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Wahlkampf

TDrochterser SPD und FWG verzichten auf Wahlplakate – Ein Risiko?

Viele seien von den Plakaten genervt, so Yvonne Neumann. Sie und die FWG verzichten daher gerne (Symbolbild).

Viele seien von den Plakaten genervt, so Yvonne Neumann. Sie und die FWG verzichten daher gerne (Symbolbild). Foto: Jens Büttner/dpa

Fast jeder erinnert sich an Wahlplakate. In Drochtersen verzichten SPD und FWG trotzdem. Ein Experte für Wahlverhalten erklärt, ob das ein Risiko ist.

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Von Lars Wertgen
01.09.2026, 08:55 Uhr

Drochtersen. Mit Gesichtern, Namen und Slogans werben Parteien im Kommunalwahlkampf derzeit um die Gunst der Wähler. In der Gemeinde Drochtersen hingegen hängen an den Laternenmasten weniger Plakate als in der Vergangenheit. Zwei der drei aktuellen Fraktionen verzichten bewusst auf klassische Wahlplakate: die SPD und die Freie Wählergemeinschaft.

SPD setzt auf Nachhaltigkeit

Die SPD Drochtersen hat sich bewusst gegen die klassische Werbung entschieden. „Laternenplakate sind ein riesiger Müllfaktor“, sagt Vorsitzender Jan Büther mit Blick auf Nachhaltigkeit und Umweltbilanz.

Der Fokus liege verstärkt auf dem direkten Kontakt zu den Menschen. Fast jeder Briefkasten in der Gemeinde bekommt einen Flyer, dazu kommen zahlreiche Gespräche am Gartenzaun. „Das ist uns wichtiger, als an jedem Laternenpfahl zu hängen“, sagt Büther.

Präsent bleibe die Partei zudem über Banner an Bauzäunen; die Banner sollen nach der Wahl anderweitig verwendet werden.

Spenden statt plakatieren

Ähnlich argumentiert die FWG. Die Plakate landeten schnell im Müll oder im Keller, findet Ratspolitikerin Yvonne Neumann. „Sie sind nur Momentaufnahmen“, sagt Neumann. „Ich setze auf Leute, die sich politisch informieren und nicht wegen eines Gesichts wählen“, so Neumann.

Sie und andere FWG-Kandidaten haben den Vorteil, dass sie in der Gemeinde bekannt sind und ohnehin einen regen Austausch mit den Menschen pflegen.

Das Geld, das sonst - aus eigener Tasche - in Plakate geflossen ist, will die FWG stattdessen an ein Kinderhospiz spenden. „Wir möchten ein Zeichen setzen, dass die Energie, die in die Plakatierung fließt, auch sinnvoller investiert werden kann“, sagt Neumann.

Plakate Werbemittel Nummer 1

Wie riskant ist der Verzicht auf Plakate wirklich? Kein anderes Wahlwerbemittel wird so breit wahrgenommen, zeigt eine repräsentative Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

93 Prozent der Wahlberechtigten erinnerten sich kurz nach der Bundestagswahl 2025 an mindestens ein Wahlplakat. Briefkastenwerbung (58 %), Wahlstände (54 %), Zeitungsanzeigen (47 %) und Social-Media-Werbung (42 %) folgen mit großem Abstand - auch wenn digitaler Wahlkampf stark wächst.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Plakaten und Kampagnenerfolg lässt sich laut der KAS trotz dieser hohen Wahrnehmung nicht automatisch ableiten. Dafür wirkten zu viele Faktoren auf eine Wahlentscheidung ein, sagt Dr. Jochen Roose, Soziologe der KAS, gegenüber dem TAGEBLATT. „Aber es ist sehr plausibel, dass sie eine Wirkung haben“, sagt Roose.

Plakate machten Kandidaten bekannter, dadurch dass Wähler sie häufiger sehen. Menschen vertrauen bekannten Gesichtern eher als unbekannten: Sehe eine Person sympathisch und kompetent aus, traue man ihr auch mehr zu. „Es gibt viele Signale, die häufig unbewusst wahrgenommen werden“, sagt Roose.

Zudem signalisieren Plakate nicht nur, dass Wahlen anstehen, sondern auch, dass sich Parteien um die Wähler bemühen.

Nachteil kompensieren

„Letztendlich sind es nur Plakate“, sagt Roose. Sie könnten den persönlichen Austausch nicht ersetzen. Der direkte Kontakt am Gartenzaun erreiche zwar weniger Menschen. Er wirke aber wie ein Multiplikator, da die Begegnungen im Familien- und Freundeskreis besprochen würden.

Nicht jeder Wähler befürwortet Plakate. Manche finden sie unschön und störend. „Auch das ist ein Punkt, mit dem man den Nachteil kompensieren kann“, so Roose über einen möglichen Imagegewinn. Zudem hätten es in der Gemeinde bekannte Kandidaten ohnehin einfacher.

„Wer auf Plakate verzichtet, geht ein größeres Risiko ein“, fasst Roose zusammen. Weil auf ein Instrument verzichtet wird, das von so vielen Menschen gesehen wird. Der Mut könne aber belohnt werden. Die Antwort gibt es für SPD und FWG am Wahltag. „Und wenn es sich nicht auszahlt, dann haben wir trotzdem einen Gewinner“, so Neumann - das Kinderhospiz.

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