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Schifffahrt

TDrei echte Oldtimer: Ältestes Frachtschiff in Fahrt liegt in Wischhafen

125 Jahre ist die Dide alt. Michael Zabel ist ihr Kapitän.

125 Jahre ist die Dide alt. Michael Zabel ist ihr Kapitän. Foto: Helfferich

Der Hafen in Wischhafen ist ein wenig beachtetes Kleinod. Dabei hat er viel zu bieten: einen Verladekran, das Küstenschifffahrtsmuseum und ganz aktuell drei Geburtstagsschiffe.

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Von Susanne Helfferich
Sonntag, 10.05.2026, 15:50 Uhr

Wischhafen. Die Dide, Deutschlands ältestes in Fahrt befindliches Frachtschiff, liegt in Wischhafen. Es hat bereits 125 Jahre auf dem Buckel und ist immer noch mit Schüttgut unterwegs. Es transportiert Kies, Sand und auch Getreide. Die Dide ver- und entsorgte unter anderem die Insel Helgoland.

Die Dide wurde 1901 in den Niederlanden gebaut

1901 wurde es als einmastiger Tjalk auf der Werft H. Holtmann in den Niederlanden für die Binnenschifffahrt gebaut. Im Februar 1929 zog der Küstensegler nach Deutschland um, wo er zunächst als „Grauerort“ unter deutscher Flagge fuhr. Im selben Jahr erhielt er einen Viertakt-Vierzylinder-Dieselmotor von Deutz.

Während der 1950er Jahre wurde das Schiff mehrfach umgebaut und verlängert: 1954 auf der Sietas-Werft in Neuenfelde, 1958 auf der Krooß-Werft in Wischhafen und 1959 wurde der Motor durch einen Viertakt-Sechszylinder-Dieselmotor ersetzt, der bis heute läuft.

Michael Zabel ist der Kapitän der 23 Meter langen und 6,8 Meter breiten Dide. Zwei Decksleute begleiten ihn auf dem Wasser. „Die Dide ist kein Traditionsschiff, sondern als Handelsschiff mit Zulassung unterwegs“, betont der 65-Jährige.

120-jähriger Besanewer benötigt Generalüberholung

Nur wenige Schritte weiter liegt das Bildungsschiff Anna-Lisa. Der Besanewer ist fünf Jahre jünger als die Dide. Doch er benötigt dringend eine Generalüberholung.

Das knapp 20 Meter lange und fast 5 Meter breite Plattbodenschiff wurde 1906 auf der Junge-Werft in Wewelsfleth an der Stör für einen Kohlehändler gebaut. Bis in die 1950er Jahre hat der Ewer in der Frachtfahrt gedient, holte englische Kohle aus Hamburg, fuhr Torfballen und überlebte zwei Weltkriege.

Die Anna-Lisa ist 120 Jahre alt und ein typisches Traditionsschiff.

Die Anna-Lisa ist 120 Jahre alt und ein typisches Traditionsschiff. Foto: Helfferich

Der einst stolze gaffelgetakelte Besanewer wurde umgebaut zu einer motorbetriebenen Baggerschute. Abgetakelt ging es lange bergab. Erst in den 1970er Jahren wurden umfangreiche Restaurierungen vorgenommen. 1984 kaufte der Verein Bildungsschiff Niederelbe das Plattbodenschiff und passte es den Erfordernissen als schwimmende Bildungsstätte an.

Anna-Lisa bringt Naturfreunde in die Welt der Watten

Seit 2006 ist die Anna-Lisa wieder in Wischhafen beheimatet und hat viele Naturfreunde in die Watten und umliegenden Häfen gefahren. Doch derzeit kann sie nicht auslaufen.

Das Schiff müsse dringend auf die Werft, sagt Kerstin Herzog, Vorstandsmitglied des Vereins Bildungsschiff Niedersachsen. Sie sucht Unterstützer für ihr Projekt und ist optimistisch: „Das Schiff hat eine gute Substanz, was für ein ungeschultes Auge nicht gleich sichtbar ist.“

Trotz ihres Alters habe Anna-Lisa eine gute Grundsubstanz. „So oder so braucht sie gerade viel Zuwendung in personeller und finanzieller Hinsicht. Unser wichtigstes Vorhaben aktuell ist es, Anna-Lisa wieder fahrbereit zu kriegen.“

Museumsschiff Iris-Jörg aus 25 Perspektiven

Vergleichsweise jung ist die Iris-Jörg mit ihren 70 Jahren. Das Küstenmotorschiff wurde 1956 für die Hamburger Reederei Sübtitz auf der Werft Nobiskrug in Rendsburg gebaut. Damals hieß es „Eilenburg“. Das Schiff war von Anfang an für den Transport von Holz eingerichtet und konnte mit niedergelegten Masten weit ins Binnenland fahren, bis ins Ruhrgebiet.

Das Museumsschiff Iris-Jörg ist 70 Jahre alt. Es gehört der Gemeinde Wischhafen.

Das Museumsschiff Iris-Jörg ist 70 Jahre alt. Es gehört der Gemeinde Wischhafen. Foto: Helfferich

1965 wurde es an Karl Meier verkauft, der es nach seinen beiden Kindern, Iris und Jörg, umbenannte. Nach einem weiteren Verkauf übernahm das Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum 2003 das Museumsschiff und richtete es liebevoll ein.

Inzwischen lädt die Iris-Jörg auch zu Veranstaltungen ein: So gibt es Konzerte und Lesungen im Schiffsbauch, beim Open Ship können Touristen das Kümo kennenlernen und demnächst können sich wieder Gruppen für das Matrosenpatent anmelden.

Raus aus dem Hafen kommt die Iris-Jörg vorerst nicht mehr. „Das Kümo ist zwar fahrbereit, hat aber keine Genehmigung“, sagt Volker von Bargen. Es müsste einiges geleistet werden.

Iris-Jörg: Lange Mängelliste und hohe Kosten

Werftbesuche stehen eigentlich alle fünf Jahre an; zuletzt war die Iris-Jörg 2018 auf der Werft. Jetzt stehen auf der Liste: Einbau einer separaten Feuerlöscheinrichtung fürs Vorschiff, Wiederzulassung der Funkanlage und eine kostspielige Stabilitätsberechnung, weil es zuvor geringfügige Um- und Einbauten gab. Grob überschlagen koste das alles 140.000 Euro.

Im Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum ist eine Ausstellung mit 25 Bildern allein dem Museumsschiff Iris-Jörg gewidmet. Hafenmeister Volker von Bargen zeigt sein Lieblingsbild,

Im Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum ist eine Ausstellung mit 25 Bildern allein dem Museumsschiff Iris-Jörg gewidmet. Hafenmeister Volker von Bargen zeigt sein Lieblingsbild, Foto: Helfferich

Der Iris-Jörg ist aktuell eine ganz besondere Ausstellung gewidmet: Das Schiff ist im Laufe der Jahre aus 25 Blickwinkeln betrachtet und gemalt worden. Jeder Künstler, der in den vergangenen 25 Jahren im Küstenschifffahrtsmuseum seine Bilder zeigen wollte, hinterließ ein Bild des Museumsschiffs.

Das Deckshaus mit Steuer von innen.

Das Deckshaus mit Steuer von innen. Foto: Helfferich

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Die Dide hieß zwischenzeitlich Grauerort.

Die Dide hieß zwischenzeitlich Grauerort. Foto: marhisdata

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