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Fußball-Regionalliga

TDie Sägespäne wirbeln: D/A-Verteidiger verfolgt eigene OP am Bildschirm

D/A-Innenverteidiger Tjorve Mohr hat sein Bein in einem Gerät eingespannt, das die Streckung und die Beugung des Kniegelenks unterstützt.

D/A-Innenverteidiger Tjorve Mohr hat sein Bein in einem Gerät eingespannt, das die Streckung und die Beugung des Kniegelenks unterstützt. Foto: Privat

D/A-Defensivkraft Tjorve Mohr übersteht die Knie-OP und startet die Reha am Tag danach. Mitleid gönnt er sich nur kurz. So geht er mit der schweren Verletzung um.

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Von Daniel Berlin
07.08.2026, 06:00 Uhr

Drochtersen. D/A-Innenverteidiger Tjorve Mohr verbringt derzeit viel Zeit auf dem Sofa. Das rechte Bein spannt der 29-Jährige in ein sogenanntes CPM-Gerät. CPM steht für Continuous Passive Motion. Zu Deutsch: kontinuierliche passive Bewegungstherapie. Das Teil kontrolliert die Beugung und die Streckung seines lädierten Knies. „Jeden Tag ein paar Grad mehr“, sagt Mohr.

Tjorve Mohr hatte sich am 21. Juli beim Training in Drochtersen das Kreuzband des rechten Knies gerissen. Die Saison ist für den Co-Kapitän und Leistungsträger des Fußball-Regionalligisten vorbei, bevor sie angefangen hat. Das TAGEBLATT begleitet den Defensivspezialisten bei seinem Weg zurück auf den Fußballplatz in den nächsten Monaten. Mohr gewährt dabei auch interessante Einblicke in sein Leben abseits des Fußballs.

Bei 90 Prozent reißt vorderes Kreuzband

Der 29-Jährige erinnert sich gut an den Tag, an dem er sich eine der wohl schwersten Sportverletzungen zuzog. Mohr ist deutschlandweit einer von etwa 80.000 Sportlern im Jahr, bei denen das Kreuzband reißt. Fußballer sind am häufigsten betroffen, gefolgt von Handballern und Skifahrern. Studien zufolge dauert die Genesung im Schnitt neun Monate. Bei 90 Prozent der betroffenen Sportler reißt das vordere Kreuzband. So auch bei Mohr. Bei 10 Prozent ist das hintere Kreuzband betroffen.

Direkt nach der Operation: Tjorve Mohr ist guter Dinge, dass er bald wieder auf dem Platz steht.

Direkt nach der Operation: Tjorve Mohr ist guter Dinge, dass er bald wieder auf dem Platz steht. Foto: Privat

Mohr bestritt im Kehdinger Stadion einen Zweikampf mit Matti Steinmann. Er wollte einen Pass blocken, machte einen langen Schritt, blieb mit der Fußspitze im Rasen hängen und drückte das Knie durch. „Ich hatte gleich stechende Schmerzen“, erzählt Mohr.

D/A-Innenverteidiger Tjorve Mohr ist bei fast jedem Standard Zielspieler. Drochtersen vermisst seine Kopfballstärke.

D/A-Innenverteidiger Tjorve Mohr ist bei fast jedem Standard Zielspieler. Drochtersen vermisst seine Kopfballstärke. Foto: Berlin

Tjorve Mohr hielt die Hand vor sein Gesicht. Die Mannschaftskollegen schauten erschrocken. Mohr lag 10, 15 Minuten auf dem Rasen. Einer holte Krücken. Physiotherapeut Florian Martens wendete den sogenannten Schubladentest an. Das sah nicht gut aus. D/A-Betreuer Jonas Rambow fuhr mit dem Auto auf den Trainingsplatz hinter dem alten Vereinsheim, lud Mohr ein und fuhr ihn zur Umkleidekabine.

Im Nieselregen auf Krücken durch Hamburg

Erst am nächsten Tag wurde Tjorve Mohr das ganze Ausmaß der Verletzung bewusst. Beim Ärztemarathon kam er in der engen Röhre des MRT-Geräts kurz zur Ruhe. Er bekam einen OP-Termin für den 30. Juli, eine Orthese, Rezepte, Mittel gegen die Schmerzen. Mannschaftskollege Maximilian Geißen besorgte ihm Reha-Termine bei den Spezialisten im Athleticum am Volkspark. Auf Krücken humpelte Mohr durch den Hamburger Nieselregen und setzte sich in ein Café. Am Abend sei er völlig fertig gewesen, obwohl er sich um nichts kümmern musste.

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„Die Erkenntnis kam schnell. Die Auswirkungen kommen mit der Zeit“, sagt Mohr mit ein bisschen Abstand. Wahrscheinlich werde es beim Zuschauen wehtun. Oder dann, wenn er darüber nachdenkt, wie gut er in Form war oder wie hoch die Saisonziele der SV D/A gesteckt waren.

So einen wie ihn kann der Verein kaum ersetzen. Schon gar nicht auf die Schnelle. Ende August schließt die Transferperiode. Spieler, die die nötige Qualität haben, pokern, weil sie auch noch mit einem Vertrag bei einem Drittligisten liebäugeln. Bislang wurde D/A noch nicht fündig.

„Klar bin ich traurig“, sagt Mohr. Aber Mitleid gönnte er sich nur wenige Tage. Er setzt sich längst wieder Ziele in der Reha und im Berufsleben. Mohr ist Lehrer. Außerdem habe er ein wenig mehr Zeit für Familie und Freunde. Er akzeptiere die Verletzung und denkt rational. Das fängt bei der OP schon an.

Wie in einer Werkstatt: Mohr verfolgt die OP

Er wollte aktiv dabei sein. Alles miterleben. Er ließ sich nicht in Vollnarkose versetzen, sondern seine untere Körperhälfte mittels einer Spinalanästhesie betäuben. Die Beine kribbelten wenige Minuten nach der Spritze, dann waren sie wie gelähmt. Mohr hörte das Sägen und das Bohren. Er fand das zwar befremdlich. Dennoch entstand durch das Livebild, das er am Bildschirm verfolgte, eine gewisse Distanz. Selbst als die Sägespäne wirbelten.

Der Arzt erklärte ihm haargenau, wie er als Ersatzteil für das ausgefranste Kreuzband eine Quadrizepssehne aus dem Oberschenkel holte, sie mit zwei Ankern im Knie befestigte und auf Spannung brachte. Nach gut einem halben Jahr wird dieses Ersatzteil mit dem Gewebe verwachsen sein. In der Nacht nach der OP fand Mohr vor Schmerzen keinen Schlaf.

Die Reha begann einen Tag nach der OP. Täglich mindestens eine Stunde. Leichte Bewegungen, Strom, Trainieren der Muskulatur. Tjorve Mohr hat heute schon einen groben Plan, wann er wieder gehen darf, wann er radfahren, wann er ins Krafttraining einsteigen kann.

D/A-Spiel in Oldenburg am Livestream

Tjorve Mohr schaute sich das Pokalspiel gegen Delmenhorst live im Stadion an. Das war kurz vor dem Eingriff. Am Tag nach der OP verzichtete er daheim auf dem Sofa darauf, den Ligaauftakt gegen Phönix Lübeck im Livestream zu verfolgen. Nicht nur wegen der körperlichen Schmerzen. Es war auch Kopfsache. Die Tore von Christopher Schepp zum 2:1-Sieg sah er später bei Instagram.

Pünktlich zum Auswärtsspiel am Freitag (7. August, 18.30 Uhr) beim VfB Oldenburg wird Mohr den Laptop wohl aufschlagen.

Ihr Lächeln haben sie trotz der heftigen Verletzungen nicht verloren: Tjorve Mohr (links) und Liam Giwah.

Ihr Lächeln haben sie trotz der heftigen Verletzungen nicht verloren: Tjorve Mohr (links) und Liam Giwah. Foto: Jörg Struwe

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