T„Dafür liebe ich den HSV“: D/A-Neuzugang Tom Sanne über große Momente
Die Zuschauer sahen im Pokal einen durchwachsenen Saisonauftakt. D/A-Stürmer Tom Sanne gelobt Besserung für den Punktspielauftakt am Freitag ab 19.30 Uhr gegen Phönix Lübeck. Foto: Jörg Struwe (nomo)
Stürmer Tom Sanne hat HSV-Vergangenheit und schießt jetzt Tore für D/A. Der 22-Jährige hat die Schattenseiten des Fußballs und Gänsehautmomente erlebt.
Drochtersen. Beim Mannschaftsabend auf der Elbinsel Krautsand greift Tom Sanne zum Mikrofon. Er singt die HSV-Hymne „Mein Hamburg lieb ich sehr“ von Abschlach. Den Text kennt der 22-Jährige auswendig. Die neuen Kollegen bei der SV Drochtersen/Assel steigen mit ein. „Das war ein cooler Abend. Das schweißt zusammen“, sagt Sanne.
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Aber warum ausgerechnet die HSV-Hymne? Bei dem Verein stand Sanne einst kurz vor dem Durchbruch. Einen Profivertrag hatte er im Sommer vor drei Jahren bereits unterschrieben. Bis ihn die sportlich Verantwortlichen schließlich doch aussortierten.
1. Bundesligator gegen den FC Magdeburg
Sanne trainierte mit den Profis. Er fuhr mit den Bundesligaspielern ins Trainingslager, sein Name stand bereits bei Zweitligaspielen in der Kaderliste. Am 23. Oktober 2022 schoss er kurz nach seiner Einwechslung bei seinem Zweitligadebüt ein Tor gegen den 1. FC Magdeburg. Aber der damalige HSV-Trainer Tim Walter und später Steffen Baumgart gaben anderen den Vorzug. Sanne definiert das heute vorsichtig als Schicksalsschlag. „Vielleicht kam das alles zu früh“, sagt er.
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Tom Sanne saß mit Profis wie Robert Glatzel, Ransford Königsdörffer, András Németh oder Otto Stange in der Kabine. „Das waren auch nur Menschen“, sagt Sanne, der nicht vor Ehrfurcht erstarrte. Aber sie spielten und er nicht. „Anscheinend hat das Spielsystem nicht gepasst“, sagt Sanne. Einmal habe er auch gehört, „der Trainer steht nicht auf dich“.
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Tom Sanne gibt in Folge 27 des Podcasts „D/A sind wir zuhaus“ einen kleinen Einblick in sein Seelenleben.
Thema ist auch sein Wechsel nach Drochtersen. Zudem seine überzeugenden Auftritte in den Testspielen während der Saisonvorbereitung und seine Ruhe und Abgeklärtheit am Elfmeterpunkt.

TAGEBLATT-Sportchef Daniel Berlin spricht mit D/A-Neuzugang Tom Sanne (links) über Gänsehautmomente, BWL als Ablenkung und die Coolness am Elfmeterpunkt. Foto: Rambow (nomo)
Sanne schoss D/A mit einem Strafstoß in allerletzter Minute im Pokal gegen Delmenhorst überhaupt erst in die Verlängerung. Später gewann Drochtersen 2:1. Solche Szenen sind Balsam für das Selbstvertrauen.
Tom Sanne entwickelt falschen Ehrgeiz
Der D/A-Neuzugang hat die Schattenseiten des Fußballs erlebt: Die Hochs und Tiefs beim HSV, seine Leihe nach Hannover in die 3. Liga und schließlich ins niederländische Dordrecht, eine Verletzung und wenige Spielminuten als Reservist auf der Bank. Ein fast schon besessenes Training und falschen Ehrgeiz. Seinen Wechsel zu Wacker Burghausen in die Regionalliga Bayern.
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Dort wurde er zunächst als Transfercoup von den Medien gefeiert. Die gleichen Journalisten schrieben bei seinem Abgang nach 18 Startelfeinsätzen und fünf Toren nur ein Jahr später, dass er die Erwartungen nicht erfüllt habe. Wie groß können die Erwartungen an einen 20-jährigen Fußballer sein? Ist das überhaupt fair? Aber er erlebte eben auch die Gänsehautmomente, die ihn den Fußball lieben lassen.
„Gefühlt bin ich seit meiner Geburt HSV-Fan“, sagt Sanne, der in Hamburg geboren wurde und aufwuchs. Er stand mit seinen Verwandten im Familienblock des Volksparkstadions. Jahre später stand er unten auf dem Rasen und schaute hoch. „Dafür liebe ich den HSV“, sagt Sanne. Die Schattenseiten täten zwar weh, würden ihn von dieser Liebe aber auch nicht abbringen. „Ein großer Moment ist viel stärker als schlechte Erinnerungen“, sagt Sanne.
Jetzt will Sanne schöne Momente mit D/A erleben. Er spricht nicht gerne über Ziele. Aber er greift mit der Mannschaft die Meisterschaft in der Regionalliga Nord und den Aufstieg in die 3. Liga an.
So verschafft sich der Stürmer Ablenkung
Der 1,70 Meter große Mittelstürmer hat den Traum vom Bundesligaprofi noch lange nicht zu den Akten gelegt. Trotz seiner Statur liegen Sannes Stärken auch im Kopfballspiel. Er übte schon als Kind am Kopfballpendel im Garten. Er trainierte seine Sprungkraft. Heute denkt er positiv, verschafft sich Ablenkung und Quality-Time.

D/A-Neuzugang Tom Sanne traf im Pokal gegen Delmenhorst vom Elfmeterpunkt. Foto: Jörg Struwe
Dass Tom Sanne mittlerweile im dritten Semester Betriebswirtschaftslehre studiert, hat nichts damit zu tun, dass er bereits Plan B verfolgt, wenn es beim Fußball nicht mehr zum großen Durchbruch kommt. „Es tut mir einfach gut“, sagt Sanne. Schon als Kind habe er gerne Mathe in der Schule gehabt. Er bekomme durch das Studieren den Kopf frei. Das lenke ab vom sportlichen Alltag.
Ein Ritual zwei Tage vor dem Spiel
Außerdem pflegt Sanne eine besondere Beziehung zu seinem Berater. Er nennt ihn nur Mo. Mo trainiert mit ihm, sie quatschen, sie essen zu Abend. Sie kennen sich seit Jahren. Sie trainierten sogar nachts, oder in der Corona-Zeit auf irgendeinem Parkplatz. Das schweißt zusammen. Über die Jahre ist ein Ritual entstanden.
Zwei Tage vor jedem Pflichtspiel treffen sich Mo und Tom Sanne abends zum Training. Nichts dolles. Vor dem Pokalfight gegen Delmenhorst automatisierte Sanne ein paar Abläufe, schoss mit seinem schwachen Fuß aufs Tor. Das sei Aberglaube. Aber es hilft. Tom Sanne geht danach ins Bett und ist fokussiert auf das anstehende Spiel.
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