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TEin Abend im Apropos: So lebt die Kultkneipe in Stade wieder auf

Lasse Kluge ist Vorsitzender der Genossenschaftskneipe. Einen Tag in der Woche arbeitet er hinter dem Tresen und bedient die Gäste - dabei immer mit einem Lächeln auf den Lippen.

Lasse Kluge ist Vorsitzender der Genossenschaftskneipe. Einen Tag in der Woche arbeitet er hinter dem Tresen und bedient die Gäste - dabei immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Foto: Kress

Currywurst, alte Hits und vertraute Gesichter: Im Apropos ist wieder Leben. Doch hinter der Theke hat sich einiges verändert.

Von Kilian Kress 11.09.2026, 20:26 Uhr

Stade. Kurz vor 18 Uhr. Die Stader Innenstadt leert sich langsam, Verkäufer stapeln Stühle und Tische zusammen und bringen Ware zurück in die Geschäfte.

Ganz anders sieht es vor der Kleinen Schmiedestraße 6 aus: Lasse Kluge wischt noch schnell einmal über die Tische, bevor das Apropos die Türen für seine Gäste öffnet. „Ist halt eine Kneipe“, schmunzelt Kluge. Im Inneren läuft „Beat It“ von Michael Jackson, ein echter Klassiker aus der „Hochzeit der Kneipen“, wie Kluge die 80er beschreibt.

An der Wand zieren schwarz-weiße Fotos von Personen das Apropos. Bei der Wiedereröffnung sollte so viel wie möglich erhalten bleiben.

An der Wand zieren schwarz-weiße Fotos von Personen das Apropos. Bei der Wiedereröffnung sollte so viel wie möglich erhalten bleiben. Foto: Kress

Auch die Einrichtung erinnert an diese Zeit: spärliches Licht, dunkelbraunes Holz und schwarz-weiße Bilder an der Wand aus roten Klinkern. Ein altes Saxofon hängt neben ein paar Scheinwerfern unter der Decke. Dort ist die Bühne für Livemusik.

Dieses Flair schätzen die Kunden, erzählt Kluge beim Gläserspülen. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, wobei besagter Sturm am Donnerstagabend etwas gemächlicher ausfallen dürfte, gesteht er.

Kultkneipe stand vor dem Aus

Zum Jahresbeginn kam die erschreckende Nachricht: Besitzer Thomas Mäkels hört auf. Das Apropos stand vor dem Aus. Kluge arbeitet seit September 2024 im „Apro“. Umso sicherer war er sich, dass die Kneipe nicht schließen durfte. So gründete der 22-Jährige gemeinsam mit weiteren Stammgästen eine Genossenschaft.

Das Vorhaben sprach sich schnell herum. Bei den Gründungstreffen war das Apropos voll besetzt. Mittlerweile sind über 190 Personen Anteilseigner, die insgesamt fast 45.000 Euro für den Erhalt der Kneipe investierten.

Im April herrschte gute Laune vor dem Apropos. Das Bild entstand kurz nach der Genossenschaftsgründung.

Im April herrschte gute Laune vor dem Apropos. Das Bild entstand kurz nach der Genossenschaftsgründung. Foto: privat

So konnte das beliebte Lokal im Juli wieder öffnen - zur Freude vieler Gäste. „Wir beobachten einen leicht positiven Trend“, beschreibt Kluge die Besucherzahlen. Der ursprüngliche Hype flache zwar langsam wieder ab, mittlerweile könne sich das Lokal aber komplett aus seinem Regelbetrieb refinanzieren.

Das „Apro“ ist Familie

18.05 Uhr. Die Backstreet Boys spielen „Everybody“, und die ersten Gäste des Abends nehmen vor dem Lokal Platz. Genossenschaftsvorsitzender Kluge arbeitet heute hinter dem Tresen und bringt ihnen die Speisekarten. Doch die brauchen die beiden gar nicht. Sie kennen sich, begrüßen Kluge herzlich. Das Paar bestellt Currywurst, Baguette und Getränke. „Ich liebe die Baguettes“, schwärmt Helga Kühlke.

Helga und Bernd Kühlke kommen gerne ins Apropos. Während früher die Getränke im Vordergrund standen, ist mittlerweile die Speisekarte immer wichtiger für das Paar.

Helga und Bernd Kühlke kommen gerne ins Apropos. Während früher die Getränke im Vordergrund standen, ist mittlerweile die Speisekarte immer wichtiger für das Paar. Foto: Kress

Seit der Wiedereröffnung kommen sie rund einmal pro Woche in die Kleine Schmiedestraße. Die Kühlkes freuen sich, dass es mit dem Apropos weitergeht. Sie wollen der Genossenschaft noch beitreten, bisher fehlte dafür die Zeit - wie das eben so ist, sagt Bernd Kühlke. Früher hätten sie weniger gegessen, mehr getrunken. Das habe sich geändert.

Für Bernd Kühlke gibt es Currywurst im Hotdog-Style. Ob die neu ist? „Die gibt es hier schon seit Jahrzehnten“, mischt sich ein Gast vom Nebentisch ein. „Umso besser“, lachen die Kühlkes. Nach dem Essen bestellen sie die zweite Getränkerunde. Ein weiteres Bier geht für Bernd, denn Helga Kühlke fährt zurück. Das Paar lebt mittlerweile etwas außerhalb.

Das neue Apropos

Im Hintergrund schwärmt das Pop-Duo Eurythmics von süßen Träumen. Lasse Kluge erzählt von der Planung des „neuen Apros“. Zwischendurch nimmt er Bestellungen auf. Immer wieder wird Currywurst bestellt, sie sei hier sehr bekannt. Aus der Küche hört man Gespräche und brutzelndes Essen.

Die Currywurst im Hotdog-Style ist im Apropos sehr beliebt. Doch auch die durch die Corona-Pandemie von der Karte verschwundenen Baguettes erfreuen sich seit der Wiedereröffnung großer Beliebtheit.

Die Currywurst im Hotdog-Style ist im Apropos sehr beliebt. Doch auch die durch die Corona-Pandemie von der Karte verschwundenen Baguettes erfreuen sich seit der Wiedereröffnung großer Beliebtheit. Foto: Kress

Zurück hinter dem Tresen erklärt Kluge weiter: Gemeinsam mit Vorbesitzer Mäkels, der immer noch als Minijobber in der Küche hilft, habe man sich die Zahlen angeschaut. So entstand auch das neue Konzept: kein Mittagstisch mehr, dienstags geschlossen und eine reduzierte Karte. „Das hatte vor allem Effizienzgründe“, berichtet der angehende Jurist.

Stattdessen setzt man vermehrt auf Events. Neben Livemusik gibt es nun auch Kneipenquiz, Tanzabende und weitere Veranstaltungen. Das nächste Kneipenquiz ist schon ausgebucht. Dabei war das letzte erst am Vortag.

„Wir haben ein Team innerhalb der Genossenschaft, das nur für die Planung und Organisation von Events zuständig ist“, so Kluge. Das alles laufe ehrenamtlich. Nur das feste Personal sei auf Minijob-Basis angestellt.

15 Jahre hinter dem Tresen

Auch Andre Kuhlmann freut sich, dass es mit der Kneipe weitergeht. Seit 15 Jahren arbeitet der 40-Jährige einmal die Woche hinter dem Tresen.

Andre Kuhlmann ist seit 15 Jahren eine Institution im Stader Apropos. Umso mehr freut er sich über die gegründete Genossenschaft und den Erhalt der Kultkneipe.

Andre Kuhlmann ist seit 15 Jahren eine Institution im Stader Apropos. Umso mehr freut er sich über die gegründete Genossenschaft und den Erhalt der Kultkneipe. Foto: Privat

Kuhlmann ist selbst Mitglied der Genossenschaft. „Mir liegt persönlich schon sehr viel an dem Laden“, sagt er. Als das „Apro“ vor dem Aus stand, habe er gemerkt, dass er selbst entscheiden wolle, wann für ihn dort Schluss ist. Eigentlich war es gar nicht geplant, dass er so lange bleibt. Dass er jetzt noch da ist, liege auch an dem weitgehend gleichen Konzept. Wenn er das alte Apropos nicht mehr wiedererkannt hätte, wäre er gegangen.

In der Kneipe nimmt Kluge neue Bestellungen auf. Currywurst, Baguette, dazu zwei Bier. Aus den Boxen dringt Musik von Europe. Anders als im Liedtext ist „The Final Countdown“ im Apropos aber erst mal in weite Ferne gerückt.

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