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Cold Case

TDNA-Treffer: Hatte Serienmörder Wichmann einen Mittäter?

Die Cold-Case-Einheit in Lüneburg hat bei den Göhrde-Morden nicht nur Kurt-Werner Wichmann im Visier. Doch kann sie den mutmaßlichen Mittäter auch überführen?

Die Cold-Case-Einheit in Lüneburg hat bei den Göhrde-Morden nicht nur Kurt-Werner Wichmann im Visier. Doch kann sie den mutmaßlichen Mittäter auch überführen? Foto: Döscher/ZDF

In einem ZDF-Bericht wurde der Eindruck erweckt, eine Anklage stehe bevor. Passiert ist aber nichts. Droht der Cold-Case-Einheit gar die Auflösung?

Von Christian Döscher 04.07.2026, 07:00 Uhr

Lüneburg/Cuxhaven. Im September 2025 sorgt die Reportage „Wahre Verbrechen – Geheimnis der Göhrde-Morde“ im Fernsehen für Aufsehen. Dort wird behauptet, ein Komplize von Kurt-Werner Wichmann werde noch im Jahr 2025 angeklagt. Der Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann steht im Verdacht, mindestens fünf Menschen getötet zu haben. So wurde im Herbst 2017 die Leiche von Birgit Meier unter Wichmanns Garage gefunden. Sie war 1989 verschwunden. Im selben Jahr wurden zwei Paare in der Göhrde, einem Waldgebiet bei Lüneburg, per Kopfschuss getötet. Wichmanns DNA findet sich auf dem Fahrersitz eines Autos der Göhrde-Opfer. Der Verdacht: Wichmann hatte jemanden, der ihn in den Wald gefahren hat. Die drei Autos der Opfer wurden zudem auch nach der Tat noch bewegt.

Eine operative Fallanalyse des Landeskriminalamtes Niedersachsen geht zudem davon aus, dass Wichmann weitere Taten im hohen zweistelligen Bereich begangen haben könnte. Vermutlich hat er nicht alleine gehandelt. Konkrete Beweise gibt es dafür nicht. In der ZDF-Dokumentation zu den Göhrde-Morden sagt der Leiter der Cold-Case-Einheit in Lüneburg, Thilo Speich, „dass es eine Person gibt, gegen die sich durchaus ein Tatverdacht richtet“. Diese Person sei aber nicht bereit, gegenüber der Polizei Angaben zur Sache zu machen.

Wissenschaftlerin berichtet von DNA-Treffer

Die ZDF-Redaktion des Beitrags lässt dann einen Sprecher einen Satz sagen, der aufhorchen lässt: „36 Jahre nach den beiden Doppelmorden in der Göhrde stehen die Ermittler möglicherweise kurz davor, die Fälle endgültig und vollständig aufzuklären.“ Eine Wissenschaftlerin des Instituts für Rechtsmedizin in Freiburg wird gezeigt, wie sie ein „dunkles Haar der Opferkleidung“ untersucht. Und es habe auch schon Treffer mit anonymisierten Proben gegeben. Sie weiß also nicht, mit wem es eine Übereinstimmung gibt. Die Polizei dagegen schon.

Thilo Speich sagt dazu in der Doku: „Wir gehen davon aus, dass Kurt-Werner Wichmann der Haupttäter ist zu diesen Taten. Und aktuell ist es so, dass sich durchaus eine Indizienkette gegen eine noch lebende Person richtet.“ Ein Mann aus dem engsten Umfeld von Kurt-Werner Wichmann ist schon seit 2017 im Visier der Polizei. Im Fall Birgit Meier wurde er schon erkennungsdienstlich behandelt, ihm wurden DNA-Proben entnommen. Er galt sogar zeitweilig als Beschuldigter.

Lüneburger Polizei: Ermittlungen dauern an

Jetzt soll es Treffer gegeben haben, von DNA-Varianten, sogenannten Haplotypen. In der Genetik werden Haplotypen für die mitochondriale DNA (mtDNA) untersucht; mtDNA wird hauptsächlich durch die Mutter an ihre Nachkommen weitergegeben. Reichen die DNA-Varianten nicht aus? Oder warum wurde immer noch keine Anklage erhoben, der Komplize gar festgenommen? Auf Nachfrage unseres Medienhauses ist in der Antwort der Lüneburger Pressesprecherin Isabel Rehmer von einer Anklage keine Rede mehr: „Die Aussage zur zukünftigen vollständigen Fallüberprüfung bezieht sich hier auf den Ermittlungskomplex Göhrde. Voraussetzung dafür ist, dass alle vorhandenen Ermittlungsspuren dabei vollumfänglich kriminalistisch und forensisch überprüft worden sind. Die Ermittlungen dazu dauern weiter an.“

Will man den mutmaßlichen Mittäter vielleicht unter Druck setzen, dass er ein Geständnis ablegt? 2017 hatte man damit keinen Erfolg. Und jetzt ist nach unseren Recherchen zu hören, dass die sogenannte Cold-Case-Clearingstelle in Lüneburg, bei der auch mögliche weitere Taten Wichmanns zusammenlaufen, aufgelöst werden soll. Wie gehen dann die Ermittlungen zum Mittäter oder auch zu den Spuren Wichmanns im Cuxland weiter?

Polizeidirektion widerspricht Gerüchten: Keine Auflösung

Den Gerüchten tritt die Polizeidirektion in Lüneburg entgegen. „Da die Ermittlungen weiter andauern, ist bislang keine Auflösung der Clearingstelle geplant“, antwortet Pressesprecherin Rehmer auf Nachfrage. Fürs Cuxland hat die Polizeiinspektion Cuxhaven jüngst erklärt, man halte die Hinweise für „ausermittelt“, für eine Verbindung Wichmanns mit den sogenannten Disko-Morden in der Zeit von 1977 bis 1986 gebe es „keine objektiven Anhaltspunkte“. Wichmann hat sich in Untersuchungshaft 1993 das Leben genommen.

Dass Wichmann im Cuxland unterwegs gewesen ist, bestreitet die Polizei mittlerweile nicht mehr. Sie hält es sogar für möglich, dass er für die Vermisstenfälle verantwortlich sein könnte, dafür fehle es aber an „objektiv belastbaren Beweisen“. Bis heute haben sich bei dem Privatermittler und früheren Chef des Hamburger Landeskriminalamtes, Reinhard Chedor, und seinem Team mehr als 20 Frauen gemeldet, die unheimliche Begegnungen mit Wichmann im Cuxland hatten. (cd/mcw)

  • Fälle in Schwerin

Noch immer sind in Schwerin zwei Mordfälle an jungen Frauen im Jahr 1991 ungeklärt – an Claudia Lade und Antje Mundstock. Seit 2023 ist eine private Ermittlungsinitiative um den früheren Hamburger LKA-Chef Reinhard Chedor auch mit diesen zwei Fällen beschäftigt. Nun kann sie einen Erfolg verbuchen: Nach einem Hinweis bestehe der sehr begründete Verdacht, dass Kurt-Werner Wichmann zu der fraglichen Zeit im Sommer 1991 in Schwerin aktiv war. Chedor beruft sich unter anderem auf die „sehr glaubwürdigen Angaben und Hinweise“ einer Frau über ihre Entführung im Sommer 1991. Die Hinweisgeberin hat Wichmann viele Jahre nach der Tat mit „absoluter Sicherheit“ als ihren Peiniger identifiziert. Die Frau war im Sommer 1991 in Schwerin nach einem Discobesuch entführt, stundenlang festgehalten und sexuell missbraucht worden. Zudem gibt es noch einen weiteren Anhaltspunkt, dass sich der mutmaßliche Serienmörder im Raum Schwerin aufgehalten haben könnte.

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