TDer Uhu ist der Gigant unter den Eulen - und zurück im Landkreis Stade
Der Uhu ist der Gigant unter den Eulen. Im Ökosystem hat er eine wichtige Rolle. Foto: REINHARD PAULIN
Sie schnappen sich Wanderratten und Ringeltauben, aber auch Igel und Hasen. Uhus sind die Giganten unter den Eulen. Ihre Beute überraschen sie auch im Schlaf.
Landkreis. Der Gigant unter den Eulen ist wieder da: ein nachaktiver Jäger, etwa 70 Zentimeter groß, zweieinhalb Kilo Gewicht, Flügelspannweite bis 180 Zentimeter. Lange Zeit war der Uhu in Deutschland fast verschwunden. Man mochte ihn nicht, weil er als Konkurrent der Jäger galt.
Er wurde intensiv verfolgt, nur noch etwa 50 Brutpaare wurden 1930 in Deutschland gezählt. 1937 wurde das letzte Uhuweibchen in Niedersachsen geschossen. Das Männchen lebte weiter bis 1965, ohne wieder eine Partnerin gefunden zu haben. Die Situation hat sich geändert: Mehr als 2000 Revierpaare dürfte es heute in Deutschland geben, in Niedersachsen wohl über 600. Der Uhu wird heute von Jägern respektiert. Denn sie haben längst erkannt, dass ihm im Ökosystem eine wesentliche Rolle zukommt.
Mäuse sind ein beliebtes Häppchen
Uhus erbeuten und fressen fast alles, was sie bewältigen oder zum Horst tragen können. Auf der Geest lebende Uhus haben Vorlieben: Zur Lieblingsspeise gehören Mäuse, besonders Feldmäuse. Hier räumt der Uhu kräftig auf, aber für den großen Uhu sind sie nur ein kleiner Bissen. Auf Platz zwei ihrer Beutetiere rangieren Ringeltauben, Rang drei nehmen Wanderratten ein. Dann folgen Rabenkrähe und Mäusebussard.
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In manchen Jahren werden besonders viele Wildkaninchen und Igel, auch Hasen oder Graureiher geschlagen. Sogar ein Rehkitz kann er überwinden. Seine Beute kann der Uhu oft leicht schnappen, er überrascht sie ja vielfach im Schlaf. Nur so kann er zum Beispiel Tauben erbeuten, die ihm tagsüber im Flug leicht enteilen könnten.
Wendiger und schneller Jäger im Flug
Allerdings sollten Geschicklichkeit und Fluggeschwindigkeit eines Uhus nicht unterschätzt werden. Er ist sehr wendig, 50 Stundenkilometer erreicht er auf der Jagd problemlos. Seine nächtlichen Nahrungskonkurrenten sind übrigens nie vor ihm sicher: Schleiereulen oder Waldkäuze fängt er auch.
In den Landkreisen Stade und Rotenburg gab es 2025 wahrscheinlich jeweils etwa 30 Paare. Aber sehr lange Zeit war Niedersachsen von Uhus entvölkert. Zwar erholte sich der Uhubestand im Süden Niedersachsens schnell, doch im Jahr 2000 brüteten noch immer keine Uhus im Landkreis Stade.
Plötzlich sind die Uhus zurück
Aber plötzlich war das tiefe „Buhu“ auch hier zu hören. Woher aber kamen die Uhus? Sehr wahrscheinlich waren es Uhus aus Schleswig-Holstein, die den Elbstrom in unsere Richtung überquert hatten. Dort gab es schon etwa 100 Brutpaare. Der Bestand wurde durch Zuchten langsam aufgebaut. Der Schwerpunkt von Uhubruten lag in Ostholstein und im Landkreis Steinburg. Von dort aus hatte ein Uhu bis nach Buxtehude nur 130 Kilometer Luftlinie zurückzulegen.
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Die Geest-Uhus mögen in der Regel bewaldete Bereiche, von denen aus sie Felder und Hecken nach Nahrung absuchen. Doch die Favoriten unter ihren Nistplätzen sind steile Hänge mit Felsnischen. Hier sind sie ungestört. Das finden sie hier im Norden nicht. Also probierte es 2024 ein Uhupaar mit dem Brüten auf dem Kirchturm in Göttingen. Es hatte Erfolg, drei Junguhus wurden von ihnen aufgezogen.
Nestbau auf städtischen Kirchtürmen
Nicht auszuschließen, dass Uhus es auch auf dem Kirchturm von Stade oder Buxtehude versuchen könnten. Ein Mauervorsprung als Unterlage genügt, denn ein Nest bauen sie nicht. Den Stadttauben könnte das nicht gefallen - aber die Uhus hätten hier genug zu fressen.
Buch und Serie
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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