten. Das lasse sich mit einem Metalldetektor klären.

Können Laien die Fragmente erkennen?

Ja, sogar mit bloßem Auge. Die Steinmeteoriten sind an ihrer geschlossenen schwarzen Schmelzkruste zu erkennen. Im Inneren sind sie hellgrau bis weiß. Zertifizierte Sondengänger könnten diese mit ihrem Gerät finden. Allerdings sei der Eisen- und Nickelanteil gering.

Woher stammt der Meteorit?

Aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Von der Erde aus würde die Reise bis zu sieben Monate dauern. Der Gürtel ist bis zu 300 Millionen Kilometer entfernt. Es handele sich um Überbleibsel aus der Entstehung unseres Sonnensystems, die sich nicht zu Planeten vereinten. Die Relikte aus dem solaren Urnebel sind 4,5 Milliarden Jahre alt.

Was ist beim Auffinden eines Meteoritenfragments zu beachten?

Heinlein bittet, die GPS-Daten zu sichern. Fragmente sollten für die wissenschaftliche Auswertung nur mit Baumwollhandschuhen oder einer Plastiktüte angefasst werden, um diese „nicht zu kontaminieren“.

Außerdem sollte dieser Fund an einem trockenen Ort gelagert werden. Funde sollten beim Institut für Weltraumforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gemeldet werden. Dort gibt es eine Checkliste.

Wem würde ein Meteorit gehören?

Laut Kreisarchäologe Daniel Nösler dem Finder und dem Grundeigentümer je zur Hälfte, sofern der Eigentümer die Suche erlaubt hat.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel