TEis im Treppenhaus und verstopfte WCs: Lage im Stader Hochhaus spitzt sich zu
Am vergangenen Wochenende hat sich im Treppenhaus Eis gebildet. Vorher war offenbar ein Rohr an der Hauptwasserleitung geplatzt. Foto: privat
Keine Heizung, kein fließendes Wasser und jetzt auch noch defekte Toiletten - die Situation für die Bewohner der Grünendeicher Straße 2 in Stade wird immer schlimmer.
Stade. Es sind menschenunwürdige Bedingungen: Laut der Mieter Egon Quednau und Mario Geppert sind seit dem vergangenen Wochenende die Toiletten in den Wohnungen im Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2 im Altländer Viertel in Stade nicht mehr nutzbar, weil sie verstopft oder zugefroren sind.
Mieter sollen an der Tankstelle auf Klo gehen
„Ein Arbeiter hat uns gesagt, dass wir die Toiletten im Haus nicht mehr benutzen, sondern rüber zur Tankstelle gehen sollen“, sagt Mario Geppert. Der 51-Jährige lebt seit 2012 in einer gut 40 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung in dem Hochhaus. Er zahlt 534 Euro Warmmiete.

Große Eiszapfen hingen am Wochenende im Treppenhaus des Hochhauses in der Grünendeicher Straße 2. Foto: privat
Warm ist es im Gebäude aber schon lange nicht mehr. Es ist so kalt, dass sich im Treppenhaus am vergangenen Wochenende große Eiszapfen bildeten. Arbeiter, die derzeit das Haus sanieren, hatten offenbar mehrere Wasserschläuche im Flur nicht geleert und den Haupthahn im Keller nicht abgedreht, vermutet Geppert. Da die Schläuche auch nicht dicht gewesen seien, habe sich daraufhin bei frostigen Temperaturen auf der Treppe und an den Geländern Eis gebildet.

Der Eingang des Hochhauses Grünendeicher Straße 2. Die Zustände im Haus sind für die Mieter unzumutbar. Foto: Stehr
Bereits Anfang Dezember 2025 seien Heizung und Warmwasser im Haus abgestellt worden, so Geppert. Irgendwann kam in den Wohnungen gar kein Wasser mehr aus dem Hahn. Die Bewohner behelfen sich wie berichtet mit Heizlüftern und Wasserkanistern.
Mario Geppert habe im Dezember mehrfach vergeblich versucht, Kontakt zum Vermieter aufzunehmen. Erst nach zwölf Tagen habe er die Antwort erhalten, dass der Schaden einer Firma gemeldet worden sei. Wann die Reparatur stattfinden würde, habe ihm niemand sagen können, so der Mieter.

Mieter Mario Geppert hat ein Foto vom Rohrbruch im Keller gemacht. Foto: privat
Am 16. Dezember seien Heizung und Warmwasser wieder angestellt worden. Zwei Tage später habe es den nächsten Ausfall gegeben, der bis heute andauere. „Zum Glück bin ich meist zwölf Stunden auf der Arbeit und kann dort auch duschen, sonst würde ich durchdrehen“, sagt Mario Geppert. Die ganze Situation stresse ihn sehr.
Unangekündigte Sanierungsarbeiten
Geppert kritisiert vor allem die fehlende Kommunikation des Vermieters mit den Mietern. Derzeit leben noch 16 Menschen in dem 40-Parteien-Haus, das in den vergangenen Jahren mehrere Eigentümer hatte. Seit 2025 gehört das Haus der MMK Grundbesitz II eGbR aus Ahrensburg. Seit September laufen die Sanierungsmaßnahmen in großem Stil - ohne Ankündigung, so Geppert.
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Es seien einfach zwei große Baucontainer vor das Haus gestellt worden und Arbeiter hätten begonnen, Fliesen, Bäder, Innentüren und elektrische Leitungen rauszureißen. Heizungs- und Wasserleitungen seien dabei freigelegt und Isolierungen entfernt worden. „Bis Ende Dezember wurde den ganzen Tag gehämmert und gebohrt“, sagt Geppert.
Kein Licht, kein Fahrstuhl, kein Kabelanschluss
Seine Wohnung verlässt er nur noch mit Taschenlampe, weil das Licht im Treppenhaus nicht funktioniert. Auch die Klingeln am Eingang sind defekt. Der Fahrstuhl fährt bereits seit zwei Jahren nicht mehr. Am 8. November sei zudem der Kabelanschluss gekappt worden. Immerhin: Über ein Glasfaserkabel gibt es Internet.
Geppert hat - genau wie Egon Quednau - aufgrund der unzumutbaren Zustände einen Antrag auf einstweilige Verfügung beim Amtsgericht Stade gestellt. Beide Anträge sind bewilligt worden. Den Tipp habe er von einem Anwalt bekommen, den ihm der Mieterschutz-Club Mieterengel vermittelt habe.
Gerichtsvollzieher wird eingeschaltet
Über das Amtsgericht in Ahrensburg, beziehungsweise über einen dort ansässigen Gerichtsvollzieher, werde nun der Vermieter aufgefordert, Heizung und Wasserversorgung unverzüglich wiederherzustellen. Kommt der Vermieter der Aufforderung nicht nach, kann der Gerichtsvollzieher auf Kosten des Vermieters selbst eine Firma beauftragen.
Geppert hofft, dass er übergangsweise eine der Wohnungen zur Verfügung gestellt bekommt, die derzeit saniert werden. Nach der Sanierung seiner Wohnung würde er gern wieder dort einziehen. Eine andere bezahlbare Wohnung zu finden, sei schwierig. Den anderen Mietern geht es genauso.
Wie es mit den Bauarbeiten weitergeht und ob und wie sich die Sanierung auf die Mieten in der Grünendeicher Straße 2 auswirken wird, bleibt unklar. Eine TAGEBLATT-Anfrage zur aktuellen Situation blieb von der MMK bisher unbeantwortet. Vorher hatte die MMK bereits über einen Anwalt mitgeteilt, dass die Vorwürfe der Mieter „haltlos“ seien.

Am vergangenen Wochenende hat sich im Treppenhaus Eis gebildet. Vorher war offenbar ein Rohr an der Hauptwasserleitung geplatzt. Foto: privat
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