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TEin Kümmerer in Nottensdorf: Wie Hauke Plaaß das Dorfleben bewahren will

Der Wahl-Nottensdorfer Hauke Plaaß will als Dorfmoderator die Menschen in seiner Gemeinde zusammenbringen.

Der Wahl-Nottensdorfer Hauke Plaaß will als Dorfmoderator die Menschen in seiner Gemeinde zusammenbringen. Foto: Buchmann

Eierschnorren, Weihnachtsbaumschmücken oder Erntefest: Ohne Menschen, die anpacken, wäre das Dorfleben um einiges ärmer. Hauke Plaaß packt auch an - jetzt in einer neuen Rolle.

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Von Steffen Buchmann
Dienstag, 10.02.2026, 10:50 Uhr

Nottensdorf. Mit seinem Titel als Nottensdorfer Dorfmoderator hadert Hauke Plaaß ein wenig. „Ich würde es eher Dorfkümmerer nennen“, sagt der 41-Jährige. Doch egal ob Kümmerer oder Moderator: Entscheidend ist, was Plaaß vorhat - nämlich die Dorfgemeinschaft voranzubringen.

Der Nottensdorfer gehört zu insgesamt neun Teilnehmern, die im November die Qualifizierung zum Dorfmoderator abgeschlossen haben. Die Dörfer der Leader-Regionen Kehdingen-Oste sowie Altes Land und Geestrand hatten die Schulung für interessierte Bürger organisiert. Das Ziel: Bindeglieder zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik zu schaffen, um Impulse für die Dorfentwicklung zu setzen.

Ich will mithelfen, das Dorf am Leben zu halten.

Hauke Plaaß, Dorfmoderator in

Nottensdorf

Durch seine neue Rolle verändert sich für Hauke Plaaß vorerst relativ wenig - denn er und seine Familie engagieren sich seit ihrem Umzug 2019 an den Huddelberg ohnehin schon. Der gebürtige Steinkirchener und gelernte Schifffahrtskaufmann sitzt seit 2021 für die SPD im Gemeinderat. Gemeinsam mit zwei Ratskolleginnen versorgt er zudem die Dorfapp mit Neuigkeiten. Theatergruppe, Dorfreinigung, Arbeitsgruppe Freizeitpark: Plaaß‘ Ehrenamtsliste ist lang.

„Ich will mithelfen, das Dorf am Leben zu halten“, sagt er. Bereits durch seine Eltern habe er den Wert eines engagierten Dorfes gelernt. Früher habe er bei der SG Lühe Fußball gespielt, als Verteidiger, „schneller im Grätschen als im Laufen“, gesteht Plaaß und lacht. Seine Eltern hätten jedes Spiel besucht, beim Kuchenverkauf mitgeholfen - auch wenn sie nicht ehrenamtlich aktiv waren.

Bereits viele Kümmerer in Nottensdorf, auch ohne Zertifikat

Seine erste Amtshandlung als Dorfmoderator war das Aufstellen einer Wunschbox beim Schmücken des Weihnachtsbaumes. Denn Plaaß versteht sich als Mittelsmann, den brauche jedes Dorf. „Ich will nicht in Konkurrenz zu denen stehen, die sich bereits engagieren“, stellt er klar. Nottensdorf habe schon viele Kümmerer, auch ohne Zertifikat. Vielmehr wolle er dort ergänzen, wo es Lücken gibt.

Obwohl inzwischen vieles über soziale Medien und Apps läuft, lebe das Dorf immer noch vom Sprachfunk, sagt Plaaß. Also Menschen, die sich auf der Straße begegnen und über das Neueste austauschen. Doch damit Angebote und Projekte ein größeres Publikum finden, hilft Plaaß auch als digitaler Vermittler: „Denn nicht jede Gruppe hat eine eigene Webseite.“

Dörfer haben oft ähnliche Probleme

Im Gespräch mit anderen Dorfmoderatoren stieß Plaaß auf ähnliche Probleme. Vereinen und ehrenamtlichen Gruppen fehle es an Nachwuchs, Projekte stünden immer wieder vor dem Aus. „Die Menschen gehen heute anders mit ihrer Zeit um“, sagt er. Sein Vorschlag: Mehr in einzelnen Projekten denken, für die sich die Bürger interessieren.

„Es muss jemanden geben, der den Anfang macht“, sagt Plaaß. Ihm schwebt ein Vereinsstammtisch vor, bei dem sich alle Gruppen gegenseitig ihre Projekte vorstellen können.

Dorfmoderator muss auch Grenzen ziehen

Zudem sei es herausfordernd, Zugezogene in die Gemeinschaft zu integrieren, sagt Plaaß. Wenn Dörfer moderat wachsen, sei die Chance besser, Neubürger zu integrieren als in schnell wachsenden Neubaugebieten. Als Wahl-Nottensdorfer könne er verstehen, was die Neuen brauchen. Seine Idee: Ein Willkommenspaket soll besser über das Dorfleben informieren.

Zu Plaaß’ Arbeit als Dorfmoderator gehört auch das Setzen von Grenzen. „Ich will ein offenes Ohr für andere haben“, sagt er. Etwa das Schlichten eines Streits zwischen Nachbarn sei nicht seine Aufgabe - das Vermitteln an den zuständigen Schiedsmann hingegen schon.

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