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Kriminalität

TEin Jahr nach der Jugendbande: Was seitdem in Harsefeld passiert ist

Die Polizei auf dem Weg zum Einsatz in Sachen Jugendbande. Im Hintergrund ist das JUBS zu sehen.

Die Polizei auf dem Weg zum Einsatz in Sachen Jugendbande. Im Hintergrund ist das JUBS zu sehen. Foto: Fehlbus

2025 erpresste eine brutale Jugendbande Harsefelder Schüler. Jetzt durchsuchte die Polizei das Haus eines 18-Jährigen. Der Fund: illegale Vapes. Gibt es einen Zusammenhang?

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Von Pauline Meyer
Mittwoch, 10.06.2026, 18:55 Uhr

Harsefeld. Vor knapp einem Jahr brachte eine Jugendbande Harsefeld bundesweit in die Schlagzeilen. Die „Consti-Gang“, wie sich die Gruppe aus Teenagern im Alter von knapp 15 Jahren selbst nannte, ging brutal vor. An ihre jüngeren Mitschüler verkauften die Täter Vapes und Drogen. Anschließend setzten sie sie unter Druck, erpressten Wegegeld und schlugen zu. Die Jugendlichen teilten Videos ihrer Gewalttaten über die sozialen Netzwerke - die Brutalität schockierte.

Die Jugendlichen haben ihre Taten gefilmt und ins Internet gestellt.

Die Jugendlichen haben ihre Taten gefilmt und ins Internet gestellt. Foto: Screenshot

Eine Razzia bei einem 18-jährigen Harsefelder in der vergangenen Woche ließ Erinnerungen an die Jugendbande wachwerden. Der Schüler dealte mutmaßlich mit illegalen Vapes. Hängen die Fälle zusammen?

Bürgerwehr patrouillierte und stieß auf Kritik

Rückblick. Die Sorge von Eltern war groß, nachdem die Schulleitungen des Aue-Geest-Gymnasiums (AGG) und der Selma-Lagerlöf-Oberschule kurz vor den Sommerferien 2025 einen Warnbrief zur Jugendbande herausgaben. Darin riefen sie gemeinsam mit dem Jugendamt dazu auf, Vorfälle direkt polizeilich zu melden.

Zuvor war länger ungewiss, was sich unter den Schülern und der Bande abspielte. Verunsicherung machte sich breit. Das Gymnasium schloss sogar eine Zeit lang die Haupteingangstüren ab, um das Gefühl von Unsicherheit zu lindern.

Was folgte, war eine Welle heftiger Reaktionen in den sozialen Medien. Eine Bürgerwehr formierte sich - was widerum für harsche Kritik sorgte. Die circa 300 Mitglieder gingen für kurze Zeit auf Patrouille, zeigten sich an den Schulen oder am Bahnhof.

Bürgermeisterin Susanne de Bruijn (FWG) übte Kritik am Vorgehen: „Wenn wir durch fehlende Polizeipräsenz dahin kommen, dass jeder meint, das Heft des Handelns in die eigenen Hände nehmen zu können, dann haben wir Anarchie.“

Bild, RTL, Stern: bundesweite Aufmerksamkeit

Im Laufe des Sommers verbreitete sich die Nachricht über die Jugendbande wie ein Lauffeuer in den deutschen Medien. „Zu wenige Polizisten - Kleinstadt gründet Bürgerwehr“, titelte etwa die Bild-Zeitung, RTL schrieb: „Harsefeld - brutale Gewalt-Videos sorgen für Angst!“ und der Stern: „Jugendbande erpresst und attackiert Gleichaltrige in Harsefeld“.

Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück (links) und Susanne de Bruijn, Bürgermeisterin des Flecken Harsefeld.

Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück (links) und Susanne de Bruijn, Bürgermeisterin des Flecken Harsefeld. Foto: Sina Schuldt/dpa

Im September dann erneute Schlagzeilen: Es tauchte ein Tiktok-Video auf, in dem einer der Haupttäter Drohungen aussprach. Seitens der Polizei erfolgte daraufhin eine Gefährderansprache gegen den damals 16-Jährigen. Zudem fand ein Treffen in Harsefeld statt, an dem Politik, Schulen, Jugendamt, Landesschulbehörde sowie Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol teilnahmen. Die Gemeinde sprach gegen die beiden mutmaßlichen Haupttäter ein Freibadverbot aus.

Krisenstab steht auf Abruf

Jetzt, ein Jahr nach den Taten, sei Ruhe eingekehrt, erklärt Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück: „Zum Glück.“ Zu großem Teil schreibt sie das der Arbeit des Jugendzentrums zu. „Das JUBS bietet eine Anlaufstelle und einen Rückzugsort für Jugendliche“, so Kück. Um die Arbeit von Leiterin Denise Kempa und ihrem Team weiterhin zu unterstützen, sei im vergangenen Jahr eine zusätzliche Stelle geschaffen worden. Besetzt sei die leider noch nicht.

Wegen der Vorkommnisse habe sich eine Art Krisenstab gebildet, der sich im Laufe des vergangenen Jahres mehrfach traf, um Maßnahmen auszuarbeiten. Aufgrund der eingekehrten Ruhe sei in jüngster Zeit allerdings kein Treffen nötig gewesen, erklärt Ute Kück. „Wir können die Treffen jederzeit reaktivieren.“

Konkret hätten einige präventive Maßnahmen an den Schulen stattgefunden. In Jahrgang 8 der Selma-Lagerlöf-Oberschule habe es ein Sozialtraining gegeben, die Polizei zeigte Präsenz an den Schulwegen und in einer Polizeisprechstunde fanden Schüler ein offenes Ohr.

Kein Zusammenhang zur „Consti-Gang“

Nun, da sich die Aufruhr um die Jugendbande gelegt hat, richtete sich die Aufmerksamkeit der Polizei vor Kurzem erneut auf einen Jugendlichen aus Harsefeld. Wieder ging es um Vapes: Bei einer polizeilichen Durchsuchung fanden Ermittler fast 370 illegale Einweg-Vapes. Der 18-Jährige steht unter dem Verdacht, im größeren Stil Handel mit den illegalen E-Zigaretten getrieben zu haben. Auch illegale Feuerwerkskörper sowie Plagiate von Marken-Kopfhörern beschlagnahmten die Beamten.

Beschlagnahmte Gegenstände.

Beschlagnahmte Gegenstände. Foto: Polizeiinspektion Stade

Doch die Polizei gibt Entwarnung: „Der 18-Jährige war nicht Teil der Gruppe“, erklärt Polizeisprecher Matthias Bekermann gegenüber dem TAGEBLATT. Zwar verkauften auch die Mitglieder der „Consti-Gang“ Vapes, jedoch stehen die Täter in keinem Zusammenhang mit dem aktuellen Fall.

Aktuell habe die Gemeinde keine Kenntnis über Gewalttaten unter Schülern. „Und wir wollen, dass das so bleibt“, sagt Ute Kück. Hierfür arbeite sie eng mit JUBS und Jugendamt zusammen. Neben Projekten, wie dem Jugendhaushalt, der im vergangenen Jahr die Graffitiwand hervorbrachte, sollen bald weitere Projekte für Kinder und Jugendliche angeschoben werden.

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