TDer Aue-Pokal: Eine Traditionsfrage und eine Hassliebe mit „Neckereien“
Sie schenken am letzten Spieltag des Aue-Pokals 2026 Oersdorf sieben Stück ein, dann sich selbst einen in den Siegerpokal. Dem Gastgeber schmeckt dieser Gewinner gar nicht. Foto: Meyer
Einmal im Jahr streiten sich fünf Dörfer um den Aue-Pokal. Zum Gewinner pflegt Ahrensmoor eine Rivalität - und als Verlierer fällt man schon mal einem „Dorfstreich“ zum Opfer.
Harsefeld. Der Gipfel einer jeden Profifußballer-Karriere heißt Weltmeisterschaft, ist alle vier Jahre und führt zum 36,8 Zentimeter hohen, rund 6,1 Kilo schweren, mit 18-karätigem Gold versehenen FIFA-WM-Pokal. Der Gipfel eines jeden Fußballers aus der Gemeinde Ahlerstedt heißt Aue-Pokal, ist jedes Jahr und führt zum silbernen Henkelpott.
In Ahrensmoor spielen fünf Dörfer, die alle an der Aue liegen, ihre eigene WM: Ahrensmoor, Ahrenswohlde, Kakerbeck, Oersdorf und Ottendorf. Was steckt hinter dem Fußballturnier?
Aue-Pokal: „Hier trifft sich die ganze Samtgemeinde“
Nach alphabetischer Reihenfolge findet der Aue-Pokal jedes Jahr in einem anderen Dorf statt. Ahrensmoor ist Gastgeber. Gespielt wird an fünf Tagen auf Großfeld, elf gegen elf und jeder gegen jeden. Manche an der Aue werden nur dieses eine Mal im Jahr zum Fußballer.

Julian Meyer (links) und Jan Niklas Meyer von der Dorfgemeinschaft Ahrensmoor stellen den Aue-Pokal 2026 auf die Beine. Die Gäste versorgen die Gastgeber unter anderem mit 1260 Liter Bier. Foto: Meyer
An diesem milden Freitag sind mindestens 300 Zuschauer da. Jan Niklas und Julian Meyer haben das Turnier mit rund 30 Kollegen aus der Dorfgemeinschaft Ahrensmoor organisiert. „Hier trifft sich die ganze Samtgemeinde“, sagt Jan Niklas Meyer. Alle Generationen schauen zu - auch beim vermeintlichen Topspiel.
Siebenmal „Döp-döp-döp“ für den Aue-Pokal-Sieger
Zur Primetime um 20.15 Uhr rollt der Ball ein letztes Mal. Ein Krimi ist bei Oersdorf gegen Ahrenswohlde nicht vorprogrammiert. Der Tabellenzweite aus Oersdorf müsste das wohl größte Aue-Pokal-Wunder schaffen und für den Pokalsieg mit elf Treffern Unterschied gewinnen.

Auch wenn der reguläre Amateurfußballbetrieb Pause hat und Spaß beim Aue-Pokal im Vordergrund steht: Die Teams - wie hier Kakerbeck (graue Trikots) und Ottendorf (blau) - schenken sich auf dem Platz nichts. Foto: Meyer
Der Favorit beschäftigt die Oersdorfer Defensive und den DJ im Minutentakt. „Döp-döp-döp-dö-dö-döp-döp-döp“ ertönt als Torjingle auf dem Sportplatz am Schuldamm. 7:1 gewinnt Ahrenswohlde.
„Die haben richtig krassen Nachwuchs“, gesteht der Ahrensmoorer Julian Meyer. Viele Talente des JFV A/O/B/H/H kicken beim Aue-Pokal-Sieger. Werder-Talent Mick Schmetgens aus Ahrenswohlde ist nicht dabei. Er zieht die U19-Europameisterschaft in Wales mit Deutschland dem Aue-Pokal beim Nachbarn vor.

Der Nachbar gewinnt beim Nachbarn: Ahrenswohlde nimmt den Aue-Pokal 2026 aus Ahrensmoor mit nach Hause und versucht ihn 2027 auf heimischen Platz zu verteidigen. Foto: Meyer
Auf dem hüfthohen Zaun am Spielfeldrand sitzen Kleinkinder. Eine Mutter sagt zu zwei Mädchen auf dem Zaun: „Seid ihr Ahrenswohlde-Fans?“ „Ja“, antworten die Mädchen synchron und singen: „Ah-rens-wohl-de.“ Alle Generationen schauen zu. Der Aue-Pokal ist ein Publikumsmagnet, doch eine Frage können die Dauergäste nicht so schnell beantworten.
Seit wann gibt es die Tradition Aue-Pokal?
Irgendwer unter den hunderten Zuschauern sollte das doch wissen. Alfred Meyer antwortet „mindestens 30 Jahre“ und korrigiert sich dann: „Nein, das sind mehr.“ Man muss sich weiter durchfragen. Unter einem Pavillon an einer Bierzeltgarnitur findet sich die Antwort. Reiner Allers aus Ahrenswohlde weiß es.

Die Ahrenswohlder Edelfans um Reiner Allers (hintere Reihe, 3.v.l.) leben beim Aue-Pokal das Miteinander. Foto: Meyer
„1980“, kommt das Gründungsjahr Allers wie aus der Pistole geschossen. „Der Ausrichter war Kakerbeck, aber in Ahlerstedt, weil die keinen Platz hatten.“ Wo Allers sitzt, halten es alle mit Rekordsieger Ahrenswohlde.
Für Allers ist der Aue-Pokal „das Kultturnier in der Südgeest“. Nachdem sich die Nationalmannschaft bei der WM blamierte, war Kumpel Gerhard Klintworth klar: „Jetzt müssen wir uns voll auf den Aue-Pokal konzentrieren.“ In diesem Augenblick muss Oersdorf erneut die Tormusik von Scooter über sich ergehen lassen. Wegen der 1:7-Klatsche fällt Oersdorf noch hinter Gastgeber Ahrensmoor auf Platz drei zurück.
„Dorfstreiche“: Wie Ahrensmoor und Ahrenswohlde sich necken
Ahrenswohlde stemmt den Pokal in den bedeckten Ahrensmoorer Abendhimmel. Während es bei Messi, Mbappé und Co nicht nur um Prestige geht - als Weltmeister kassieren Spieler mindestens eine sechsstellige Prämie von ihrem Verband -, sind die Akteure in Ahrensmoor mit Kaltgetränken im Silberpokal zufrieden.

Reihum wird der Aue-Pokal gereicht; jeder Ahrenswohlder Spieler darf einen Schluck Kaltgetränk aus ihm nehmen. Foto: Meyer
Im drei Kilometer entfernten Ahrensmoor gewinnt ein Ahrenswohlder gerne, wie zuletzt 2019. Die Rivalität zwischen Gastgeber und Gewinner geht über den Fußball hinaus.
Jan Niklas Meyer, Julian Meyer und sein Vater Carsten sprechen mit einem Grinsen auf den Lippen über die Rivalität. Dortmund nennt Schalke Herne-West und Schalke nennt Dortmund Lüdenscheid-Nord. So ähnlich hält es auch Carsten Meyer. „Ahrensmoor-Süd hat gewonnen“, sagt er. Leider, aus Sicht der drei Meyers, schleppt „Ahrensmoor-Süd“ den Pokal nach Hause und gewann am ersten Tag auch das Derby mit 4:3. Sie sind bereit für die Revanche 2027 beim Nachbarn.
Beide Dörfer spielten einander in der Vergangenheit „Dorfstreiche“, so Jan Niklas Meyer. Umgekippte und abgesägte Pfingstbäume: „Man weiß bis heute nicht, wer das war“, sagt Julian Meyer. Die Ahrensmoorer hingen an einem Pfingstbaum der Ahrenswohlder ein Aue-Pokal-Trikot auf, am nächsten Morgen hing eines der Ahrenswohlder in Ahrensmoor. Jan Niklas Meyer sagt: „Kleine Neckereien gehören dazu.“

Die Zuschauerzahl lässt sich am Freitagabend nur schätzen. Mindestens 300 Zuschauer sehen den letzten Spieltag des Fünf-Dörfer-Fußballturniers. Foto: Meyer
Allers und seine Truppe machen sich auf den Heimweg. „Wir sind langsam alt“, sagt er, aber die jungen Leute würden bestimmt bis zum Morgengrauen feiern. Alle fünf Dörfer feiern gemeinsam. Auch die beiden Rivalen trotz Hassliebe. Was sich neckt, ...
Die Ergebnisse und Tabelle im Überblick
Ergebnisse
- Mittwoch, 24. Juni: Ahrensmoor - Ahrenswohlde 3:4
- Mittwoch, 24. Juni: Ottendorf - Oersdorf 3:7
- Freitag, 26. Juni: Oersdorf - Ahrensmoor 1:2
- Freitag, 26. Juni: Ahrenswohlde - Kakerbeck 7:0
- Montag, 29. Juni: Oersdorf - Kakerbeck 3:0
- Montag, 29. Juni: Ahrensmoor - Ahrenswohlde 3:4
- Mittwoch, 1. Juli: Ahrenswohlde - Ottendorf 10:1
- Mittwoch, 1. Juli: Kakerbeck - Ahrensmoor 2:1
- Freitag, 3. Juli: Kakerbeck - Ottendorf 4:2
- Freitag, 3. Juli: Oersdorf - Ahrenswohlde 1:7
Tabelle
- 1. Platz: Ahrenswohlde (12 Punkte, 28:5 Tore)
- 2. Platz: Ahrensmoor (6 Punkte, 13:8 Tore)
- 3. Platz: Oersdorf (6 Punkte, 12:12 Tore)
- 4. Platz: Kakerbeck (6 Punkte, 6:13 Tore)
- 5. Platz: Ottendorf (0 Punkte, 7:28 Tore)
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