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Kommunalwahl 2026

TEine Frage ließ ihr keine Ruhe – jetzt kandidiert sie selbst in Drochtersen

Sabrina Pehmüller ist mit Kommunalpolitik aufgewachsen.

Sabrina Pehmüller ist mit Kommunalpolitik aufgewachsen. Foto: Wertgen

Als Sabrina Pehmüller im TAGEBLATT las, dass keine Frau für die SPD Drochtersen kandidiert, war für sie klar, wer übernimmt - und wem sie Mut machen möchte.

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Von Lars Wertgen
07.08.2026, 17:48 Uhr

Dornbusch. „Wieso macht das keine Frau?“ Diese Frage stellte sich Sabrina Pehmüller, als sie im Stader Tageblatt las, dass die SPD Drochtersen weiterhin keine Kandidatin für die Kommunalwahl am 13. September finden konnte.

Die 46-Jährige war bereits zuvor in die SPD eingetreten und wandte sich an den Drochterser Fraktionschef Kai Schildt. Beide waren sich schnell einig: „Das passt.“ Nun tritt Pehmüller zur Wahl an.

Vater als Bürgermeister

Pehmüller ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitet als pädagogische Fachkraft in der ambulanten Eingliederungshilfe für Menschen mit seelischer Behinderung.

Mit Kommunalpolitik ist sie über ihren Vater Andreas Haack (FWG) groß geworden: Er sitzt seit 24 Jahren im Samtgemeinderat, zuerst in Oldendorf, jetzt in Oldendorf-Himmelpforten, seit 30 Jahren im Gemeinderat von Heinbockel und ist dort seit 20 Jahren Bürgermeister. Zur bevorstehenden Wahl zieht er sich mit 76 Jahren zurück. „Jetzt sollen die jungen Leute das auch mal übernehmen“, habe er gesagt, erzählt Pehmüller. Sie will übernehmen - in Drochtersen.

Warum Pehmüller sich für die SPD entschied

Sie habe sich schon immer politisch interessiert, sagt Pehmüller. Mit drei Kindern und Beruf fehlte ihr über Jahre die Zeit für ein Mandat, erst als die Kinder größer wurden, änderte sich das. Dass die SPD trotz langer Suche keine Frau für ihre Liste fand, ließ sie schließlich nicht mehr los. „Nee, das kann es nicht sein, denn dann mache ich das jetzt“, dachte sie.

Für ihre Parteiwahl war neben der Arbeit von Justizministerin Stefanie Hubig auf Bundesebene auch die Ortspolitik entscheidend, sagt Pehmüller. Sie identifiziere sich mit den „bodenständigen und sympathischen“ Vertretern der SPD Drochtersen.

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Sohn wollte auch kandidieren

Eigentlich wollte auch ihr Sohn für die SPD kandidieren, noch bevor Pehmüller selbst an eine eigene Kandidatur dachte. Weil er sein duales Studium der Rechtspflege in Hildesheim absolviert und dort seinen Wohnsitz hat, musste er von der Liste gestrichen werden - Kommunalpolitik setzt einen Wohnsitz in der Gemeinde voraus. In zwei Jahren ist sein Studium beendet, dann will er zurückkehren und mitmachen. Vielleicht sind sie dann zu zweit im Rat.

Vor ihrer eigenen Kandidatur fragte sie im Familienrat, ob sie das machen solle. Ihr Sohn bestärkte sie ausdrücklich, ebenso die anderen. Ohne diesen Rückhalt hätte sie noch einmal nachgedacht, sagt Pehmüller.

Zweifel an der eigenen Eignung kennt sie dagegen nicht: Durch ihre Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenslagen kennt sie Diskussionen. Mit rauem Ton oder Widerspruch könne sie gut umgehen.

Von drei auf neun? Der Rat könnte weiblicher werden

Aktuell sitzen unter den 27 Ratsmitgliedern nur drei Frauen, je eine von SPD, CDU und Freier Wählergemeinschaft. Künftig könnten es bis zu neun Frauen werden: Bei der Kommunalwahl treten neben Pehmüller, Yvonne Neumann (FWG), Jennifer König und Inger-Roxanne Martens (beide CDU), Marien Riemer (Grüne) sowie Ingrid Schewe, Nicole Schroth, Uta Ennen und Eva Rieck (alle AfD) an.

„Ich mache es auch, um Frauen zu ermutigen, mutig zu sein und den Mund aufzumachen“, sagt Pehmüller zu ihrer eigenen Kandidatur.

„Mix macht den Unterschied“

Bei Themen wie Kinderbetreuung und Schule hätten Frauen oft den genaueren Blick, sagt Pehmüller - sie erleben sie im Alltag selbst, entschieden werde darüber kommunalpolitisch aber überwiegend von Männern. „Der Mix im Gemeinderat macht den Unterschied“, sagt Pehmüller.

Sie würde es daher begrüßen, wenn künftig auch mehr junge Menschen den Weg in die Kommunalpolitik fänden: Eine 80-jährige Person könne die Lebensrealität eines 20-Jährigen nicht ersetzen, selbst wenn er sie über seine Enkelkinder mitbekomme.

Jugend und Nahverkehr als Schwerpunkte

Sollte Pehmüller in den Rat einziehen, sieht sie sich selbst am ehesten in Ausschüssen für Jugend und Soziales. Als Themen nennt sie fehlende Freizeitangebote für Jugendliche sowie den öffentlichen Nahverkehr.

Neben der Kommunalpolitik engagiert sich Pehmüller im Schützenverein und ist im Weißen Ring, einer Opferschutzorganisation. Bei ihrem Arbeitgeber ist sie erste Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, und schon zu Beginn des Ukraine-Kriegs engagierte sie sich in der Flüchtlingshilfe der Gemeinde.

Wie sie mit Kritik von Bürgern umgeht

Vor der Wahl ist Pehmüller mit der SPD in der Gemeinde unterwegs, verteilt Wahlwerbung und sucht das Gespräch. Auf Unmut reagiert sie mit Nachfragen statt Abwehr: Was genau habe gestört, und was würde es besser machen? Nur wer im Austausch bleibe, könne für die Menschen statt an ihnen vorbei Politik machen, sagt Pehmüller.

Auf der SPD-Liste steht Pehmüller auf Platz drei, hinter dem Drochterser Fraktionsvorsitzenden Kai Schildt und Ortsvereinsvorsitzendem Jan Büther. Erneut kandidieren zudem Dirk Ludewig, Heino Baumgarten, Dieter Middeke, Stefan Knütel und Dr. Albert Boehlke. Neu treten Sören Fahrenkrug, Philipp Wulff, Rainer Fick, Andreas Hagenah und Ulf Nehring an.

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