TDrei Wochen für Toleranz und Respekt in Buxtehude - und Entsetzen
Anna Bundt und Lars Neuber haben die Aktionswochen ToleranzLeben federführend organisiert. Am Ende des Aktionszeitraums zeigten sie sich zufrieden mit der Resonanz. Foto: Svenja Weil
Was bedeutet Toleranz? Wo ist sie besonders wichtig? Und welche Grenzen hat sie? Diese Fragen prägten die Aktionswochen. Eines sorgte bei den Verantwortlichen für Bestürzung.
Buxtehude. Herzstück der Aktionswochen war die Ausstellung ToleranzRäume. Der Buxtehuder Stadtjugendring (SJR) und die örtliche Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Isrealischen Gesellschaft (DIG) hatten die Schau in die Malerschule geholt und gemeinsam mit Kooperationspartnern ein umfangreiches Begleitprogramm auf die Beine gestellt.
Rund 400 Schülerinnen und Schüler aus Buxtehude und Umgebung besuchten die Ausstellung im Rahmen von Workshops. Die meisten von ihnen kamen aus Klasse acht bis zehn. Ihre Lehrkräfte freuten sich über das ortsnahe Angebot der Demokratiebildung, denn Buxtehude bietet keine permanenten Lernorte dieser Art. Angeleitet von eigens geschulten älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen, erarbeiteten die Teilnehmer, was Toleranz eigentlich bedeutet und in welchen Lebensbereichen sie besonders wichtig ist.
Workshops: Was bedeutet Toleranz?
„Respekt“, „Meinungsfreiheit“, „Geduld“ wurden besonders häufig von den Jugendlichen genannt, um „Toleranz“ zu erklären. Beim Abschluss der Aktionswochen waren sich Maite (18) und Jana (20) einig: Die Arbeit als Workshopleitung war eine sehr positive Erfahrung. „Die Teilnehmenden haben viel mitgenommen“, war Jana sich sicher. Maite ergänzte: „Es war erfüllend, ihnen zu zeigen, dass sie für sich und andere einstehen können.“
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Anna Bundt von der DIG und Lars Neuber vom SJR zeigten sich zufrieden mit den Aktionswochen. Sie waren die Hauptverantwortlichen und haben sich rund eineinhalb Jahre um die Vorbereitungen gekümmert. Mit den etwa 15 Begleitveranstaltungen, darunter Vorträge, Lesungen, Tanztheater, Kabarett und ein Filmabend, seien rund 800 Gäste erreicht worden, fassten die beiden zusammen.
Vielfältige Veranstaltungen in intimem Setting
„Klar wären mehr Gäste toll gewesen, aber die kleinen Veranstaltungen hatten den Vorteil, dass ein intensiver Kontakt und ein lebendiger Austausch möglich waren“, resümierten Bundt und Neuber. Sie überlegen, wie man noch mehr Menschen hätte erreichen können. „In den sozialen Medien haben sehr viele unsere Posts gesehen, auch durch die Unterstützung unserer Partner“, so die beiden Organisatoren.

Die meisten Gäste der Ausstellung ToleranzRäume halten sich selbst für tolerant, sehen es aber um die Toleranz in der Gesellschaft insgesamt eher schlecht bestellt. Foto: Svenja Weil
Junge Menschen seien durch die Schulveranstaltungen erreicht worden. Besonders der Besuch einer NS-Zeitzeugin habe die Schülerinnen und Schüler merklich berührt und beeindruckt. Die meisten anderen Angebote zogen eher ein Publikum der Altersklasse 40+ an, sagten sie.
Möglicherweise hat bei einigen Terminen auch die aus Sicherheitsgründen geforderte namentliche Anmeldung manche Interessierte abgeschreckt. „Wir sind damit den Empfehlungen der DIG für Veranstaltungen zum Isreal-Palästina-Konflikt gefolgt“, erklärte Bundt. Es habe aber in diesem Bereich keine Störungen gegeben.
Entsetzen über Anfeindungen gegen Transperson
Ein von zwei christlichen Gemeinden vorbereitetes Angebot zu geschlechtlicher Identität habe aber bereits in der Planungsphase abgesagt werden müssen.
Die Referentin - selbst Transperson und im Landkreis Stade beheimatet - habe sich nach massiven Anfeindungen derzeit aus der Öffentlichkeit zurückziehen müssen, bedauerten die Organisatoren, entsetzt über so viel Intoleranz im direkten Umfeld.
Ausblick: Wie geht es mit den ToleranzLeben weiter?
ToleranzRäume war die dritte Ausstellung, die von SJR und DIG in Buxtehude gezeigt wurde. Mittlerweile sind die Schauwände nach Thüringen weitergereist.
„Wir können uns schon vorstellen, wieder etwas ähnliches zu machen, aber nicht vor 2028“, wagt Bundt einen vorsichtigen Ausblick. Thema und Logo von ToleranzLeben werden aber sicher bleiben, schließlich sei Toleranz ein Dauerthema im Alltag der Jugendpflege. In einer Kooperation von Kreis- und Stadtjugendring sowie Stadtjugendpflege sei da schon etwas in Vorbereitung für Jugendeinrichtungen, macht Neuber neugierig.
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