TDiese Entscheidung soll den Geschäftsstandort Altkloster stärken
Die Altklosteraner Geschäftsinhaber Jan Jordan von Juwelier Luttmer und Marc Swierzy von der Bike Station mit ihrer Landenvermieterin Anke Habedank. Foto: Weselmann
Neues aus Altkloster: Die Geschäftswelt an der Hauptstraße hat sich deutlich gewandelt. Wie es um den Standort im Buxtehuder Süden steht und welcher Umzug helfen soll.
Buxtehude. In Altkloster hat sich einiges verändert. Jetzt gibt es eine entscheidende Neuerung. Mit der will die Stadt einen gravierenden Verlust auffangen.
Altkloster Fahrradhändler hat die Fläche verkleinert
Marc Swierzy blickt nicht ohne Sorge auf den Geschäftsstandort Altkloster. Seit 2020 hat der 48-Jährige den Fahrradladen in der Hauptstraße. 2022 erweiterte er um die Ladenfläche nebenan. „Die Größe brauchen wir jetzt definitiv nicht mehr“, bedauert Swierzy.
Aus seiner Sicht fehlt der Lauf in der Straße. Das sei früher noch anders gewesen. „Beim Nahversorger an der Stader Straße tummelt sich das Leben, aber hier ist nichts mehr los“, sagt er. „Gefühlt hört Buxtehude südlich der Bahnschienen auf.“
In Altkloster gibt es viele spezialisierte Fachgeschäfte
Seine Vermieterin Anke Habedank ist in Altkloster großgeworden. Die frischgebackene Rentnerin hat lange im Handel gearbeitet und die großen Veränderungen der letzten Jahrzehnte miterlebt. Wo der Fahrradhändler heute seine Bike Station hat, betrieben ihre Eltern Inge und Bruno Haverkamp bis 1986 ein Möbelgeschäft. Da gab es noch Bahnschranken statt Ellerbruchtunnel und in der Hauptstraße vielfältige Läden des täglichen Bedarfs wie Schlachter, Bäcker und Fischgeschäft, genauso wie einen Supermarkt.

Früher sah die Geschäftswelt in der Hauptstraße noch anders aus: Von 1975 bis 1986 war hier beispielsweise das Einrichtungshaus Haverkamp ansässig. Foto: Haverkamp
Im Laufe der Zeit hat die Geschäftswelt im Herzen von Altkloster einen starken Wandel durchgemacht. Ebenso wie sich die bis 1931 selbstständige Gemeinde mehr und mehr zum Wohnquartier entwickelt. Inzwischen ist die Hauptstraße geprägt von spezialisierten Fachgeschäften. Das Angebot reicht von Brautmoden bis zu Hi-Fi- und Tontechnik. Kiosk, Friseur und Kosmetikstudio, verschiedene Imbisse sowie Versicherungsbüro und Immobilienmakler ergänzen das Unternehmensspektrum.
Für Juwelier Luttmer war der Umzug goldrichtig
Vor eineinhalb Jahren ist Hanse Juwelier Luttmer in die Räume neben der Bike Station gezogen. Für den Geschäftsinhaber Jan Jordan war das Ladengeschäft in der Hauptstraße „ein goldener Griff“, wie er sagt. Der Standortwechsel von der Buxtehuder Altstadt nach Altkloster sei die richtige Entscheidung gewesen.
Die Toplage an der Langen Straße aufzugeben, hatte einen pragmatischen Grund: Mitarbeitermangel. „Wie in vielen Branchen sind gute Mitarbeiter rar. Das kann man bei so einer großen Fläche auf Dauer selbst nicht auffangen“, sagt Jordan. Deshalb wollte er sich räumlich verkleinern.
Der Unternehmer schätzt den familiären Charakter
In der Altstadt gab es keine passenden Räume. Dafür wurde der 43-Jährige in Altkloster fündig. Hier hat das alteingesessene Buxtehuder Juweliergeschäft nun auf 60 Quadratmetern ein neues Zuhause.
Ein Frequenzbringer wie Stackmann, der viel Laufkundschaft generiert, fehlt an dieser Stelle. Dafür hat die Lage einen anderen Vorzug: Die Kunden können direkt vor der Tür kostenfrei parken. Von Vorteil für die Erreichbarkeit sei dazu die Nähe zur Stader Straße als Haupteinfallstor aus dem Süden.
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Der Juwelier hat viele treue Stammkunden, die ihn gezielt ansteuern. „Geschätzt die Hälfte der alten Kundschaft kommt ohnehin aus Altkloster“, sagt Jordan. Daneben hat sein auf Verlobungs- und Trauringe ausgerichtetes Geschäft einen großen Einzugskreis. Zufriedene Paare bringen immer wieder neue Kunden. „Da läuft viel über Weiterempfehlung“, betont Jordan.
Der Schmuckhändler fühlt sich wohl im Stadtteil. Er schätzt den familiären Charakter: „Der Zusammenhalt hier ist anders. Das ist ein ganz großes Plus für Altkloster.“
Die Bankfiliale war ein wichtiger Frequenzbringer
Mit der Winterbeleuchtung und den Aktivitäten des Bürgervereins werde bereits einiges getan für den Standort. Zudem könnte er sich vorstellen, mit den ansässigen Geschäftsleuten eine gemeinsame Aktion oder ein Fest anzustoßen, einfach um das Angebot in Altkloster stärker ins Bewusstsein zu bringen. Das Anliegen teilt er mit Swierzy. Der hofft, dass der Stadtteil auch mehr eingebunden wird in die Aktivitäten der Stadt.
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Die Schließung des Beratungscenters der Sparkasse Harburg-Buxtehude zugunsten einer Selbstbedienungseinheit konnten Marc Swierzy und Jan Jordan deutlich spüren. Die Sparkassenfiliale war ein wichtiger Frequenzbringer. Der Umbruch rief auch die Stadt auf den Plan.
Neuer Treffpunkt bringt Leben in die Hauptstraße
Um gegenzusteuern, fiel die Entscheidung für den Umzug der Begegnungsstätte in die ehemaligen Bankräume. Die Institution ist nicht einfach nur Lückenfüller. Mit rund 50 dort aktiven Vereinen und Gruppen soll der Treffpunkt die Hauptstraße weiter beleben und so den Standort stärken.

Lebendiger Treffpunkt: Die neuen Räume der Begegnungsstätte Altkloster werden von vielen Menschen genutzt, so wie hier von der Spielegruppe. Foto: Weselmann
Juliana Weiß (Fachgruppenleiterin für Soziales, Wohnen und Senioren) freut sich über neue Möglichkeiten: „Die bisher genutzte Hoheluft hatte ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, aber wir wollten unbedingt in Altkloster bleiben. Die jetzige Begegnungsstätte wertet den Stadtteil deutlich auf und wir konnten bereits einen Zuwachs an Personen verzeichnen, die hier weitere Angebote und Initiativen starten möchten.“
Konzept verhindert das Ausbluten der Zentren
Vom geschäftlichen Besatz ist Altkloster vergleichsweise gut aufgestellt. „Da hatten wir schon ganz andere Leerstände“, weiß Wirtschaftsförderin Kerstin Maack. Die Situation des Wandels und die damit verbundenen Herausforderungen will sie aber keinesfalls verkennen. „Das Herzstück von Altkloster ist ein Spiegel des großen Ganzen.“
Das Einzelhandelskonzept für Buxtehude sei ein wichtiger Schritt gewesen, um das Ausbluten der einzelnen Zentren zu verhindern und eine nahe Versorgung sicherzustellen. Die Weiterentwicklung der Standorte sei eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Stadtplanung gefordert sind. „Da gibt es natürlich immer Luft nach oben“, so Maack.
Die Hauptstraße sei „keine Schlendermeile“. Aber mit der vielfältigen Geschäftsstruktur und als Tor zu den Wanderwegen ins Grüne hat Altkloster aus Maacks Sicht Potenzial, wie „eine Perle, die nur etwas poliert werden muss“. Durch den Marketingbeirat, in dem auch der Bürgerverein mitwirkt, ist das Quartier weiter in den Fokus der Stadtentwicklung gerückt.
Bahnhofsumfeld ist ein wichtiges Zukunftsprojekt
„Wir wollen uns das noch enger anschauen und analysieren“, so die Wirtschaftsförderin, die begeistert vom ehrenamtlichen Engagement und den vielfältigen Netzwerken in Buxtehude ist. Für die Zukunft drängen einige Fragen. Wo gibt es Bedarfslücken oder Kaufkraftabwanderung in den Sortimenten? Wodurch lässt sich die Aufenthaltsqualität verbessern? Wie kann der Schafmarktplatz mit dem für Altkloster so wichtigen Wochenmarkt umgestaltet werden?
Zu den stadtplanerischen Zukunftsprojekten gehört nicht zuletzt die Attraktivierung des Bahnhofsumfelds. Die kann der empfundenen Trennlinie durch die Gleise weiter entgegenwirken und Impuls für Altkloster sein.
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Hauptstraße statt Hoheluft: In der ehemaligen Filiale der Sparkasse Harburg-Buxtehude sorgt jetzt die Begegnungsstätte Altkloster für Leben im Quartier. Foto: Weselmann