TDer Fußballverrückte und seine Karin: Die Bälle wichen der Musik
Karin und Erich Jordens sind seit 60 Jahren verheiratet. Foto: Bröhan
Erich und Karin Jordens haben gerade ihre Diamantene Hochzeit gefeiert. Ihr Leben wurde wegen ihm vom Fußball bestimmt. „Jetzt bin ich dran“, sagt Karin und lacht.
Stade. Erich Jordens (85) hat als Fußballlehrer und Fußballverrückter einiges erlebt. „Seine Karin“, wie er seine rüstige 81-jährige Frau liebevoll nennt, hat ihn immer unterstützt.
Das ging so weit, dass sie 1978 sogar ihr Haus in Stade verkauften und das Sportgeschäft aufgaben, weil er bei Eintracht Nordhorn in der damaligen dritten Liga seinen ersten Profivertrag als Trainer annahm. „Die Kinder wollten eigentlich nicht mit“, sagt Karin. Im Nachhinein hatte die Familie dort aber „die schönste Zeit“, die Kontakte bestehen noch heute.
1980 stieg Erich Jordens an seinem 40. Geburtstag ins Auto, um beim Zweitligisten 1. FC Saarbrücken einen Vertrag zu unterschreiben. Karin nahm ihm eine Kassette mit selbstgesungenen Geburtstagsliedern auf. „Die sollte er sich im Auto anhören“, erzählt sie. Die Musik war schon immer ihre Leidenschaft. Sie blieb in Nordhorn. Auch, als er als Interimstrainer beim Drittligisten VfB Lübeck anheuerte.
Sie weiß, wie sie ihn nehmen muss
Karin arbeitete in Nordhorn für ein Busunternehmen und fuhr behinderte Kinder. „Das war schön“, sagt sie. Die Familie musste Erich Jordens natürlich so oft es ging besuchen. „Er mochte nicht alleine sein“, erzählt Karin. Erich grummelt leicht. „Ja, ist so“, sagt sie. Thema beendet.
Fußball-Regionalliga
T Erfahrungsschatz und Mentalität: So geht Stanislawski das D/A-Projekt an
Als er in Nordhorn noch Trainer war, verfolgte sie die Spiele immer im Radio. Nach einer Niederlage war ihr Aufmunterungsrezept ganz leicht. „Komm, hier hast du ein Bier und jetzt gibt's Abendbrot“, erzählt sie, „dann war eigentlich immer alles wieder gut.“ Sie lacht.
Erich Jordens war öfters in der Sportsendung des Südwestfernsehens eingeladen. „Einmal wollte der Moderator mich nach der Pause vor die Kamera holen“, erzählt Karin, aber sie sei damals viel zu schüchtern gewesen. „Dann hat er einfach so erzählt: Also Frau Jordens hat mir gerade erzählt, dass…“.
Ihm bleiben viele Erinnerungen aus der Fußballzeit
Erich erinnert sich vor allem daran, dass er einst der Überraschungsgast für Weltmeister-Torschütze Andy Brehme in der Sendung Fußballstar war. Brehme begann einst in Saarbrücken seine Profikarriere, die beiden hatten ein enges Verhältnis und blieben im Kontakt.
Kurz nach dem WM-Titel 1990 gratulierte Brehme Jordens zum 50. Geburtstag. „Er erwähnte noch mal ausdrücklich, dass ich mit ihm nach dem Training immer das beidseitige Schießen geübt habe und auch das Elfmeterschießen“, erzählt Jordens.
Fußball-Kreisliga
T So haben die Trainer abgestimmt: Das ist die Elf der Saison
Anekdoten gibt es viele: In Lübeck verbrachte er mit Günter Netzer eine Nacht im Spielcasino, bei der A-Lizenz tanzte er mit Berti Vogts auf dem Tisch.
Um die Fußballlehrerlizenz aufrechtzuerhalten, ging es einmal im Jahr zum internationalen Trainerkongress „Bund Deutscher Fußball-Lehrer“. Hier lernte Jordens viele Fußballgrößen kennen. „Auf Sylt machte ich mit Helmut Schön (EM-Titel 1972 und WM-Titel 1974) Morgenspaziergänge.“ Und, und, und.
Die Bälle des Lebens werden immer kleiner
Und sie? „Ich habe beim Kinderwagenschieben am Wochenende schon öfters gedacht: Wäre auch ganz schön, wenn der Mann dabei wäre“, erzählt Karin.

Erich Jordens wurde von der „Bild“-Zeitung als „Sockentrainer“ bezeichnet. Foto: Privat
Erich Jordens spielte selbst für den VfL Stade und Komet Blankenese. Im Landkreis trainierte er vor und nach seiner Profizeit einige Teams, unter anderem den Buxtehuder SV und die TuS Güldenstern Stade. Bei Güldenstern brachte er es einmal in die „Bild“-Zeitung als „Sockentrainer“, weil seine Spieler bei einem Winterspiel dicke Socken über den Bolzern trugen und weniger rutschten als der Gegner. Noch so eine Anekdote.
1982 ging es für die Familie aus Nordhorn zurück nach Stade. 1990 war Erich Jordens Manager beim VfL Stade, als die damalige Erfolgsmannschaft in die dritte Liga aufstieg. Karin saß bei den Spielen an der Kasse.
„Der Ball hat unser Leben bestimmt“, sagt Erich Jordens, „aber mit der Zeit wurden die Bälle auch immer kleiner.“ Vom Fußball, zum Tennis, zum Golf. Und gleich noch eine Anekdote: In Saarbrücken hat er Jupp Derwall, der als Trainer 1980 den Europameistertitel holte, im Tennis besiegt.
„Das war unser gemeinsamer Sport“, sagt Karin. Sie holte in Nordhorn drei Clubmeisterschaften und spielte mit dem TC Wiepenkathen - „den haben wir mit gegründet“ - in der Verbandsliga. „Da durfte ich dann auch mal im Sport ran“, sagt sie und lacht.
Sie hat ihn von Anfang an angehimmelt
Kennengelernt haben sie sich während der gemeinsamen Ausbildung in Hamburg zum Speditionskaufmann. Sie war 15 und kam aus Neugraben, er 20 und hatte gerade seine Bundeswehrzeit hinter sich. „Ich habe ihn angehimmelt“, erzählt Karin und schiebt ein „oh Gott, oh Gott“ hinterher. Sie sei immer gern in sein Zimmer gegangen. „Ich hatte ja einen ganz anderen Horizont, als die kleine 15-Jährige“, sagt Erich Jordens leicht schelmisch, „aber dann hat es doch gefunkt.“
Geheiratet wurde im Horst-Casino, dem einstigen Club-Heim der Stader Fußballer. Dort feierten die Jordens jetzt auch ihre Diamantene Hochzeit im engsten Familienkreis. Sohn Kai und Tochter Wibke haben auch jeweils zwei Kinder. Die eine Enkelin habe gerade als Jahrgangsbeste ihr Abitur gemacht, das „darf man als stolze Oma ja erzählen“, sagt Karin.
Beim 60. Hochzeitstag hat Karin ihren Erich mit vier Liedern, unter anderem von Elvis und Leonard Cohen, überrascht. Ihre Leidenschaft Musik lebt sie voll aus. Mit der Band Nordlichter hat sie viele Auftritte in Seniorenheimen. „Wir wollen den Leuten Freude bringen“, sagt sie. „Ganz toll ist das“, sagt Erich.
Karin hat das Schlusswort: „Er ist ja ruhiger geworden, jetzt bin ich dran“, so die 81-Jährige.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.