Naturschutz

TDie Rebhuhn-Retter: Bündnis für bedrohte Arten auf der Stader Geest

Bürgermeister, Jäger und Naturschützer an einem Tisch (von links): Ute Kück, Sandra Lemmermann, Axel Schuldt, Julia Seefried, Christian Falk, Jens Hariefeld, Dr. Uwe Andreas und Matthias Hartlef.

Bürgermeister, Jäger und Naturschützer an einem Tisch (von links): Ute Kück, Sandra Lemmermann, Axel Schuldt, Julia Seefried, Christian Falk, Jens Hariefeld, Dr. Uwe Andreas und Matthias Hartlef. Foto: Laudien

Hecken statt hohe Bäume, Blühstreifen an Feldrändern - diese und weitere Maßnahmen auf der Stader Geest wurden jetzt besiegelt. Was geplant ist.

Von Susanne Laudien 11.07.2026, 13:50 Uhr

Kutenholz. Der Ort für die Unterzeichnung einer Naturschutzabsichtserklärung hätte nicht passender sein können. Mitten im Grünen, auf einem Weg am Feldrand in Kutenholz, trafen sich Vertreter von Gemeinden, Jägerschaft und Naturschutz, um ihre zukünftige Unterstützung im Rahmen des Rebhuhnschutz-Projektes auf der Stader Geest schriftlich festzuhalten.

Idee stößt auf großen Anklang

Zu den Initiatoren und den Unterzeichnern gehören Dr. Uwe Andreas, Leiter der Naturschutzbehörde des Landkreises Stade, Jäger Christian Falk aus Apensen, die Samtgemeindebürgermeister Matthias Hartlef aus Fredenbeck und Ute Kück aus Harsefeld, die Kutenholzer Bürgermeisterin Sandra Lemmermann sowie vom Vorstand der Jägerschaft des Landkreises Stade der Vorsitzende Jens Hariefeld, Stellvertreterin Julia Seefried und Kreisjägermeister Axel Schuldt.

Allen Beteiligten liegt der Naturschutz besonders am Herzen - und somit das Rebhuhnschutz-Projekt auf der Stader Geest. Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück hatte die Idee zu einer Naturschutzabsichtserklärung, die bei Jägerschaft, Naturschutzamt und den Gemeinden auf der Geest großen Anklang fand.

Unterzeichnung der Absichtserklärung für die Erhaltung der Artenvielfalt auf der Stader Geest.

Unterzeichnung der Absichtserklärung für die Erhaltung der Artenvielfalt auf der Stader Geest. Foto: Laudien

„Wir mussten nicht groß überzeugt werden. Es ist etwas Gutes“, bestätigte Matthias Hartlef. Die Naturschutzabsichtserklärung, ein sperriges Wort, hat ein positives Ziel: Die gemeinsame Zusammenarbeit von Naturschützern, Jägern und Kommunen.

Die Bürgermeister manifestieren mit ihrer Unterschrift die Unterstützung der Geest-Gemeinden über die eigene Amtszeit hinaus: Ute Kück, Matthias Hartlef und Petra Beckmann-Frelock für Apensen werden für ihr Amt nicht mehr zur Verfügung stehen, hingegen hofft Sandra Lemmermann in Kutenholz auf eine Wiederwahl.

Von Schutzmaßnahmen für das Rebhuhn profitieren weitere gefährdete Arten

„Das Rebhuhn steht als Leitart für den Naturschutz in der Agrarlandschaft. Von Schutzmaßnahmen für das Rebhuhn profitieren automatisch viele weitere gefährdete Arten der Feldflur wie Insekten und Feldlerchen“, erklärte Dr. Andreas, der zusammen mit Jens Hariefeld die Kerninhalte der Absichtserklärung erarbeitete.

„Die Zeiten, um die Natur sich selbst zu überlassen, sind vorbei. Ein Management ist jetzt wichtig“, betonte Dr. Andreas. „Es ist ein Leuchtturmprojekt“, sagte Kreisjägermeister Axel Schuldt. Wichtig sei jetzt aber die Aufklärung der Bevölkerung.

Einsatz von schonenden Balkenmähwerken

Drei zentrale Handlungsfelder beinhaltet die Absichtserklärung. Dazu gehören effektive Kompensationsmaßnahmen: Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur werden künftig noch konsequenter umgesetzt. Ein weiterer Punkt betrifft den Schutz für Bodenbrüter und Insekten: Durch angepasste Mähzeiten in der Landwirtschaft, etwa Verzicht bis zum 15. August, und den verbindlichen Einsatz schonender Doppelmesserbalkenmähwerke sowie das Stehenlassen von Überwinterungsflächen werden Lebensräume für Rebhuhn, Feldlerche und Wildbienen aktiv geschützt.

Außerdem ist eine nachhaltige Landschaftspflege entscheidend: Der gezielte Einsatz von heimischem Saatgut auf Blühstreifen und an Wegesrändern sowie ein schonender Schnitt von Hecken sichern wichtige Nahrungsquellen und bieten Schutz vor Bodenerosion.

Schützende Hecken statt hohe Bäume in der Feldflur

Ein weiteres Kriterium ist das Prädations-Management. Die Nestprädation, also der Verlust von Vogeleiern oder Jungvögeln durch tierische Fresser, ist eine der häufigsten natürlichen Todesursachen für den Vogelnachwuchs. Dazu ist es notwendig, das Raubwild auf ein erträgliches Niveau zu halten, betonte Jens Hariefeld. Aufzeichnungen zeigen, dass der Rebhuhnbestand trotz Habitatverbesserungen ohne Prädationskontrolle schrumpfe.

Das Rebhuhn ist vom Aussterben bedroht - es steht als Leitart für den Naturschutz in der Agrarlandschaft.

Das Rebhuhn ist vom Aussterben bedroht - es steht als Leitart für den Naturschutz in der Agrarlandschaft. Foto: Nabu / Hermann-Hirsch

Zur Habitatverbesserung sind viele Baumarten in der Feldflur tabu, da sie Greifvögeln als Aussichtspunkt dienen, erläuterte Dr. Andreas. Vorteilhaft seien niedrige Hecken, die Deckung vor Fressfeinden bieten, kombiniert mit breiten Krautsäumen.

Der Beitrag der Kommunen ist hierbei enorm wichtig, damit die Feldwege entsprechend aussehen, waren sich alle Unterzeichner einig. Für die Umsetzung von Maßnahmen konnten bereits mehrere Sponsoren gewonnen werden wie etwa das Unternehmen Dow sowie die Bingo-Umweltstiftung und die Alles-Gute-Stiftung der Kreissparkasse. Weitere Fördermöglichkeiten sind über die Kreisjägerschaft möglich, um die vom Aussterben bedrohten Arten für die Zukunft zu erhalten.

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