TDeutschlands größtes Altholzkraftwerk in Stade: Genehmigung beantragt
Auf diesem Gelände im Industriepark Bützfleth, wo vor einigen Jahren eine Müllverbrennungsanlage entstehen sollte, plant die Firma Hansekraft nun ein Holzkraftwerk. Foto: Richter
Hansekraft hat den Genehmigungsantrag für ein Holzkraftwerk in Stade eingereicht. Es dürfte ein anspruchsvolles Verfahren werden: Gegner des Vorhabens sind in den Startlöchern.
Stade. Schon vor rund zwei Jahren hatte die Firma Hansekraft ihre Pläne bekannt gemacht, in Stade das größte Altholzkraftwerk Deutschlands zu errichten. Jetzt hat sie die Antragsunterlagen beim Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg eingereicht. Ab 2031 soll der Regelbetrieb starten. Jedes Jahr will Hansekraft 500.000 Tonnen Altholz verheizen, um Dampf für die benachbarte Industrie, Wärme und Strom zu erzeugen.
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„Das trägt dazu bei, die Resilienz des Standorts und der dort ansässigen Industrie in Zeiten steigender Energie- und Rohstoffpreise zu stärken, die Nutzung fossiler Energieträger zu reduzieren und ihn zukunftsfähig auszurichten“, teilt die Firma mit. Anwohner in der Nachbarschaft sehen das Projekt allerdings kritisch. Unter anderem befürchten sie durch das Holzkraftwerk zusätzlichen Lärm.
Umfangreiche Schallgutachten
Das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg wird prüfen, ob das Kraftwerk dem Bundesimmissionsschutzgesetz entspricht. „Zur Vorbereitung wurden umfassende Schallgutachten erstellt“, erklärt Hansekraft auf Nachfrage. Das Ergebnis sei eindeutig: „Die durch unsere Anlage verursachten Lärmimmissionen, sowohl im Anlagenbetrieb als auch durch den betrieblichen Verkehr, liegen deutlich unterhalb der geltenden Immissionsrichtwerte, und die Anlage wird in der Nachbarschaft nicht hörbar sein.“
Durch Anlagenplanung, lärmarme Technik und bauliche Schallschutzmaßnahmen wolle Hansekraft sicherstellen, dass die Anlage unterhalb dieser Irrelevanzgrenze bleibt. Die Ergebnisse der Gutachten werden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens öffentlich zugänglich gemacht.
Wie Hansekraft bestätigt, unterliegt die Anlage der Störfall-Verordnung und ist als Betrieb der oberen Klasse eingestuft. „Wir sind gesetzlich verpflichtet, einen umfassenden Sicherheitsbericht zu erstellen – dieser liegt vor und ist Bestandteil der Genehmigungsunterlagen“, teilt die Firma mit. Ein angemessener Abstand zu schutzbedürftigen Nutzungen in der Nachbarschaft sei einzuhalten. Auch ein Brandschutzkonzept habe Hansekraft in Auftrag gegeben.
CO2-Kreislaufwirtschaft oder Greenwashing?
Hansekraft-Geschäftsführer Stefan Schmidt und der Technische Geschäftsführer Jörg Dobbrunz betonen, dass es sich um ein hochmodernes und zukunftssicheres Energieprojekt handele. „Es steht für die Verbindung von erneuerbarer Energie, industrieller Wertschöpfung und einer zukunftsorientierten Kohlenstoffkreislaufwirtschaft“, sagt Dobbrunz.
Die Umweltorganisation Robin Wood kritisiert Hansekraft für „Greenwashing“ - die Pflege eines umweltfreundlichen Images ohne substanzielle Taten. Altholz, so Robin Wood, sollte in erster Linie stofflich genutzt und nach dem Kaskadenprinzip recycelt werden. Dass in Bützfleth auch stofflich verwertbares Altholz der Klassen A1 und A2 verbrannt werden soll, sei mit einer klimatechnisch und wirtschaftlich vertretbaren Verwendung nicht vereinbar.
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Hansekraft nimmt Stellung: Mit Hilfe KI-gestützter Sortiertechnik soll weitgehend unbehandeltes Altholz der Kategorie A1 mit hohem technischem Aufwand aus dem Materialstrom aussortiert und stofflich weiter verwendet werden – „obwohl wir dazu gesetzlich nicht verpflichtet sind“. Voraussetzung sei allerdings, dass auch eine Nachfrage für dieses A1-Material besteht.
Verleimtes, lackiertes oder beschichtetes Altholz der Kategorie A2 sei aufgrund seiner Behandlung meist nicht mehr für eine hochwertige stoffliche Verwertung geeignet. Dabei würden unerwünschte Schadstoffanreicherungen in Recyclingprodukten wie Wohnmöbeln entstehen. Die thermische Verwertung sei laut Hansekraft daher die ökologisch sinnvollste Alternative zur Deponierung.
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