TDiskussion an der IGS: So politisch sind Stader Schüler
Philipp (links) und Shawn beteiligen sich an der Dikussion rund um die Frage, ob die Politik sich genug um junge Menschen wie sie kümmert. Foto: Meyer
Wie politisch sind Stader Jugendliche? Wo informieren sie sich über Parteien? Fühlen sie sich von Politikern wertgeschätzt? Diese Fragen diskutiert die 10c der IGS Stade.
Stade. In der 10c der IGS zeigt sich ein klares Bild: Für besonders politisch halten sich nur wenige Schüler in der Klasse. Trotzdem tauschen sich die Jugendlichen regelmäßig außerhalb des Unterrichts über politische Themen aus. Shawn erklärt, weshalb sich viele trotzdem nicht als politisch einschätzen: „Vielleicht hat man schon eine Meinung zu einem Thema, zum Beispiel durch den Freundeskreis, aber man beschäftigt sich nicht unbedingt näher damit.”
Politiker stammen aus einer anderen Generation
Die Zehntklässler sind teilweise frustriert von Politikern, die über ihre Köpfe hinweg entscheiden. Von der Politik wertgeschätzt und beachtet fühlt sich fast niemand aus der Klasse. „Das liegt daran, dass eine andere Generation im Bundestag sitzt und dadurch andere Interessen hat als wir”, sagt Luca.
Arvid schließt sich Luca an und nennt als Beispiel die Rentenpolitik der aktuellen Regierung: „Wenn sich da in den nächsten Jahren was verändert, trifft das uns mehr als die Personen, die momentan im Bundestag sitzen.” Shawn findet außerdem, dass manche Entscheidungen im Bundestag über den Wählerwillen hinweg getroffen werden.
Schüler wollen informierte Wahlentscheidung treffen
Die Zehntklässler finden es wichtig, eine informierte Wahlentscheidung zu treffen. „Bevor man wählt, sollte man sich wirklich mit dem Thema auseinandersetzen und nicht einfach sagen: Hab ich auf TikTok gesehen”, sagt Sina. Sie meint, man sollte sich vor einer Wahl auf jeden Fall mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinandersetzen. „Sonst bringt einem das Wählen nichts.”
T Erstwählerforum zur Kommunalwahl in Stade: Kritik an AfD-Teilnahme
Informationen über Politik bekommen einige im Freundes- und Bekanntenkreis. Die Eltern spielen bei der politischen Bildung der Jugendlichen ebenfalls eine Rolle: Mauro spricht oft mit seinem Vater über aktuelle Themen. Wenn Mauro Fragen oder Unsicherheiten zu bestimmten Themen hat, informiert er sich im Internet eingehender darüber, zum Beispiel über die Websites von Parteien. Gleichzeitig werden ihm auf Social Media viele politische Inhalte ausgespielt.
Hinterfragen ist den Zehntklässlern wichtig
Bei Social-Media-Plattformen sind die Schüler sich einig: Die Videos und Meinungen, die einem auf TikTok oder Instagram angezeigt werden, sollte man noch mal überprüfen. „Hinterfragen ist ganz wichtig, vor allem zu Zeiten von Social Media, wo uns das ausgestrahlt wird, was wir sehen wollen”, sagt Shawn.
Wenn er Videos sieht, die seine eigene Meinung widerspiegeln, rede er darüber mit seinen Eltern oder recherchiere noch mal bei vertrauenswürdigen Mediensendern. Das sieht Philipp genauso: „Man darf nicht blind vertrauen, sondern muss hinterfragen.”
Social Media zeigt nur extreme Meinungen
Die Jugendlichen erzählen, dass es nur bestimmte politische Positionen in ihre Social-Media-Feeds schaffen. „Da gibt es zwei große Seiten, die sich da immer gegeneinander ausspielen und wo man Hetze mitkriegt: die linke und die rechte Seite”, sagt Shawn.
T Pro und kontra Surfpark: Kontroverse Diskussion in Stade
Kamel merkt an, dass er viele Videos zum Thema Migration sieht, ein Thema, bei dem sich linke und rechte Politiker, wie in vielen Dingen, nicht einig seien. Arvid bekommt auf Social Media vor allem satirische Videos ausgespielt: „Die Satire geht gegen alle Seiten gleichermaßen.”
Jugendthemen selten in den klassischen Medien
Trotz der Kritik, die die Jugendlichen an Social Media äußern, finden sie, dass Jugendthemen dort mehr im Vordergrund stehen als in anderen Medienformaten. Luca hört jeden Morgen Radio. Themen, die Jugendliche interessieren würden, kämen da gar nicht zur Sprache. Auf Social Media ist das anders. „Da sind Jugendthemen, wie die LGBTQ+-Community, schon gut vertreten”, sagt Mauro. Wenn er Videos auf Social Media schaut, achtet er darauf, dass sie von vertrauenswürdigen Kanälen wie der ARD sind.

Haben ihre Meinungen von der internationalen bis zur Kommunalpolitik gesagt: die 10c der IGS Stade und ihre Politiklehrerin Myra Pape (rechts). Foto: Meyer
Social Media, Freunde und Familie sind für die Zehntklässler die wichtigsten Informationsquellen, im Gegensatz zur Tageszeitung. Aber: „Wenn über einzelne Themen aus dem TAGEBLATT berichtet wird auf TikTok, würde ich mir das angucken”, sagt Mauro.
Ihre Fragen und Anliegen zur Kommunalwahl
Die TAGEBLATT-Redaktion sammelt Fragen und Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern zur Kommunalwahl, um daraus eine Agenda für die Berichterstattung zu entwickeln. Anregungen dazu nimmt das TAGEBLATT unter kommunalwahl@tageblatt.de per Mail entgegen.
TAGEBLATT-Serie: So tickt die Jugend
Wie politisch sind junge Menschen im Landkreis Stade? Wie heimatverbunden sind sie - wollen sie bleiben oder zieht es sie weg? Was müssen Vereine tun, um sie zu begeistern? Wie und wo verbringen sie ihre Freizeit? Wie feiern junge Menschen in der Region? Auf Fragen wie diese gibt es in den nächsten Wochen und Monaten Antworten in der TAGEBLATT-Serie „So tickt die Jugend“.
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