TDow baut Arbeitsplätze in Stade ab: „Hier bangt jetzt jeder um seinen Job“
Der Chemie-Park Stade in der Nacht: Die Lichter gehen nicht aus, aber Stellen werden bei der Dow abgebaut. Foto: Martin Elsen
Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile: Dow baut in Stade 110 Arbeitsplätze ab. Wie die Reaktionen ausfallen und warum in der schlechten Nachricht auch eine gute steckt.
Das sagt der Experte: Kein Stade-Problem
Stefan Engel ist der Koordinator für die zukünftige Entwicklung des Chemie-Parks in Stade. Der ehemalige Dow-Manager kennt sich auf Bützflethersand und in der Chemiebranche bestens aus. Der Abbau der Jobs sei kein Stade-spezifisches Problem, sondern Dow baut weltweit 13 Prozent seiner Belegschaft ab, in Stade sind es 10 Prozent. Engel sieht trotz der schlechten Nachricht einen positiven Aspekt: „Das ist bitter, aber kein Beinbruch.“

Stephan Engel, Projektkoordinator des Industriestandorts Stade. Foto: Richter
Der Standort Stade bleibt Teil des globalen Dow-Programms. Michigan als Dow-Zentrale setzt weiter auf die Produktion an der Unterelbe. Es werde weiter in den Standort und die hohen Sicherheitsanforderungen investiert. „Das ist unsere DNA“, sagt Engel.
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Der Experte sieht deutschlandweit Probleme für die industrielle Produktion: zu hohe Umweltanforderungen, zu hohe Energiepreise, neue Immissionsrichtlinien, die „uns das Genick brechen“. Engel: „Wir brauchen ein Umdenken, mehr Ausgewogenheit zwischen Umweltschutz und den Bedürfnissen der Industrie.“
Das sagt der Betriebsrat: Nachricht „ein Schock“
Christian Deppe ist seit gut zwei Jahren Vorsitzender des 15-köpfigen Betriebsrats der Dow. „Seitdem rutschen wir von einer Verlegenheit in die andere“, sagte er. Das sei kein schöner Zustand
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Bereits 2025 seien 40 Arbeitsplätze bei der Dow abgebaut worden; wo jetzt weitere 110 Jobs eingespart werden sollen, ohne die Produktion zu gefährden, dazu fehle ihm noch die Fantasie. Er hatte mit weniger wegfallenden Stellen gerechnet.

Christian Deppe, Betriebsratsvorsitzender der Dow in Stade. Foto: Privat
Deppe befürchtet, dass über die Altersregelung nur noch wenige Kolleginnen oder Kolleginnen abgefunden werden können. „Es wird auch deutlich jüngere treffen.“ Die Nachricht am Mittwoch „war schon ein kleiner Schock“. Mittwoch werde es mit der Geschäftsführung erste konkrete Gespräche über Interessensausgleich und Sozialplan geben. Deppe: „Hier bangt jetzt jeder um seinen Job.“
Das sagt die IHK: Industrie steht unter Druck
„Die Nachricht macht uns sehr betroffen. Hinter jeder Stelle stehen Menschen und Familien“, erklären IHK-Präsident Sebastian Vossmann und Hauptgeschäftsführer Christoph von Speßhardt. Zugleich sei es wichtig, dass die Produktion in Stade erhalten bleibt. „Das ist für den Industriestandort Stade und die gesamte Elbe-Weser-Region von großer Bedeutung“, so das IHK-Führungsduo.

Christoph von Speßhardt, IHK-Hauptgeschäftsführer. Foto: IHK
Die angekündigten Maßnahmen zeigten, wie stark die energieintensive Industrie in Deutschland und Europa unter Druck steht. Hohe Energie- und CO₂-Kosten, Bürokratie, komplexe und langsame Regulierung, unzureichende handelspolitische Schutzinstrumente und fehlende langfristige Planungssicherheit gefährden zunehmend Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Beschäftigung. Gerade die Grundstoffchemie leiste einen wichtigen Beitrag zur industriellen Resilienz und sichere Wertschöpfungsketten vor Ort.
Das sagt der Landrat: Starke industrielle Substanz
„Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet diese Nachricht einen herben Einschnitt“, sagt Landrat Kai Seefried in einer ersten Reaktion. Die angekündigten Entlassungen seien eine schlechte Nachricht für den Chemie- und Industriestandort Stade.

Kai Seefried, Landrat des Landkreises Stade. Foto: Christian Schmidt
Die hohen Energiekosten in Deutschland, überbordende Bürokratie und weltfremde Umweltstandards seien eine hohe Belastung für die Industrie. Dennoch sieht er für den Stader Chemiepark eine positive Perspektive mit der Chance auf neue Arbeitsplätze – nicht nur aufgrund zahlreicher ansiedlungswilliger Unternehmen. Der Standort Stade habe nach wie vor starke industrielle Substanz und echte Zukunftsperspektiven.
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