TTipps für den Kuhkauf: Darauf achten auch die Fachleute in Ahrensmoor
Bei der Beurteilung einer Milchkuh ist das Euter einer der wichtigsten Komponenten. Hier ist das Zentralband gut zu erkennen. Foto: P. Meyer
Rund 30 Liter Milch gibt eine ertragreiche Kuh durchschnittlich. Damit das klappt, achten Landwirte darauf, dass Euter, Klauen und Co. bestimmte Kriterien erfüllen.
Ahlerstedt. Wer eine Milchkuh beurteilt, schaut nicht einfach nur, ob sie gut aussieht. Entscheidend ist, ob sie voraussichtlich dauerhaft gesund ist, sich gut bewegen kann und vor allem: zuverlässig Milch gibt. Dafür nehmen Fachleute wie Tobias Lühmann, der in Ahrensmoor einen Milchviehhof betriebt und Jörn Schulz, der an den Berufsbildenden Schulen III Stade die Abteilung Agrarwirtschaft leitet, mehrere Bereiche genau unter die Lupe.
Landwirtschaft
T Vom Euter bis zu den Klauen: Neeke weiß, was eine gute Kuh ausmacht
Im Mittelpunkt steht das Euter, denn hier wird die Milch gebildet. Eine gute Milchkuh hat ein möglichst großes, gleichmäßig geformtes Euter mit ausreichend Volumen. Wichtig sei vor allem das sogenannte Zentralband, erklärt Jörn Schulz.
Es verläuft senkrecht durch das Euter und sorgt dafür, dass es stabil getragen wird. Ist dieses Band stark ausgeprägt, wirkt das Euter klar geteilt und sitzt hoch am Körper der Kuh. Das gilt als positives Merkmal.

Landwirt Tobias Lühmann (von links), Auszubildende Neeke Bellmann und Lehrer Jörn Schulz. Foto: P. Meyer
Ist es dagegen schwach, hängt das Euter stärker durch. Das kann langfristig zu Problemen führen, etwa beim Melken oder durch erhöhte Verletzungsgefahr. Auch die Platzierung der Zitzen spielt eine Rolle.
Sie sollten gleichmäßig angeordnet sein und nicht zu weit auseinander oder zu eng stehen, damit die Melkmaschine problemlos angesetzt werden kann. „Im Alltag wird eine Kuh zwei- bis dreimal täglich gemolken“, erklärt Tobias Lühmann. Das hänge auch davon ab, ob automatisiert mit Melkroboter oder konventionell am Melkstand gemolken werde.
Ein gesundes Fundament: „Die Klauen tragen die Milch“
Neben dem Euter ist das Fundament entscheidend, also Beine und Klauen. „In der Landwirtschaft sagt man nicht ohne Grund, dass die Klauen die Milch tragen“, weiß Jörn Schulz.
Eine Kuh muss sich viel bewegen. Zum Futter, zur Liegebox oder zum Melkstand. Gesunde Gelenke und stabile Klauen sind daher Voraussetzung dafür, dass sie aktiv bleibt und ausreichend frisst. Damit hängt auch der Körperbau zusammen.
Eine gute Milchkuh ist weder zu mager noch verfettet. Besonders wichtig ist die sogenannte Hungergrube im hinteren Bereich des Bauches. Sie gibt Hinweise darauf, ob das Tier ausreichend Futter aufnimmt. Um Milch zu produzieren, braucht eine Kuh viel Energie. Ein Richtwert aus der Praxis: Für einen Liter Milch müssen 400 bis 500 Liter Blut durch das Euter fließen.
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Ein weiterer Punkt ist der Milchtyp, wissen Jörn Schulz und Tobias Lühmann. Damit ist ein eher feiner, funktionaler Körperbau gemeint - vergleichbar mit einem Ausdauertyp. Kühe, die stark auf Fleischansatz gezüchtet sind, wirken oft kompakter, sind aber für die Milchproduktion weniger geeignet. Heute gehe der Trend allerdings weg von extremen Ausprägungen, so Schulz. Gesucht sei die ausgewogene, gesunde und langlebige Kuh.
Statt einzelner Spitzenmerkmale kommt es bei der Milchviehbewertung am Ende auf das Zusammenspiel an. Ein stabiles Euter, gesunde Klauen, gute Futteraufnahme und ein funktionaler Körperbau: All das sorgt dafür, dass eine Kuh über viele Jahre leistungsfähig bleibt.
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