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24-Stunden-Reportage

TEine Stunde beim Crossfit: Was Menschen zum Sport antreibt

Julia Oldehaver und Bastian Kampmann trainieren mit dem 50 Kilo schweren Crossfit-Wurm - ein Zusatzgewicht für das Teamtraining, das Koordination, Teamgeist und Kraft erfordert.

Julia Oldehaver und Bastian Kampmann trainieren mit dem 50 Kilo schweren Crossfit-Wurm - ein Zusatzgewicht für das Teamtraining, das Koordination, Teamgeist und Kraft erfordert. Foto: Sulzyc

Nach der Arbeit versacken viele auf dem Sofa. Andere überwinden den inneren Schweinehund. Sie pumpen, heben und drücken. Ein Besuch in der Crossfit-Box.

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Von Thomas Sulzyc
04.08.2026, 20:00 Uhr

Buxtehude. Ein Ventilator im Industriedesign bläst erfrischende Luft in die mehr als 1000 Quadratmeter große Box. So heißt im Crossfit die Trainingsstätte. Weil die von zwei Amerikanern, Loren und Greg Glassman, in den 1980er-Jahren entwickelte Sportart ihren Ursprung in Garagen hatte. Heute ist Crossfit in Gewerbe- und Industriehallen zu Hause.

30 Grad Außentemperatur heizen diesenTag auf. 25 Grad sind es um 20 Uhr immer noch. Dennoch herrscht reger Betrieb in der Crossfit Major Box in Buxtehude. Das Geräusch der Ventilatoren übertönt antreibende Techno- und Elektrobeats. Die Sportler glänzen vor Schweiß auf der Haut.

Wer hierher kommt, will sich verausgaben

„Die Leute kommen nach einem anstrengenden Tag bei der Arbeit und wollen in 60 bis 75 Minuten abschalten oder sich auch mal völlig verausgaben“, erklärt Trainerin und Gesellschafterin Julia Oldehaver (34), was Menschen abends in die Box treibt.

Die Anstrengung ist Dennis Tanke (48) ins Gesicht geschrieben. Gleichzeitig wirkt er glücklich, lächelt. „Ausgleich für den Kopf nach einem Tag im Büro“, erklärt der Personalberater für Führungskräfte. Die Worte kommen etwas gepresst daher. Denn das, was er gerade macht, ist kräftezehrend: Kniebeugen, mit neun Kilo schwerem Medizinball in den Armen. Im Crossfit heißt die gute alte Kniebeuge, ganz Amerikanisch, Squat.

Mehrere Tausend Übungen sind möglich

Das Ganzkörper-Training Crossfit kombiniert olympisches Gewichtheben, Ausdauer und Gymnastik. „In der Kombination gibt es mehrere Tausend Übungen“, sagt Julia Oldehaver, eine frühere Leistungsschwimmerin.

Beim Crossfit trainieren die Sportler in einer Gruppe, mit Trainer und nach festem Plan. Den Trainingsplan stellen die jeweiligen Trainer auf, nicht die Mitglieder. Die Übungen wechseln täglich, und der Sportler erfährt erst vor Ort, was an diesem Tag auf ihn zukommt.

Ein Trainer oder eine Trainerin ist immer auf der „Fläche“, wie sie selbst sagen. Headcoach Bastian Kampmann (47) achtet darauf, dass die Sportler die richtige Haltung bei den Übungen einnehmen. „Lass den Rücken gerade“, korrigiert er beim Vorbeigehen. Kampmann ist auch Geschäftsführer. Früher hat der Brustschwimmer am Olympia-Stützpunkt in Hamburg trainiert.

Die Männer und Frauen um 20 Uhr auf der Fläche wirken sehr konzentriert - und ambitioniert. Das Training in Intervallen beim Crossfit lässt in den Pausen zwischen den Übungen Gespräche zu - doch die Sportler dieser Gruppe tauschen in diesem Moment wenig Worte aus. „Sie alle wollen sich verbessern“, erklärt Bastian Kampmann.

Ex-Bundesliga-Spielerin schwört auf Crossfit

Unter ihnen ist auch die frühere Bundesliga-Handballerin Antje Peveling (38). Von 2011 bis 2019 hat sie beim BSV Buxtehude im Tor gespielt. „Ich habe versucht, nach dem Leistungssport eine Sportroutine zu finden“, erklärt sie, warum sie Crossfit macht. Mit einem Mal Training pro Woche hat Antje Peveling begonnen. Mittlerweile trainiert sie an vier Tagen in der Woche. Im Beruf ist sie beim Stadtmarketing Buxtehude tätig.

Box heißt die Trainingsstätte im Crossfit. Männer und Frauen trainieren in einer Gruppe.

Box heißt die Trainingsstätte im Crossfit. Männer und Frauen trainieren in einer Gruppe. Foto: Sulzyc

Mittlerweile ist die Techno-Musik verstummt. Auffällige Stille herrscht in der Box. Die Männer und Frauen liegen zueinander gewandt im Kreis auf dem Boden, vollführen Dehnübungen. „Cool-down“ für die Regeneration nennt sich die Phase zum Abschluss. Leise Gespräche untereinander sind zu hören, ab und an ein Lachen.

Zum Scherz simuliert ein Mitglied mit schmerzverzerrtem Gesicht ein Leiden. Damit will er den Auftritt von Ridgeback-Doggen-Mix „Major“ provozieren. An diesem heißen Tag liegt der neun Jahre alte Hund müde in seinem Korb. Hunde sind in der Box erlaubt - und „Major“ gilt als die gute Seele im Haus.

Ridgeback-Doggen-Mix „Major“ ist Tröster und gute Seele in der Crossfit-Box.

Ridgeback-Doggen-Mix „Major“ ist Tröster und gute Seele in der Crossfit-Box. Foto: Sulzyc

Der Wach- und Familienhund ist normalerweise ein beliebter Tröster. An diesem Abend aber läuft er an dem Simulanten vorbei und schleckt stattdessen einem anderen erschöpft an der Wand sitzenden Sportler mit der Zunge das Gesicht. Alle lachen.

Die Gruppe, „Community“ genannt, ist beim Crossfit wichtig. Wer zusammen trainiert, motiviert sich gegenseitig. Inzwischen hat eine andere Gruppe Männer und Frauen das Training aufgenommen. Im Gegensatz zu der Gruppe vorher streben ihre Mitglieder nicht jede Woche zu persönlichen Bestleistungen. „Das ist unsere Abend-Kaffeeklatschgruppe“, sagt Julia Oldehaver und lacht.

Aber auch hier gilt: volle Konzentration während der Übungen. Beim Crossfit trainieren oft Anfänger neben Fortgeschrittenen. Die Übungen lassen sich an das jeweilige Fitness-Level anpassen.

Diese Musik läuft während des Trainings

Inzwischen hat die Musik gewechselt: Rockmusik hat den Techno-Electro-Mix abgelöst. Den Soundtrack zu den Übungen sucht der jeweilige Trainer aus. „Es darf gerne Bumm Bumm haben. Bumm Bumm mit Melodie“, meint ein Sportler, welche Musik er beim Training am liebsten hört. Dabei stemmt er eine Langhantel - von wegen Kaffeeklatsch.

Eine Sportlerin ihm gegenüber hört am liebsten Musik aus den 1990er-Jahren. „Boy Groups“, ruft sie den Männern der Class herausfordernd zu - um dann selbst die Langhantel zu stemmen.

Hat die Musik Einfluss auf die Leistungsfähigkeit? „Man kriegt die Musik meist nur im Unterbewusstsein mit“, antwortet Bastian Kampmann. Unterschiedliche Übungen in schneller Abfolge hintereinander - da ist keine Zeit für Ablenkung oder Nachdenken. Das kann gut für die Psyche sein: Alltägliche Probleme geraten für eine Stunde in Vergessenheit.

An Fitness sparen Verbraucher nicht

Der Fitnessmarkt in Deutschland boomt: Die Gründe sind ein hohes Gesundheitsbewusstsein, insbesondere in jüngeren Altersgruppen, ergänzt durch die wachsende Bedeutung von ganzheitlichem Wohlbefinden inklusive mentaler Gesundheit in der Gesellschaft. So schreibt es die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte in ihrer Studie „Der deutsche Fitnessmarkt 2026“.

Fast zwölf Millionen Menschen in Deutschland waren zuletzt Mitglied in einem Fitnessklub. Dies ist laut dem Statistikportal Statista der höchste Wert in der Geschichte der Fitnessbranche. Mehr als 46 Euro im Monat zahlen Mitglieder im Durchschnitt. Trotz hoher Verbraucherpreise der vergangenen Jahre wird an den Ausgaben für Fitnessangebote offensichtlich nicht gespart, folgern die Statista-Analysten.

Crossfit-Sportler John Mecklenburg bei einem sogannten Power Clean. Das ist eine olympische Gewichtheber-Übung.

Crossfit-Sportler John Mecklenburg bei einem sogannten Power Clean. Das ist eine olympische Gewichtheber-Übung. Foto: Sulzyc

In der Box in Buxtehude geht es inzwischen auf 20.45 Uhr zu. Mitglied John Mecklenburg setzt zu dem sogenannten „Power Clean“ an. Das ist eine olympische Gewichtheber-Übung, bei der eine Langhantel in einer einzigen explosiven Bewegung vom Boden in den Stand auf den Schultern befördert wird.

Crossfit-Sportler Dennis Tanke indes ist bereits auf dem Weg nach Hause. „Ich bin grundzufriedener“, sagt er. Ausgepowert, aber glücklich.

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