TDüdenbüttel steckt tief in den Miesen und sucht neue Wege
Infrastruktur mit Idylle: Das kleine Kötnerhuus mit dem Bauerngarten gehört der Gemeinde - ebenso wie das Gemeindezentrum, die Schützenhalle oder das Tennishaus. Foto: Klempow
Düdenbüttel schlittert immer tiefer in Finanzprobleme. Dringend müssen neue Einnahmen her oder Kosten gesenkt werden. Der Rat will deshalb mit den Vereinen sprechen.
Düdenbüttel. Kämmerer Frank Buhrmester formuliert die Lage drastisch: „Düdenbüttel nähert sich dem finanziellen Ruin.“ Fast 150.000 Euro fehlen der Gemeinde jährlich, um ihre laufenden Ausgaben bezahlen zu können. Der Fachbegriff dafür lautet „strukturelles Fehl“. Und das liege in Düdenbüttel nun bei über zehn Prozent gemessen am Haushaltsvolumen. „Da fängt bei mir das Magengrummeln an“, so Buhrmester.
Nur noch das Notwendigste
Die Gemeinde kann nur noch das machen, was dringend notwendig ist. „Ein Wünsch-Dir-was gibt es nicht mehr“, sagte Buhrmester am Donnerstagabend dem Gemeinderat Düdenbüttel. Gerade mal 30.000 Euro will die Gemeinde noch in den energetischen Ausbau des Dachgeschosses des Gemeindezentrums stecken. Sie legt ein bisschen Geld zur Seite, um Bauerwartungsland kaufen zu können und hofft auf Fördergeld, um die eine Hälfte des Reetdaches auf dem Kötnerhuus erneuern zu können. Mehr geht kaum.
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Was nun? Der Gemeinde bleiben nur zwei Möglichkeiten: Kosten senken und Einnahmen erhöhen. Steuererhöhungen finden in Wahljahren meist keine Mehrheiten. Auch Düdenbüttel will darüber lieber erst für die nächsten Jahre nachdenken. „Wenn wir jetzt die Gewerbesteuer erhöhen, wird es schwieriger, Betriebe anzusiedeln“, sagt Bürgermeister Klaus-Peter Borchers-Saß.
Positive Impulse durch Windenergie nur auf lange Sicht
Auf steigende Gewerbesteuereinnahmen will die Gemeinde langfristig setzen. Man sei in Verhandlungen, aber das sei noch nicht spruchreif, so der Bürgermeister zum Thema Ansiedlung. Geld sollen auch neue Windenergie-Anlagen in die Kasse pusten. Zwischen Düdenbüttel und Himmelpforten sind gleich mehrere geplant. „Aber das kommt natürlich spät“, gibt Finanzexperte Frank Buhrmester zu bedenken. Bis 2030 sind sämtliche Reserven der Gemeinde aufgebraucht.
Die Lage war längst nicht immer so ernst: 2013 noch hatte die Gemeinde Gewerbesteuereinnahmen von rund 600.000 Euro. Das Gewerbe gibt es zwar immer noch - der Betriebssitz ist aber verlegt worden. Deshalb profitiert jetzt eine andere Kommune.
Kindergarten-Kosten nehmen den Spielraum
Aktuell kalkuliert Buhrmester mit 300.000 Euro aus der Gewerbesteuer - damit sind diese Einnahmen eklatant gefallen - aber alle anderen Kosten sind im Laufe der Zeit gestiegen.
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Zum Beispiel für den Kindergarten. „Die Hälfte aller Kosten fallen für den Kindergarten an“, sagt Bürgermeister Borchers-Saß. Solange für den Betrieb nicht mehr finanzielle Unterstützung kommt, zum Beispiel vom Land, wird sich das nicht ändern.
Großzügige Vereinsförderung
An anderer Stelle will der Gemeinderat jetzt aber das Gespräch suchen. Elf Vereine gibt es in Düdenbüttel mit rund 1000 Einwohnern - ein starkes Zeichen für ein lebendiges Dorfleben. Das ist auch möglich durch die gute Infrastruktur mit Gemeindezentrum, Sportplatz, Schützenhalle, Tennishaus oder Kötnerhuus - alles in Gemeindebesitz. Die Vereinsförderung hat die Gemeinde bislang großzügig gehandhabt und alle Betriebskosten übernommen. „Das müssen wir jetzt angehen“, sagt Borchers-Saß.
Der Rat will die Vereine zur Gesprächsrunde einladen und ausloten, wie die Kosten künftig neu geregelt werden können. Ziel ist ein Nutzungskonzept zur Beteiligung der Vereine an den Unterhaltungs- und Bewirtschaftungskosten.
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